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Nach der Erdbebenkatastrophe in Pakistan – Hilfe und Ausblick

Projektdaten


Land/Region: Pakistan, Banna Allai-Tal
Kurzbeschreibung: Katastrophenhilfe für die Überlebenden des Erdbebens in der Grenzregion Kaschmir
Lokale Partner: CARE Pakistan, CARE Indien, einheimische Partnerorganisationen, UN, Regierungen, Lokalbehörden
Laufzeit: Mai 2006 – Juli 2008

Wie hilft CARE?

Zerstörte Straßen erschwerten die Hilfe. Manche Dörfer waren nur durch stundenlange Fußmärsche zu erreichen. Foto: ADH/Stefan Trappe

In zwölf Monaten hat CARE 272.000 Menschen erreicht – mit Zelten, Decken, Schulen und medizinischer Behandlung.

Am Morgen des 8. Oktober 2005 erschütterte ein heftiges Erdbeben der Stärke 7,6 auf der Richterskala die nordwestliche Grenzprovinz Pakistans. Mehr als 73.300 Menschen starben. Weitere 70.000 wurden verletzt und fast 3,3 Millionen Menschen verloren ihr Zuhause.  

Die Überlebenden hatten nicht nur menschliche Verluste zu beklagen – innerhalb von Sekunden verloren 324.000 Menschen ihre Arbeitsplätze. Das Beben ruinierte Geschäfte, wirtschaftliche Kleinbetriebe und Handelswege. Mehr als 600.000 Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht oder schwer beschädigt. In einigen Gebieten waren fast alle Gebäude eingestürzt – ausnahmslos. Schulen, Straßen, Krankenhäuser und sanitäre Anlagen wurden fast vollständig zerstört. Für die Hilfskräfte war es ein Rennen um Leben und Tod. Das bergige Relief der betroffenen Provinzen stellte die Helfer vor große logistische Probleme, zumal die Region in weiten Teilen keine befestigten Straßen hat.

Der Winter brachte zusätzliche Belastungen für die Überlebenden des Erdbebens. Eisige Temperaturen und Schneeberge, die sich ein bis drei Meter hoch auftürmten, erschwerten die Lebensbedingungen und Hilfsaktionen. Die Menschen mussten ohne schützende Häuserwände und wärmende Heizöfen den eisigen Winden trotzen.

Hilfe in drei Schritten

CARE erreichte mit medizinischer Versorgung 13.000 Menschen. Foto: CARE/Jason Sangster

Unmittelbar nach dem Oktoberbeben begann CARE Pakistan mit Hilfsaktionen im nördlichen Allai-Tal, nahe der Grenze zu Indien. CARE International Deutschland hatte bereits am Tag nach der Katastrophe als erste Unterstützung 50.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt. Neben kurzfristiger Nothilfe hatte CARE aber auch rasch mit langfristig wirkenden Programmen begonnen. Dabei begab sich CARE als einzige Organisation in Gebiete, in die bis dahin niemand vorgedrungen war: Dörfer wie Palang oder Bateela erreichten die CARE-Mitarbeiter nur durch lange, teils gefährliche Fußmärsche. Insgesamt hat CARE bis heute 272.000 Menschen geholfen, ein Leben nach dem Beben zu beginnen. 

Not- und Winterhilfe

Mit einer Luftbrücke verteilten CARE-Mitarbeiter Zelte an 75.000 Menschen. Weitere lebensrettende Aktivitäten begleiteten die Luftbrücke, wie beispielsweise die Verteilung von Decken, Winterkleidung, Heizöfen und Wasserbehälter für 13.000 Betroffene. Wellblechdächer boten den Bewohnern der Dörfer in den hochgelegenen Regionen Schutz vor dem Schnee. Viele Frauen waren mit ihren Kindern auf sich allein gestellt – mehr als 5.500 Witwen verloren ihre Männer durch das Erdbeben. CARE hat aus diesem Grund seine Hilfslieferungen vor allem an Frauen und Kindern ausgerichtet.

In einem zweiten Schritt, nachdem der Winter schon eingebrochen war, startete CARE die ersten Wiederaufbauprogramme und setzte gleichzeitig die Winterhilfe fort. CARE-Mitarbeiter verteilten 5.700 Zelte, 1.300 Wintersets, 2.500 Sets warme Kleidung, 15.200 Isoliermatten für die Zelte, 15.000 Schals, 18.000 Decken, fast 520 Küchensets und mehr als 3.200 Dieselöfen. 157.681 Menschen wurden damit erreicht. Zusätzlich stellte CARE medizinische Behandlungsmöglichkeiten und psychologische Beratung zur Verfügung. 

Wiederaufbau

Die Einwohner beteiligen sich aktiv am Wiederaufbau. So wie hier beim Bau eines Aquäduktes in Banna Allai. Foto: Jason Sangster

In der dritten – und noch andauernden – Phase konzentriert sich CARE jetzt auf den Wiederaufbau der Häuser, Schulen, Krankenhäuser, Straßen, und der Sanitärsysteme. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat CARE 24 Schulgebäude aufgebaut und mit Schulmöbeln ausgestattet. Damit können 3.069 Kinder, darunter 468 Mädchen und 2.601 Jungen ihre Schulbildung fortsetzen. Zudem wurden Wasser- und Sanitäranlagen für weitere Schulen zur Verfügung gestellt. Neben den Wiederaufbauprojekten pflanzte CARE 340.000 Bäume, um die Gefahr von Erdrutschen und anderen Naturkatastrophen zu reduzieren. 29 Frauen und Männer wurden in Erster Hilfe ausgebildet und 54 medizinische Kleinzentren aufgebaut. Bisher wurden 2.100 Menschen in diesen stationären Gesundheitseinrichtungen behandelt. Gleichzeitig versorgten mobile Camps bislang 3.500 Patienten in den schwer zugänglichen Gebieten, in denen die gesamte medizinische Grundversorgung nach dem Beben zusammengebrochen war.

Neues Leben mit Zukunft

CARE hat mehr als ein Dutzend Bewässerungssysteme und weitere neun kleine Energiekraftwerke technisch wiederaufgebaut. Denn die Hälfte der Bewohner des Allai-Tals hatte nach dem Beben kein Wasser mehr. Die Bewässerungssysteme werden von CARE entwickelt, mit den Dorfkomitees besprochen und dann von einheimischen Arbeitern gebaut. Für etwa 30.000 Menschen konnte mit Hilfe von Trinkwasseraufbereitungsanlagen der Zugang zu sauberem Trinkwasser sichergestellt sowie 300 sanitäre Anlagen für 18.164 Menschen errichtet werden.

Langfristige Hilfe leistet CARE außerdem mit Projekten, die Erwerbsmöglichkeiten für Frauen fördern. In diesem Zusammenhang haben CARE-Mitarbeiter zusammen mit lokalen Partnern Programme entwickelt, die Frauen den Schritt in die Erwerbstätigkeit erleichtern sollen, indem sie sich zu Gruppen zusammenschließen oder Kontakte zu Wirtschaftsinstituten bekommen. Weiterhin sollen sie in der Soforthilfe in Krisenfällen, beispielsweise bei weiteren Erdstößen, ausgebildet werden. Bisher existieren elf Frauengruppen und 52 sogenannter Krisenkommittees.

Logistische Höchstleistungen

Der Wiederaufbau erfordert logistische Höchstleistungen, denn Baumaterial muss teilweise in 2.000 Meter Höhe und über unbefestigte Straßen transportiert werden. Foto: CARE/Jason Sangster

Der Bau neuer, erdbebenresistenter Häuser ist ein Diskussionspunkt zwischen der staatlichen Hilfsbehörde ERRA (Earthquake Reconstruction and Rehabilitation Authority) und den Betroffenen. Dabei geht es nicht nur um die Kosten, sondern auch um enorme logistische Herausforderungen. Viele Dörfer und Gemeinden liegen weit abgeschnitten von Versorgungslinien, das Baumaterial muss bis in 2.000 Meter Höhe über unbefestigte Straßen und Wege transportiert werden.

Mit der Unterstützung von CARE, auch im Rahmen des Hilfsbündnisses "Aktion Deutschland Hilft", im Bereich Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Wasser, Sanitäranlagen sowie Lebensunterhalt, konnten die CARE-Mitarbeiter die Lebensbedingungen der Menschen verbessern. Überlebende kehrten nach Hause zurück und konnten – unterstützt von CARE – den Winter überleben. Kinder konnten wieder zur Schule gehen, und vielen Menschen wurde der Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen ermöglicht. Saatgut, Werkzeug und Dünger, die von CARE verteilt wurden, ermöglichten eine rasche Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Produktion. Insgesamt wurden 14.000 Kilogramm Dünger und Saatgut an 9.000 Haushalte verteilt. Neue Einkommensquellen wurden durch die Verwendung von verbesserten Sorten und Pflanzung von Obstbäumen erschlossen.

Der CARE-Vorsitzende Staatssekretär a.D. Heribert Scharrenbroich bereist zusammen mit CARE-Pressesprecher Thomas Schwarz das Erdbebengebiet Pakistans. Vor einem Jahr war Thomas Schwarz schon einmal in der Region. Damals war er entsetzt vom Ausmaß der Zerstörung. Jetzt möchte er die Orte sehen, die er damals so zerstört vorgefunden hat.

Zum Bericht

Ein Jahr danach - Pressesprecher Thomas Schwarz berichtet über die CARE-Hilfe

Allai-Tal - Eine grüne Lunge für den Wiederaufbau

"Kleidung gibt es - aber keine, die uns vor dem Winter schützt!" - Ein Besuch im Hilfscamp Balakot

Wettlauf gegen die Zeit: Bericht eines CARE-Helfers aus Pakistan

Gefahr durch Erdrutsche

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Projektbetreuung

Bild von Dr. Christine Harth.

Dr. Christine Harth
harth[at]care.de

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