Zu seiner Reise ins indonesische Erdbebengebiet schreibt der Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg, Dr. Wolfgang Jamann.
BONN/YOGYYAKARTA 6. Juni 2006. Zehn Tage nach dem verheerenden Erdbeben auf der Insel Java zeigt sich CARE besorgt über die nachlassende Aufmerksamkeit für diese humanitäre Katastrophe. Die Zerstörungen um die javanische Stadt Yogyakarta haben Opferzahlen vergleichbar mit der Tsunamikatastrophe vor eineinhalb Jahren hinterlassen. Es ist zu befürchten, dass sich die Not dramatisch verschärft, wenn die internationale Gemeinschaft die Hilfsanstrengungen nicht intensiviert.
Mittlerweile liegen die offiziellen Angaben zu Todeszahlen bei über 6.200 Personen. Noch bedenklicher ist der Umstand, dass über 300.000 Personen heimatlos geworden sind und insgesamt ca. 600.000 Menschen von dem Erdbeben betroffen wurden. Diese Zahlen sind vergleichbar mit den Auswirkungen des Tsunami in der Provinz Aceh, wo ebenfalls über 600.000 Menschen Opfer wurden.
Wegen der vergleichbar geringen Stärke des Erdbebens und weil vor allem Stadtteile betroffen wurden, in denen kleine Häuser standen, sind die Todeszahlen nicht so hoch wie bei den letzten großen Erdbeben in Pakistan und in Indonesien. Auch deshalb ist die Bevölkerung nicht so traumatisiert, dass nicht auf lokale Initiativen gesetzt werden kann. Die Einwohner von Yogya und Umgebung haben begonnen, Schutt wegzuräumen und die Voraussetzung für den Wiederaufbau zu schaffen. Jedoch wird es sicherlich noch ein Jahr oder länger dauern, bis die Bevölkerung wieder adäquat untergebracht ist.
Die derzeit erfolgreich laufenden Maßnahmen zur unmittelbaren Erstversorgung sind deshalb kein Grund zu glauben, die Not sei vorüber. Dringend werden weitere temporäre Unterkünfte gebraucht, Decken und Haushaltsgegenstände. Auch die medizinische Versorgung muss über die nächsten Wochen verstärkt werden, da viele unzureichend behandelte Erdbebenopfer nachversorgt werden müssen und man dem Ausbruch von infektiösen Krankheiten und Seuchen vorbeugen muss.
Besorgniserregend ist jedoch vor allem die mangelnde Versorgung mit sauberem Wasser. Die hygienischen Verhältnisse sind äußerst unzureichend und das wenige vorhandene Wasser in der Regel verschmutzt. Dringend müssen Latrinen gebaut und Wasser gereinigt werden. Auch die Möglichkeiten der Menschen zur Selbstversorgung sind sehr gering, da oft die wenigen Besitztümer zerstört und Einkommensmöglichkeiten verschwunden sind.
Aus diesen Gründen konzentriert sich CARE zur Zeit vor allem auf die Verteilung von Wasserkanistern und Reinigungslösung sowie auf den Aufbau eines Gutscheinsystems zur Versorgung mit Lebensmitteln. Mit diesem System werden lokale Wirtschaftsaktivitäten angekurbelt, und die Menschen können sich Lebensmittelrationen selbst zusammenstellen. CARE konzentriert sich vor allem auf weibliche Händler und kleine von Frauen geführte Lebensmittelgeschäfte.
Mit dem bevorstehenden Ausbruch des Mount Merapi droht eine weitere humanitäre Katastrophe. In den Tagen seit dem Erdbeben hat sich die Aktivität des Vulkans verdreifacht und es herrscht große Angst vor einer möglichen giftigen Gaswolke, die die schutzlose Bevölkerung dramatisch treffen könnte. CARE International bereitet sich mit der Bereitstellung von medizinischem Material auf dieses mögliche Szenario vor, benötigt jedoch dringend Hilfe und Unterstützung der deutschen Öffentlichkeit.
Bitte helfen Sie uns, die Betroffenen des Erdbeben zu unterstützen.
Bericht der Leiterin der CARE-Gesundheitsprojekte Dr. Endang Widyastuti
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