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Blog aus dem Jemen über CARE-Projekte

Programmreferent Felix Wolff berichtet über seine Arbeit im CARE-Länderbüro im Jemen.

  • 08.12.07 - Faszinierende Berglandschaft, große Not
  • 27.11.07 - Oktober über 6.000 somalische Flüchtlinge
  • 20.11.07 - Ankunft mit orientalischem Trubel

08.12.07 - Faszinierende Berglandschaft, große Not

Felix Wolff im Gespräch mit Männern aus dem Jemen. Foto: CARE/Wolff

Hajja ist eine chaotische Kleinstadt inmitten einer schroffen und wunderschönen Berglandschaft etwa 100  Kilometer nördlich von Sana’a, in der hunderte kleine Dörfer schwer zugänglich und oft weit abseits der asphaltierten Strassen liegen. Ich bin mit meinem Kollegen Mohammed Saad hierher gefahren, da CARE mit Unterstützung der Europäischen Union seit drei Jahren ein Projekt zur Frauenförderung und Verbesserung der Ernährungssicherheit durchführt, welches Ende des Jahres ausläuft.

Natürlich möchte ich meinen Aufenthalt nutzen, um noch einmal vorbei zu schauen, mich nach den Ergebnissen zu erkundigen und gemeinsam mit Essam, dem Projektmanager, den Abschlussbericht vorzubereiten. Auf dem Weg hatten wir Gelegenheit, einige Projektdörfer zu besuchen.
Die Straße von Sana’a nach Hajja führt durch eine faszinierende Berglandschaft (der höchste Punkt der Strecke liegt 2.800 Meter über dem Meeresspiegel.), in der die jemenitischen Bergbauern oft bis in den letzten zugänglichen Winkel Terrassenfelder gebaut haben, um den kargen Boden und die knappen Regenfälle optimal zu nutzen.

Dennoch reicht die Nahrung oft nicht aus, worunter besonders Kinder leiden. CARE hat ein Programm der sogenannten „Positiven Abweichung“ in 28 Dörfern gestartet, um Mangelernährung bei Kindern zu beenden. Alle Kinder unter fünf Jahren im Dorf, die Unter- oder Mangelernährung aufweisen (und das sind bis zu der Hälfte aller Kinder), werden in einem speziellen, 12-tägigen Programm wieder „aufgepäppelt“, während gleichzeitig die dörfliche Frauengruppe mit den Familien der Kinder Hygiene- und Ernährungspraktiken einübt. Als Orientierung dienen hierbei die Methoden von „positiv abweichenden“ Haushalten. Das heißt Familien, die zwar ebenso arm sind, die es aber mit den vorhandenen Zutaten und finanziellen Mitteln schaffen, ihre Kinder ausgewogen und ausreichend zu ernähren.

Somalische Flüchtlingskinder in Basateen. CARE/Wolff

Durch das Übernehmen von lokal vorhandenen Hygienepraktiken und Kochrezepten wird sichergestellt, dass die Familien dies auch nach Projektende weiterführen können. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eine solche Gruppe besuchen kann, da die Ausiwrkungen auf die Gesundheit der Kinder und die Zufriedenheit der Eltern sofort sichtbar sind.

Ausserdem baut CARE Trinkwassertanks in vielen Dörfern, um den Menschen die Last des täglichen Wasserholens zu erleichtern und legt zusammen mit den Bauern kleine Gemüsegärten mit Wasser sparender Tröpfchenbewässerung an – hierdurch können viele Familien ihre Lebensmittelversorgung mit einfachen Mitteln verbessern. All diese Aktivitäten werden über die dörflichen Frauengruppen umgesetzt, wodurch die Stellung der Frauen in der dörflichen Gesellschaft deutlich gestärkt wird.

Neben den Besuchen in den Dörfern liegt aber auch wieder viel Büroarbeit an. Stundenlang sitze ich mit Essam und seinem Team zusammen, um über Projektergebnisse, Erfolge, aber auch Schwierigkeiten bei der Projektumsetzung zu sprechen. Gerade in den dörflichen Gemeinschaften gilt es eine Fülle von Details zu beachten und ich bin froh, so qualifizierte und sensible Kolleginnen und Kollegen zu haben, die oft ein sehr gutes Verhältnis zur Dorfbevölkerung aufbauen. Wichtig ist aber auch, dass wir aus Fehlern lernen und und unsere Arbeit in Zukunft weiter verbessern.

Während ich morgen zurück nach Sana’a ins Büro fahre, wird Mohammed Saad diese Woche nach Aden reisen, um dort das neue Projekt zur Unterstützung von somalischen Flüchtlingen voranzubringen. Zunächst wird CARE in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingshilfswerk der vereinten Nationen (UNHCR) im Flüchtlingslager Kharaz neue feste Unterkünfte bauen, die dringend gebraucht werden. Aber natürlich werden wir weiterhin an Möglichkeiten arbeiten, auch Flüchtlinge, die sich in Aden oder in Sana’a aufhalten, zu unterstützen.

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27.11.07 - Oktober über 6.000 somalische Flüchtlinge

Felix Wolff diskutiert mit CARE-Kollegen und Flüchtlingsvertretern über die Lage in Basateen. CARE/Wolff

Inzwischen habe ich mich fast schon eingewöhnt, auch wenn die Stadt natürlich immer noch fremd und chaotisch scheint. Regelmäßig rufen tausend Muezzine gleichzeitig zum Gebet und bilden einen bunten und faszinierenden Klangteppich, der sich über die ganze Stadt legt. Um hier eine Gebetszeit zu verpassen, muss man schon einen sehr tiefen Schlaf haben. Vor allem eine Umstellung macht ein wenig zu schaffen: die jemenitische Arbeitswoche dauert von Samstag bis Mittwoch - Donnerstag und Freitag bilden das islamische Wochenende. Da ich aber regelmäßig in Kontakt mit Kollegen in Deutschland und anderswo stehe, ist nicht selten auch Wochenendarbeit nötig, um wichtige Informationen rechtzeitig zu erhalten.

Nachdem wir im CARE-Büro meine Arbeitsschwerpunkte festgelegt haben, ging es in der vergangenen Woche richtig los. Einen der ersten Termine hatten wir mit einem Vertreter der örtlichen Delegation der Europäischen Union, die unsere Projektarbeit im Jemen immer wieder unterstützten. Es war ein sehr positives Gespräch und wir konnten uns austauschen über unsere Perspektiven der Entwicklungsprobleme des Landes und darüber, wie wir in Zukunft weiter zusammen arbeiten können.

Somalische Flüchtlingskinder vor ihrer Hütte in Basateen. CARE/Wolff

Am Sonntag habe ich Aden an der Küste des indischen Ozeans besucht, um mich vor Ort über die Lage der vielen somalischen Flüchtlinge zu informieren. Allein im Oktober sind über 6.000 Flüchtlinge neu in den Jemen gekommen und die Zahlen scheinen weiter zu steigen. Ihre Situation ist deprimierend, sehr oft besitzen sie bei der Ankunft hier im Land nur die Kleider, die sie am Leib tragen. Selbst wenn sie es schaffen, einige Besitztümer mit auf die Überfahrt zu nehmen, werden sie häufig von kriminellen Schleppern ausgeraubt. Viele werden gezwungen, weit vor der jemenitischen Küste ins Meer zu springen, weil die Schlepper die Begegnung mit der jemenitischen Küstenwache fürchten. Letzte Woche ist ein Flüchtlingsschiff vor der Küste gekentert, wobei über 60 Menschen ums Leben kamen. Insgesamt schätzten die Vereinten Nationen (UN), dass allein in diesem Jahr mehr als 900 Menschen bei der Überfahrt über den Golf von Aden ums Leben gekommen sind. Die meisten Flüchtlinge kennen das Risiko. Dass sich dennoch so viele auf den Weg machen, zeigt, wie aussichtslos für sie die Lage in ihrer Heimat ist.

Etwa 15.000 somalische Flüchtlinge haben sich im Adener Stadtteil Basateen niedergelassen, wo sie sich einige Baracken aus Abfallprodukten und Altmaterial gebaut haben - hier wohnen oft 10-15 Menschen zusammen in einem Raum. Ich konnte mit einigen Flüchtlingen sprechen und erfuhr vieles über ihre traumatischen Erlebnisse, aber auch über die Schwierigkeiten, die sie nun im Jemen haben. Zwar sind sie keiner Gefahr für Leib und Leben mehr ausgesetzt, aber andererseits haben sie kein Einkommen und oft auch keine Perspektive auf Rückkehr oder Integration. Die Flüchtlingskinder besuchen die jemenitische Schule, doch haben sie oft Sprachschwierigkeiten oder können sich Schuluniformen oder Bücher nicht leisten.

Natürlich führte ich auch lange Gespräche mit Kollegen vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), die die Unterstützung für die Flüchtlinge koordinieren. Hier Hilfe zu organisieren ist gar nicht so leicht, wie es zunächst oft scheinen mag. Denn einerseits ist die Zahl der Flüchtlinge mittlerweile so groß, dass es äußerst schwierig ist, die Bedürftigsten unter ihnen zu ermitteln. Außerdem sind die ortsansässigen Jemeniten, mit denen die Flüchtlinge nun Tür an Tür leben, meist ebenfalls bitterarm und eine vorschnelle Hilfsaktion nur zugunsten der Flüchtlinge kann schnell zu Konflikten führen. Eine gute Abstimmung mit dem UNHCR und anderen Hilfsorganisationen wird nötig sein, um hier effektiv helfen zu können.

An den Tagen nach meinem Besuch in Aden nahm ich in Sana’a an einem zweitägigen Arbeitstreffen teil, um die CARE-Länderstrategie für den Jemen zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Hierzu waren viele Kollegen aus dem internationalen CARE-Netzwerk nach Sana’a. Es ist immer schön zu sehen, dass CARE eine internationale Familie ist und es machte Spaß, Kollegen aus den USA, Frankreich, England, den Niederlanden und Australien wiederzusehen und sich auszutauschen. Besonders wichtig an dem Treffen war uns aber die Beteiligung vieler Vertreter von jemenitischen Selbsthilfeorganisationen und Regierungsbehörden, mit denen wir seit langem zusammenarbeiten. Es gab viele positive Rückmeldungen, aber auch konstruktive Kritik. CARE wird alles daran setzen, seine Arbeit im Jemen weiter zu verbessern.

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20.11.07 - Ankunft mit orientalischem Trubel

Felix Wolff berichtet über seine Begegnungen im Jemen. Foto: CARE/Wolff

Sana’a. Seit drei Tagen bin ich mit meiner Familie hier, um die Kollegen im CARE-Länderbüro vier Wochen lang zu unterstützen. Der erste Eindruck: es ist überraschend kühl. Sana’a, die wunderschöne Hauptstadt des Jemen, liegt auf 2.200 Meter Höhe, und schließlich ist es auch hier November.

Blauer Himmel und Sonnenschein sind aber dennoch normal. Die Ankunft in Sana’a ist immer wieder ein besonderes Erlebnis – der orientalische Trubel, die Freundlichkeit der Menschen und die atemberaubende Schönheit der Altstadt lenken jedoch leicht davon ab, dass der Jemen ein Land mit enormen Problemen ist und zu den ärmsten Ländern der Erde gehört.

Und das ist schliesslich der Grund für unsere Arbeit hier und meinen Besuch.
Ich war schon einige Male hier und habe die Menschen im Jemen stets als besonders herzlich und hilfsbereit erlebt – seit ich nun zum ersten Mal mit meiner kleinen Tochter hier bin, steht fest: kinderlieb sind die Jemeniten ebenfalls und wir treffen nur lächelnde Gesichter.

Gespräch mit Teilnehmerinnen im CARE-Projekt. Foto: CARE/Wolff

Seit gestern arbeite ich im CARE-Büro mit. Die meisten Kollegen kenne ich von früheren Besuchen und der Empfang war überaus herzlich. Auf dem Programm standen mehrere Besprechungen mit dem Länderdirektor Gareth, unserer Finanzspezialistin Latifa und dem Programmkoordinator Mohammed, um die Schwerpunkte meiner Arbeit während der nächsten Wochen festzulegen.

Ich werde natürlich unser Projekt zur Ernährungssicherung und zur Förderung von Frauen in Hajja im nordwestlich von Sanaa gelegenen Bergland besuchen, das kurz vor dem Abschluss steht. Nächste Woche bekommen wir bei CARE Jemen Besuch von verschiedenen internationalen Kollegen, um die CARE-Strategie für den Jemen neu zu besprechen. Und wir wollen einige neue Projektideen diskutieren, mit denen wir in den kommenden Jahren weiter Hilfe zur Selbsthilfe leisten wollen.

Während der Besprechungen stellte sich allerdings heraus, dass es eine der vordringlichsten Aufgaben sein wird, Hilfe für die somalischen Flüchtlinge zu organisieren, von denen in den letzten Monaten sehr viele im Süden des Jemen angekommen sind und von denen die meisten noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf haben.

Seit sich die Krise in Somalia wieder verschärft hat, flüchten jeden Monat Tausende mit Booten über den Golf von Aden, um im Jemen Aufnahme und Schutz zu finden. Eine gefährliche Reise, die viele nicht überleben. Die, die hier ankommen, stehen buchstäblich vor dem Nichts. Wir wollen versuchen, hier ein wenig Notunterstützung zu leisten.

Ich habe viel Energie mitgebracht. Jetzt ist mir klar, dass ich sie auch brauchen werde.

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Felix Wolff
wolff[at]care.de

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