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Pakistan - ein Jahr nach dem Beben

Der CARE-Vorsitzende Staatssekretär a.D. Heribert Scharrenbroich bereist zusammen mit CARE-Pressesprecher Thomas Schwarz das Erdbebengebiet Pakistans. Vor einem Jahr war Thomas Schwarz schon einmal in der Region. Damals war er entsetzt vom Ausmaß der Zerstörung. Jetzt möchte er die Orte sehen, die er damals so zerstört vorgefunden hat.

 

1. Oktober 2006 - Kühlschranktemperaturen und Schlaglöcher

Die Zerstörung hat auch heute noch verheerende Ausmaße, hier das Dorf Nogram

Tagsüber ist es warm in den Bergen Pakistans, genauer gesagt im Allai-Tal der norwestlichen Grenzprovinz. Man könnte locker mit T-Shirt und kurzer Hose zurechtkommen, aber sobald die Sonne verschwunden ist, scheint sich mit einem Schlag eine Kühlschranktür zu öffnen. Die Temperaturen rattern dann sekundenschnell nach unten.

Ich bin wieder in Banna, einer Gemeinde in den pakistanischen Bergen, in der CARE seit dem Erdbeben vom vergangenen Oktober ein Camp unterhält. Ich erinnere mich an die Bilder, die sich bei meinem Besuch im Dezember 2005 hier boten: In sich zusammengebrochene Hauser und Moscheen, zerstörte Brücken sowie paralysierte und traumatisierte Menschen. Jeder, den ich hier traf, hatte einen Verwandten oder Freund verloren oder Verletzte zu beklagen. In Dörfern wie Biari war die Zerstörung total: Kein einziges Haus stand mehr, und die Holzhaufen – kreuz und quer im Dorf – bezeugten morsch und stumm eine große Katastrophe.

Die Straßen von Battagram hinauf nach Allai waren in einem schlimmen Zustand, als ich sie damals bei meinem ersten Besuch entlang fuhr. Ein Pakistani sagte mir damals: “Sehen Sie: Diese Straßen hier sind ein einziges Schlagloch.” Das Beben hatte Löcher gerissen und immer wieder schwere Erdrutsche verursacht. Zahlreiche Nachbeben in der gesamten Region im Norden Pakistans – auch in Indien – ließen die Menschen verzweifeln.

Jetzt, nach einem Jahr, ist noch lange nicht alles wieder gut. Ein Beben dieses Ausmaßes hinterlässt eine Zerstörung, die längere Wiederaufbauarbeit erfordert. Es gibt Dörfer, die so aussehen, als hätte es das Beben erst vergangene Woche gegeben. Wenn ich aber die Strassen sehe, die sich von Battagram nach Bana durch die bergigen Dörfer und Gemeinden schlängeln, dann ist doch – zunächst in der Infrastruktur – eine nahezu 100prozentige Verbesserung festzustellen. Jedenfalls bis hierhin. Und in den kommenden Tagen will ich mir ein besseres Bild machen. Der Vorsitzende von CARE Deutschland, Staatssekretär a.D. Heribert Scharrenbroich, kommt auch nach Pakistan, um zu sehen, wie die CARE-Arbeit den Menschen in dieser Region helfen konnte.

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2. Oktober 2006 - Hand in Hand mit CARE

Früher ein matschiger Transportpfad, heute ein stabiler Weg mit Wasserabflussrinne.

Es ist Ramadan in der islamisch geprägten Welt. Ich habe den allergrößten Respekt vor denjenigen, die fasten. Ramadan bedeutet für gläubige Muslime frühes Aufstehen, denn bereits um vier Uhr in der Frühe geht es zum Sehri. Man könnte es ein nächtliches Frühstück nennen. Dann gibt es die Stärkung für den Tag. Denn Fasten hier bedeutet: Während des gesamten Tages darf nicht gegessen oder getrunken übrigens auch nicht geraucht werden. Dann, um 18 Uhr abends, ist Iftar. Da kommen Familie, Kollegen oder Freunde zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen, um sich vor einem Gebet zu stärken. Mit Respekt vor den Einheimischen trinkt, isst oder raucht niemand in der Öffentlichkeit bis abends sechs Uhr.

Jetzt bin ich zum ersten Mal wieder in Dörfern gewesen, die ich im vergangenen Jahr erstmals besucht hatte. Biari beispielsweise oder Kargh, Karr und Palang. Je höher wir in den Bergen mit dem Auto kommen, desto schlechter werden die Strassen. So erreichen wir den Ort Rashin, mehr als 1640 Meter über dem Meeresspiegel. Dort geht ohne einen Vierradantrieb wirklich nichts mehr, aber die meisten Menschen gehen dort zu Fuß hoch, schleppen schwere Säcke auf dem Rücken oder Ballen von Gras auf dem Kopf.

Noch weiter oberhalb, in etwa 1.700 - 1.800 m Höhe baut CARE Deutschland gerade eine Schule. Eine kleine, aber die Kinder der Gegend müssen morgens und abends nicht mehr so lange Wege zurücklegen, um lesen und schreiben zu lernen. Ich erfahre, dass CARE die Organisation war, die als erste die höchstgelegenen Erdbebenopfer besuchte. Das spüre ich bei den Begegnungen mit der Bevölkerung.

CARE hat hier viele Akzente gesetzt, vor allem was die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und die Infrastruktur betrifft: So wird nichts in Angriff genommen, was nicht mit dem Bewohnern vorher besprochen wurde. Und, was ebenso wichtig ist: Die Bevölkerung arbeitet massiv mit. Wie beim Bau von Wasserkanälen, die nicht nur dem Mühlrad einer Getreidemühle Tempo verschaffen, sondern auch einem Dorf wie Kaar über Nacht Strom liefern können. Auf dem Photo arbeiten Einheimische mit Unterstützung von CARE gerade an weiteren Mühlrädern und Kanälen, hier im Bezirk Biari. Am Ende der Wasserstrecke haben Arbeiter in großen Buchstaben CARE eingraviert, um sich auf diese Weise sichtbar zu bedanken.

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