
Die Trümmer des Präsidentenpalastes in Port-au-Prince

Rick Perera ist für CARE in Haiti (Fotos: CARE/Hockstein)
Man kann eine Menge aushalten, wenn man sich beschäftigt hält. Aber dann muss man aufpassen, wenn man irgendwann innehält und Zeit hat nachzudenken. Auf einer langen Fahrt letzte Nacht habe ich mich mit dem völlig erschöpften Fahrer von CARE unterhalten und für einen Moment verstanden, was die Situation für einen Haitianer bedeutet.
Er sprach mit einer schmerzlichen Liebe von seinem Land, in dem Schönheit und Leid so nah beieinander liegen. „Wir haben ein gutes Klima. Wir haben kluge, hart arbeitende Menschen. Wir könnten genauso erfolgreich sein wie die USA oder Frankreich.“ Der Mann strukturierte seine Sätze mit den Zusätzen „Vor der Katastrophe“ und „Nach der Katastrophe“. Davor und danach – das wirkt beinahe wie eine neue Zeitrechnung.
Erinnerungen an 9/11
Ich erinnerte mich an meinen ersten Heimatbesuch in den USA im November 2001. Damals lebte ich in Deutschland. In jedem Restaurant in New York hörte man die Worte „Nine-eleven, nine-eleven, nine-eleven” aus dem Stimmengewirr der Gespräche deutlich heraus.
Ich erinnere mich genau an diesen schrecklichen Tag, als ich machtlos am Computer im Berlin sah, wie das World Trade Center zusammenbrach. Ich ging zu der amerikanischen Botschaft ein paar Straßen weiter. Viele Deutsche standen dort und legten Blumen an der mit Sandsäcken versperrten Straße nieder. Die meisten meiner deutschen Freunde haben mir Nachrichten geschickt. „Amerika, du warst für uns da, als wir es brauchten – jetzt sind wir für dich da“, schrieben viele Berliner. Ich sah eine amerikanische Flagge und brach zusammen.
Traurige Liebe zum Heimatland
Wenn ich jetzt an den Ruinen des eleganten Palasts des Präsidenten in Port-au-Prince vorbeifahre, der dem Weißen Haus sehr ähnelt, dann bricht mir erneut das Herz. Wenn ich die leidenschaftlichen Liebeslieder an Haiti und Port-au-Prince im Radio höre, dann kann ich den Patriotismus und die Verletzungen dieser wundervollen Menschen nur zu gut nachvollziehen. Wenn ich die zerstörten Polizeistationen und die wunderschöne haitianische Flagge auf Halbmast sehe, dann stehen auch mir wieder die Tränen in den Augen.
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