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Ein Rennen gegen die Zeit und das Unwissen

Edna Masvingo kämpft gegen die Cholera (Foto: CARE)
Edna Masvingo kämpft gegen die Cholera (Foto: CARE)

Michael Chiramba und Edna Masvingo klären im ländlichen Simbabwe über Cholera auf

„Wussten Sie, dass der Choleravirus sich unter den Nägeln tagelang verstecken kann? Die Gemeinden müssen lernen, dass sie sich die Hände nach einem Toilettenbesuch und vor dem Essen immer waschen müssen. Wir bringen ihnen bei, Essen gut durchzukochen, um Krankheitserreger zu vernichten, und Gemüse und Obst vor dem Verzehr zu waschen“.

Edna Masvingo macht ihre Aufklärungsarbeit mit Leidenschaft. Seit August 2008 kämpfen die Menschen in Simbabwe mit den Folgen einer Choleraepidemie. Edna Masvingo und Michael Chiramba arbeiten zusammen mit weiteren medizinischen Helfern in einem Team außerhalb der Stadt Masvingo. Wenn Cholera ausbricht sind sie 24 Stunden in Rufbereitschaft, um den Dorfbewohnern Hilfe zu leisten.

Rasende Verbreitung
„Wenn die Cholera kommt, verbreitet sie sich in kürzester Zeit ganz schnell“, erklärt Edna. Der schlimmste Fall, den sie erlebt hat, betrifft die Familie Tagwirei. „Sie verlor vier Mitglieder an Cholera: die Mutter, den Vater, eine Tochter und eine Tante. Sie alle waren die Geldverdiener der Familie. Die Tochter arbeitete in der Stadt und hat die Krankheit wahrscheinlich von dort mitgebracht. Sie litt am Tag nach ihrer Ankunft an Erbrechen und Durchfall. Ihre Verwandten haben sie nicht zum Krankenhaus gebracht, weil sie dachten, dass es einfach am Ortswechsel von der Stadt zum Dorf lag.

Sie starb innerhalb von zwei Tagen. Ihre eigene Mutter konnte an der Beerdigung nicht teilnehmen. Sie war inzwischen nämlich auch krank geworden und starb einen Tag danach. Erst als auch der Vater erkrankte, begriff die Familie, dass es sich um Cholera handelte. Es war aber für ihn und seine Schwester leider auch schon zu spät“, sagt Edna betroffen. „Vier Leute aus einer Familie waren innerhalb einer Woche tot.“

Keiner muss an Cholera sterben

Die Aufklärungsarbeit reicht bis zu Vorsichtsmaßnahmen bei Beerdigungen. Michael schildert seine Erfahrungen davon: „Die Menschen sollten sich nicht mehr mit Händedruck grüßen, besonders bei öffentlichen Treffen. Wir gehen zu Versammlungen, um zu prüfen, ob unsere Botschaft angekommen ist. Wir kontrollieren insbesondere die Beerdigungen von Choleraopfern und achten darauf, dass die Leichen in speziellen Leichensäcken am gleichen Tag bestattet werden“.

Edna erzählt, dass die Menschen aus Angst zuerst nicht mehr zu Beerdigungen gehen wollten. „Wir mussten ihnen erklären, dass es nicht falsch war, bei der Trauer mit traditionellen Gebräuchen füreinander da zu sein, aber dass sie sich besser schützen sollten. Wir haben zum Beispiel Seife fürs Händewaschen bei Beerdigungen verteilt. Wir desinfizierten die Trauernden mit eine Sprühmischung aus Chlor und langsam trauen sich wieder mehr Leute, zu Versammlungen dieser Art zu kommen.“

Michael Chiramba ist einer der vielen freiwilligen Helfer (Foto: CARE)
Michael Chiramba ist einer der vielen freiwilligen Helfer (Foto: CARE)


Die Aufklärungsarbeit, die Helfer wie Edna und Michael in den Dörfern machen, ist daher von großer Bedeutung, um unnötige Verluste wie die der Familie Tagwirei zu verhindern. Die Helfer gehen von Dorf zu Dorf, besuchen auch die Schulen und suchen verantwortliche Menschen aus, denen sie Vorbeugungsmaßnahmen beibringen. Diese teilen ihr neues Wissen wiederum mit der restlichen Gemeinde.

Ihre Hauptbotschaft ist, dass Cholera sich durch kontaminiertes Wasser verbreitet. „Bei der Aufklärung erinnern wir deshalb die Menschen daran, Trinkwasser vor dem Gebrauch zu kochen“ erklärt Edna. Die Botschaft, die Helfer wie Michael und Edna tragen, wird immer wichtiger. Denn jetzt sind die Schulferien vorbei und die Kinder können ihren Eltern und Geschwistern in kleineren Dörfern, wo die Helfer nicht hinkommen, das Erlernte beibringen.

Der Kampf ist noch nicht gewonnen

Obwohl die Epidemie in den Städten begann, verbreitet sie sich langsam auch in den ländlichen Gebieten und an den Grenzen zu Nachbarländern wie Südafrika und Mosambik. Die politische und ökonomische Lage Simbabwes hat die Verbreitung von Cholera nur beschleunigt: es gibt keine zuverlässiges Gesundheitssystem und viele Kranke sind auf die Hilfe von internationalen Hilfsorganisationen wie CARE angewiesen. CARE baut Latrinen in den Gemeinden und sichert die Trinkerwasserversorgung mit Bohrlöchern.

Dank des Einsatzes des medizinischen Personals in Masvingo zusammen mit Freiwilligen aus den Dörfern konnte die weitere Verbreitung von Cholera in dieser Provinz verlangsamt werden. Michael Chiramba und Edna Masvingo waren Teil dieses Erfolgs. „Ich freue mich, dass wir die Epidemie langsam unter Kontrolle bringen. Weniger neue Fälle werden gemeldet.“ Obwohl Michael sicher ist, dass Fortschritte gemacht worden sind, weiß er auch, dass viel Arbeit noch vor ihnen liegt, bis dieser Kampf gewonnen ist:

„Wir alle, die Gemeinden, die Regierung und die Hilfsorganisationen, müssen alles tun, um mehr sichere Wasserquellen und Toiletten zu errichten, und die hygienischen Bedingungen allgemein zu verbessern.“


 
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