Von Lantip Budiarto, Mitarbeiter des CARE Nothilfeteams in Indonesien
Lantip Budiarto, Mitarbeiter des CARE-Büros in Jakarta ist einen Tag nach dem Erdbeben in seine Heimatstadt Yogyakarta gefahren, wo er das Nothilfeteam von CARE unterstützt.
Yogyakarta, Indonesien – Ich war sehr erschrocken, als ich vergangene Nacht durch die Ortschaft Kotagede fuhr. Als Teil eines CARE-Nothilfeteams erreichte ich Yogyakarta Sonntagabend kurz nach 23 Uhr. Alles woran ich während unserer zwölfstündigen Fahrt durch sintflutartigen Regen denken konnte, war meine Familie. Ich arbeite im CARE-Büro in der Hauptstadt Jakarta - doch das Dorf meiner Familie befindet sich in der vom Erdbeben am stärksten Region nahe Yogyakarta.
Es war schon spät, aber ich überredete den Fahrer mich in das Dorf meines Schwagers zu fahren. Kotagede ist ein altertümlicher, javanesischer Ort mit zahlreichen Friedhöfen. Wir wussten, dass die Zahl der Todesopfer stieg. Während dieser Nacht war es in der Region viel zu ruhig.
Als wir den Ort erreichten, sahen wir etwas auf der Straße. Menschen! Leblose Körper! Im ersten Moment dachten wir es handele sich um Leichen, aber es waren Menschen, die auf der Straße schliefen. Sie alle hatten Angst in ihren Häusern zu schlafen. Jedes leichte Nachbeben lässt weitere Trümmerteile zu Bode fallen. Sie haben gesehen, was während des ersten Erdbebens geschah und haben Angst, dass ihre Häuser einstürzen könnten.
Aufgrund der Trümmer und der Menschen auf den Straßen, mussten wir das Auto abstellen und zu Fuß bis zum Haus meiner Familie laufen. Das Erdbeben hatte jegliche Stromversorgung zerstört, so dass es vollkommen dunkel war. Wir hatten Jakarta diesen Morgen in solch einer Eile verlassen, dass ich meine Taschenlampe vergessen hatte. Ich hörte das Atmen einiger Menschen, aber ich konnte sie nicht sehen. Mein Fahrer hatte Angst – ich lief nun alleine durch die Trümmer und an den schlafenden Menschen vorbei.
Meine zwei Töchter hatten mich darum gebeten nicht hierher zu kommen, da in unmittelbarer Nähe der Vulkan Merapi laut Aussagen zahlreicher Wissenschaftler täglich ausbrechen könne und Nachbeben die Region weiterhin erschüttern. Meine Töchter hatten Angst. Nach dem Tsunami im vorletzten Jahr versuchten sie mir ebenfalls meinen Besuch auszureden. Aber ich musste kommen. Ich sagte ihnen, es sei meine Pflicht nach ihren zu sehen.
CARE-Nothilfe für 200.000 Menschen
Meine Familie befindet sich in Sicherheit, doch das Dorf ist vollkommen zerstört. Sie benötigen Nahrungsmittel, Wasser und eine Unterkunft. CARE ist eine der Hilfsorganisationen, die im Zuge des Erdbebens Nothilfe für mehr als 200.000 Menschen leisten, die ihr Zuhause verloren haben. Im Rahmen seiner Arbeit konzentriert sich CARE auf abgelegene Regionen, wie das Dorf meiner Familie. Es gilt sicherzustellen, dass die Bevölkerung sauberes Trinkwasser bekommt.
Im Dorf meines Vaters in Klaten starben sieben Menschen direkt neben unserem Haus. Ihre Häuser stürzten ein und sie wurden durch herabfallende Trümmerteile verschüttet. Ihren Verwandten gelang es, die Leichen aus den Trümmern zu bergen und somit eine angemessene Beerdigung sicherzustellen. Es ist nicht wie nach dem Tsunami, als Leichen weggeschwemmt wurden und Überlebende ihre Verwandten nicht finden konnten.
„Wir Indonesier geben nicht auf“
Indonesien hat eine Vielzahl an Katastrophen erleiden müssen. Vom Tsunami, über eine Vielzahl von Überflutungen, bis hin zu dem aktuellen Erdbeben in Yogyakarta. Aber wir Indonesier geben nicht auf. Wir werden einander gegenseitig weiter unterstützen, wie wir es immer getan haben. Wie ich es meiner Tochter zu sagen pflege: "Wir mögen Angst haben, aber es ist unsere Pflicht zu helfen."
Bitte helfen Sie uns, die Betroffenen des Erdbeben zu unterstützen.
CARE-Hauptgeschäftsführer berichtet von seiner Reise ins Erdbebengebiet
Bericht der Leiterin der CARE-Gesundheitsprojekte Dr. Endang Widyastuti
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