Sie sind hier: Start / Projekte / Schulaktion / Ein Storch verbindet Kinder in Afrika und Deutschland
Warum schickt eine saarländische Grundschule ein Stofftier nach Lesotho? Seit wann verbinden Siegburger Gymnasiasten mit dem Ausdruck „Tuareg“ nicht mehr nur einen Geländewagen? Seit CARE Deutschland mit zwei Schulen zusammenarbeitet, beschäftigen sich die Schüler intensiv mit den Lebenswelten Gleichaltriger in Afrika. In einem Pilotprojekt unterstützt CARE eine Grundschule und ein Gymnasium dabei, Partnerschaften mit Schulen in Afrika aufzubauen. Die deutschen Kinder und Jugendlichen lassen sich dabei eine Menge einfallen, um Geld für „ihre“ Schulen zu sammeln und den Austausch lebendig zu gestalten.
Grundschulpartnerschaft zwischen dem Saarland und Lesotho
Die saarländische Grundschule Fischbach-Göttelborn hat sich dafür entschieden, Schüler der Thaba-Limpe Grundschule in Lesotho im Rahmen des CARE-Projektes „Ein Garten fürs Leben“ zu unterstützen.
Die erste große Spendenaktion fand zur Fußballweltmeisterschaft 2006 statt. Die Kinder bemalten für die bundesweite Aktion „Ein Ball vereint die Welt“ hunderte von Fußbällen und sammelten so 3.500 Euro für ihre Partnerschule. Aber das war erst der Anfang: beim Martinsumzug im Herbst und auf dem Weihnachtsmarkt wurde weiter fleißig die Werbetrommel für den guten Zweck gerührt, und beim Sommerfest konnte so ein Scheck über 1.200 Euro an CARE übergeben werden.
Dabei lassen sich die Kinder immer wieder etwas Besonderes für ihre Altersgenossen in Afrika einfallen. Sie haben tibetische Gebetsfahnen mit Wünschen für die Kinder der Partnerschule gestaltet und eine Storchen-Skulptur für ihren Schulflur gebaut. Dazu passend schickte die Schule einen Plüsch-Storch und einen Brief nach Lesotho. Der Vogel ist sowohl in Europa als auch in Afrika heimisch und deshalb ein schönes Sinnbild für die Brücke zwischen den Kontinenten. Im Herbst sollen dann die Gebetsfahnen nach Lesotho geschickt werden.
Die Partnergrundschule Thaba-Limpe liegt im kleinen Königreich Lesotho im südlichen Afrika, das von extremer Armut gezeichnet ist. Beinahe jeder vierte Erwachsene ist HIV-infiziert. Häufig übernehmen Kinder die Versorgung der Familie und können deshalb nicht zur Schule gehen. Ein erfolgreicher Ansatz zur Selbsthilfe ist deshalb der Bau von Gemüsegärten rund um die Schule. So können die Kinder den Unterricht besuchen, lernen dabei effiziente Anbaumethoden und bekommen mehrere vitaminreiche Mahlzeiten pro Woche. So auch in der Thaba-Limpe Grundschule, wo 139 Schüler unterrichtet werden. 87 von ihnen sind Halbwaisen, sieben Schüler haben Mutter und Vater verloren. CARE hat bereits dabei geholfen, einen 900 Quadratkilometer großen Schulgarten aufzubauen. Außerdem wurden zwei 5.000 Liter-Wassertanks installiert, um den Schulgarten zu bewässern. Für 2007 ist der Bau eines Treibhauses zur Samenzucht geplant. Von dem Verkauf der Samen können dann beispielsweise Schulmaterialen gekauft werden.
Gymnasium in Siegburg engagiert sich für Tuareg-Nomadenkinder im Niger
In einem zweiten Pilotprojekt unterstützt CARE die Partnerschaft zwischen dem Gymnasium Alleestrasse aus Siegburg und der Grundschule Abarakan im Niger. Offizielle Amtsprache im Niger ist französisch, weshalb sich das bilinguale deutsch-französische Gymnasium besonders für dieses Projekt eignete. Offiziell wird die Partnerschaft am 14. August mit einer großen Auftaktveranstaltung gestartet. Das hielt die Schülerinnen und Schüler aber nicht davon ab, bereits im Voraus Spenden zu sammeln: Bei zwei Konzerten des Schulchors im Juni kamen bereits 1.000 Euro für die Partnerschule zusammen. Zum Startschuss der Partnerschaft wird Mano Aghali aus dem Niger zu Besuch sein, der sich mit der Tuareg-Nichtregierungsorganisation Hed-Tamat für sein noch immer ausgegrenztes Volkes einsetzt. Auch die Gründung einer Afrika-AG am Gymnasium Alleestrasse ist geplant.
Die Abarakan-Grundschule liegt im Air-Gebirge im Norden des Landes, wo das Nomadenvolk der Tuareg lebt. Sie betreiben hier Karawanenhandel und Kamelzucht. Etwa 860.000 Tuareg leben heute im Niger unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Neben jahrelanger Unterdrückung und sozialer Ausgrenzung wirkt sich inzwischen auch der Klimawandel auf die Lebensweise des mehr als 2000 Jahre alten Volkes aus: Anhaltende Dürreperioden und geschwächte Böden machen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Tuareg zunehmend schwieriger. Während die Männer noch im jahreszeitlichen Rhythmus durch das Land ziehen, sind die Familien inzwischen zum Großteil sesshaft und leben von Obstanbau und Ziegenhaltung. Somit können die Kinder inzwischen auch regelmäßig zur Schule gehen. Die Grundschule in Abarakan wurde 2001 von CARE errichtet und bietet heute rund 90 Kindern eine geregelte Ausbildung. Die Partnerschaft zwischen Siegburg und dem Niger soll außerdem auf eine neu gegründete Gesamtschule für ältere Schüler ausgeweitet werden, die sich 15 Kilometer weiter im Ort Tinja befindet. Hier wird vor allem noch Unterrichtsmaterial benötigt.
Diese beiden Schulpartnerschaften sind für CARE ein Beispiel dafür, wie sich Kinder und Jugendliche in Deutschland mit vollem Einsatz für eine gute Sache engagieren. Dabei zeigen sie jede Menge Herz für die Belange von anderen Schülern, die in weiter Ferne und unter völlig anderen Umständen leben und lernen, als sie selbst.
Sabine Wilke
Hier finden Sie mehr Informationen zu unseren Projekten in
Lesotho>>>
© Copyright 2012 CARE Deutschland-Luxemburg e.V.