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Blaues, grünes und graues Wasser

Dorothea August (Foto: WWF)
Dorothea August (Foto: WWF)

Dorothea August ist Süßwasser-Expertin beim WWF Deutschland. Im Interview erklärt sie, welche Folgen Wasserknappheit haben kann und dass es bereits positive Beispiele für nachhaltige Wassernutzung gibt.

 

Wasser erneuert sich doch in einem Kreislauf von Verdunstung und Niederschlag immer wieder von selbst. Warum liest man dann in letzter Zeit häufiger, dass das Wasser weltweit knapper wird?

Der globale Wasserkreislauf bleibt bestehen, jedoch verändert sich der lokale/ regionale Wasserkreislauf, wenn natürliche Stoffkreisläufe und Funktionen nicht mehr erfüllt werden. Dies trifft ganz besonders Gebiete in trockenen Klimaten mit einer in Teilen des Jahres bereits negativen Wasserbilanz (arid/ semi-arid). Dort werden vor allem durch Bewässerungslandwirtschaft der natürliche Wasserkreislauf und von diesem erhaltene Ökosystemfunktionen gestört und gegebenenfalls zerstört. Dies führt mittel- bis langfristig zur Degradierung nicht nur der Vegetation und Artenvielfalt, sondern auch der Produktionsbedingungen, z.B. der Bodenfruchtbarkeit.

 

Was hat das alles mit dem Klimawandel zu tun?

Eingriffe in die Natur, insbesondere durch die Umwandlung von Natur in landwirtschaftliche Nutzfläche, aber auch durch Versiegelung, Verbauung, Industrie und die Belastung durch chemische Stoffe führt zu Veränderungen des Naturhaushalts und damit auch des lokalen Klimas. Im größeren Maßstab und in hoher Intensität trägt dies zum Klimawandel bei.
Andererseits hat das sich verändernde Klima, maßgeblich die Temperaturerhöhung und Veränderung von jahreszeitlichen Wetterlagen Einfluss auf die Stabilität der Ökosysteme. Davon sind die Bevölkerung ebenso wie die biologische Artenvielfalt betroffen.

Die Rechnung vom „virtuellen Wasser“ zeigt an, wie viel Wasser bei der Produktion eines Produktes verbraucht wird. Meine Tasse Kaffee am morgen hat demnach schon 140 Liter Wasser geschluckt. Die Herstellung einer Tasse Tee braucht 35 Liter Wasser. Soll ich also lieber Tee trinken?

Tee erscheint zwar zunächst in der Berechnung mit niedrigeren Werten, doch liegt darin noch nicht die Antwort, denn es kommt auf den Anbau und die Herstellung an. Zunächst einmal wird durch die Berechnung des Virtuellen Wassers eines Produktes rechnerisch die Inanspruchnahme von Wasserressourcen für dessen Herstellung erfasst. Dies schließt den natürlichen Wasserkreislauf von Bodenfeuchte und Verdunstung ein. Damit erscheinen Güter aus gemäßigten und feuchten Klimaten unmittelbar mit einem viel höheren Wasser-Fußabdruck. Interessant wird die qualitative Betrachtung der einzelnen Wasseranteile. Wieviel von dieser Summe ist „grünes/ Verdunstungswasser“, wieviel „blaues/ Oberflächen- und Grundwasser“ aus Bewässerung und wieviel „graues Wasser“ durch Verschmutzung. Mit den einzelnen Werten der drei Komponenten lässt sich erkennen, wo eine Überbeanspruchung stattfindet, die reduziert bzw. verhindert werden kann.

Welche Folgen hat es für die Natur und die Menschen, wenn in einem Gebiet das Wasser knapp wird?

Wenn Lebengrundlagen knapp werden, kommt es gegebenenfalls zu Konkurrenz. Dies kann einerseits zur Aufgabe von Wirtschaftsstandorten, Verarmung und Migration auf Seiten der Bevölkerung führen. Die natürlichen Ökosysteme werden bereits zerstört bevor es knapp wird, ab dem Moment wenn die natürlich verfügbaren Ressourcen übernutzt werden. Dies führt zum Verlust von biologischer Artenvielfalt und stabilen Ökosystemen, die Grundlage für eine sozio-ökonomische Entwicklung sind.

Gibt es denn auch gute Nachrichten? Schaffen es Regionen in Afrika oder Asien, mit dem vorhandenen Wasser nachhaltig zu wirtschaften? Und wenn ja, wie?

Es gibt einige Länder mit einer sehr fortschrittlichen Wassergesetzgebung, dazu gehört zum Beispiel Südafrika. Lokale positive Entwicklungen beziehen sich überwiegend auf Projekte in spezifischen Gewässereinzugsgebieten oder auf einen regionalen Kontext. Wenngleich das neue Wassermanagement im Einzugsgebiet des Mara-Flusses in Ostafrika in Kenia und Tansania noch in der Entwicklung ist, zeigt es bereits heute, dass die Beteiligung der gesamten Bevölkerung und Nutzer der Ressourcen in einem Gebiet in der Zusammenarbeit einer Wassernutzervereinigung eine Perspektive bilden kann.  

 
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