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"Jeder kann Vorreiter in Sachen Klimaschutz sein"

Dr. Koko Warner ist Wissenschaftlerin und Leiterin der Abteilung für umweltbedingte Migration, soziale Verwundbarkeit, und Anpassung am Institut für Umwelt und Menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) in Bonn. Die gebürtige US-Amerikanerin studierte als Fulbright Stipendiantin Entwicklungs- und Umweltökonomie an der Universität Wien. Sie ist Mitautorin der Studie „Obdach gesucht. Auswirkungen des Klimawandels und Migration und Vertreibung“ (2009)

Dr. Koko Warner, UN-Universität (Foto: privat)
Dr. Koko Warner, UN-Universität (Foto: privat)

1.)    Sie verfolgen seit einigen Jahren die Verhandlungen zur internationalen Klimapolitik – ob in Bali, Poznan oder jetzt in Kopenhagen. Hört die Politik den Wissenschaftlern inzwischen zu?

Bei Thema Migration und Vertreibung inzwischen schon. Der Verhandlungstext beinhaltet jetzt einen Absatz darüber, der nicht in Klammern steht und folglich nicht umstritten ist. Das bedeutet im Klartext: Die Delegierten und damit ihre Regierungen akzeptieren, dass der Klimawandel Auswirkungen auf die menschliche Mobilität hat. Das war in früheren Vertragstexten noch nicht der Fall. Die Tatsache, dass das Thema jetzt Gehör findet, ist sicher einer gemeinsamen Anstrengung von Wissenschaftlern, Nichtregierungsorganisationen, der Zivilgesellschaft und den Delegierten zu verdanken.


 
2.)    Was erwarten Sie realistischerweise von Kopenhagen und was ist die größte Gefahr des Scheiterns?


Die größte Gefahr ist es, dass die wichtigsten Länder sich nicht darauf einlassen, Reduktionsverpflichtungen einzugehen. Wenn die USA, China und Indien sich nicht einigen, wird auch kein anderer Staat mitmachen. Dann wäre das Ergebnis von Kopenhagen sehr schwach und wir würden wertvolle Zeit verlieren. In den letzten Wochen vor dem Gipfel gab es allerdings vorsichtigen Optimismus. Wenn der amerikanische Präsident in Kopenhagen vorbeikommt und seine Kollegen motiviert und sagt „Wir müssen das hier hinbekommen!“, dann könnte das den Verhandlungen neue Energie geben.

 

3.)    Sie forschen zu Umweltkatastrophen und den Auswirkungen auf die Ärmsten der Armen. Was wird gebraucht, damit diese sich gegen den Klimawandel schützen können?

Wir sind der Ansicht, dass arme Bevölkerungsgruppen eine ganze Palette an Werkzeugen benötigen, damit sie dem Risiko standhalten und sich an den Klimawandel anpassen können. In vielen Teilen der Erde ist bereits der Verlust des Fahrrads oder des Schuhputzkastens eine Katastrophe, denn diese einfachen Gerätschaften sichern den Menschen ihren Lebensunterhalt. Deshalb müssen sie in die Lage versetzt werden, diese Verluste zu verhindern. Helfen können zum Beispiel Mikroversicherungen, die die Schwere des Schocks abmildern. Man kann sich das wie eine Kurve vorstellen: Die Menschen und ihre Lebensgrundlagen sind aufgrund der Armut dauerhaft gefährdet. Aber Naturkatastrophen steigern diese Verwundbarkeit noch zusätzlich, die Kurve schlägt also – ähnlich wie bei der Messung von Herzfrequenzen – nach oben aus. Bestimmte Schutzmechanismen können helfen, diese Ausfälle abzumildern.

4.)    Eine persönliche Frage: Wann sind Sie in ihrer akademischen Laufbahn das erste Mal auf den Klimawandel gestoßen und was hat sich seitdem in der Debatte geändert?

Ich bin studierte Wirtschaftswissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Umwelt und Entwicklung. Wir haben ab dem Jahr 2000 damit begonnen, Modellprojekte über die makroökonomischen Auswirkungen von Naturkatastrophen durchzuführen. Durch einen Zufall waren das nie Projekte zu geologischen Risiken wie Erdbeben, sondern immer solche, die mit Wetterphänomenen in Verbindung standen, also mit Wirbelstürmen oder Fluten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dann eine richtige Gemeinschaft von Forschern, die zu Risikomanagement und Katastrophenschutz arbeiten und denen, die über Anpassung an den Klimawandel forschen.

 

5.)    Beim Klimaschutz denken sich viele Leute: „Alles schön und gut, aber solange die USA und China so viel CO2 ausstoßen, macht es keinen Unterschied, wenn ich weniger Auto fahre.“ Wie antworten Sie auf dieses Argument?

Ich habe selbst mein Auto verkauft! Allerdings lebe ich glücklicherweise auch in Bonn, wo es kaum Berge gibt und man gut Fahrrad fahren kann. Im Ernst: Das individuelle Verhalten spielt auf jeden Fall eine wichtige Rolle. Und das nicht nur im Bezug auf die Lebensgewohnheiten. Wir leben glücklicherweise in demokratischen Gesellschaften und können unseren Vertretern im Parlament schreiben. Ich habe das bereits öfter getan, und sie antworten tatsächlich. Ich bin zwar nur eine Person, aber ich kann dafür sorgen, dass meine Stimme gehört wird. Und auch die Art und Weise, wie wir uns untereinander beeinflussen, kann etwas verändern. Jeder von uns kann ein Vorreiter und Meinungsführer sein!

Neulich war ich im Kindergarten meiner Söhne zu Besuch. Wir haben gemeinsam am Waschbecken gestanden und ein Kind hat sich die Zähne geputzt. Währenddessen lief der Wasserhahn über einem Eimer, und der war nach drei Minuten natürlich voll. Dann sind wir nach draußen gegangen und haben mit einer Handpumpe noch mal Wasser in den Eimer gepumpt. Die Kinder haben sofort gemerkt, wie viel Energie dafür gebraucht wird. Und dass diese Energie irgendwo herkommen muss. So kann man auch kleinen Kindern gut erklären, warum Wasser- und Energiesparen wichtig sind.

 
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