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Axel Rottländer, Projektreferent von CARE Deutschland-Luxemburg für Nothilfe und Wiederaufbau in Asien, hielt sich in Sri Lanka auf. Er berichtete regelmäßig aus den Projektgebieten.
Am Freitag den 04. März 2006 hatte ich meinen vorläufig letzten Arbeitstag in Sri Lanka. Seit Ende April 2005 war ich insgesamt über 18 Wochen auf Sri Lanka. Ich habe die Entwicklung von der Nothilfe im April bis zum derzeit auf Hochtouren laufenden Wiederaufbau begleitet. Die erste Zeit im CARE Büro war noch gekennzeichnet von viel Improvisation, um die Menschen schnell mit dem Nötigsten versorgen zu können.
Mittlerweile haben sich im CARE Büro in Colombo spezielle Abteilungen gebildet, die sich ausschließlich mit dem Wiederaufbau der vom Tsunami zerstörten Gebiete beschäftigen. Dazu gehören nicht nur Ingenieure, Architekten und technische Zeichner, sondern auch Experten die sich um einkommenschaffende Maßnahmen kümmern, um die psycho-soziale Betreuung und um den Umweltschutz. Ein Haus ist nicht genug - auf dieser Grundlage führt CARE seine Projekte in der Tsunami Region durch. Es gilt die Programme genau an den Bedürfnissen der Menschen zu entwickeln.
Doch CARE in Sri Lanka konzentriert sich nicht nur auf die Hilfe für Tsunami-Opfer. Sri Lanka ist immer noch ein vom Bürgerkrieg zerrissenes Land, wenn auch mittlerweile wieder viele Touristen kommen. Die Touristenhochburgen liegen in den allermeisten Fällen im Süden der Insel. Der Menschen im Norden und Osten des Landes hingegen haben unter einem 20 Jahre andauernden Bürgerkrieg schwer gelitten. Viele mussten vor den Unruhen immer wieder flüchten, ganz Landstriche wurden entvölkert, Ortschaften zerstört, Gebiete mit Minen verseucht und unzählige Zivilisten fanden den Tod.
CARE sieht sich in der Pflicht, auch diesen Menschen eine Chance zu geben, indem neue Häuser gebaut, an Bauern Werkzeuge und Saatgut vergeben und die Wasserversorgung repariert wird. CARE baut bei der Hilfe auf Dorfgemeinschaften, die mit unserer Unterstützung in die Lage versetzt werden, die Hilfsmaßnahmen selbstständig verwalten und so beispielsweise Kleinkredite an die Menschen der Region vergeben. Für die Zukunft steht somit die Strategie für CARE schon fest: Wir dürfen neben den Tsunami-Opfern auch die Bürgerkriegsflüchtlinge nicht vernachlässigen, um einen Ausgleich zu der umfassenden Hilfe in den Tsunami-Gebieten schaffen.
Seit letzter Woche bin ich in Banda Aceh, Indonesien. Wenn man mit dem Flugzeug nach Banda Aceh kommt, fliegt man über die von der Tsunami-Welle zerstörten Gebiete. Als ich das erste Mal im Mai 2005 nach Banda Aceh kam, konnte ich die Zerstörungen überdeutlich erkennen. Dort wo früher mal Häuser gestanden haben, sah ich nur noch eine Schlammwüste in der kein einziges Haus mehr stand. Notdürftig hatten sich einige Menschen ein paar Hütten zusammen genagelt, die als erste Unterkunft nach der Katastrophe dienten. Als ich nun ungefähr ein Jahr nach dem Tsunami wieder über das Gebiet fliege, lassen sich deutlich die ersten Häuser erkennen. Außerdem ist das Gelände wieder grün geworden und auf der Hauptstraße ist reger Verkehr zu sehen.
Ein Kollege von CARE Indonesien holt mich an dem kleinen Flughafen von Banda Aceh ab. Das Gebäude ist etwas heruntergekommen und der Ansturm von Passagieren im letzten Jahr hat Spuren hinterlassen. Selbst jetzt ein Jahr nach dem Unglück kommen immer noch viele Leute nach Banda Aceh. Aber nicht nur Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, sondern vor allem Indonesier, die die ehemals isolierte Provinz seit dem Friedensabkommen zwischen den Acehnesischen Rebellen und der Indonesischen Regierung wieder ohne Schwierigkeiten besuchen können, kommen jetzt wieder öfter nach Banda Ace. Sei es, um Verwandte zu besuchen oder um neue geschäftliche Verbindungen zu knüpfen.
Auf den Straßen in Banda Aceh ist reges Treiben zu beobachten - kleine Transporter mit Obst und Gemüse auf dem Weg zum Markt, größere Lastwagen mit Baumaterial und dazwischen unzählige Mopeds, die sich durch den Verkehr schlängeln. Nach einer guten halben Stunde kommen wir im CARE Büro an.
Das CARE Büro hat sich stark verändert, war vor einem Jahr noch vieles improvisiert, so ist jetzt das gesamte Gebäude viel organisierter und und jede Abteilung hat ihren eigenen Bereich: Die Projektabteilung kümmert sich um die Umsetzung der einzelnen Hilfsprojekte, das Beschaffungswesen sorgt dafür dass vom Bleistift bei zum tonnenschweren Baustahl alles zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist und die Kollegen von der Finanzabteilung stellen die korrekte Buchhaltung der Hilfsgelder sicher.
Ich habe eine Verabredung mit Patrick Lyons. Der gebürtige Australier ist Wasser- und Sanitärspezialist und seit gut einem Jahr für CARE in Banda Aceh. Patrick und ich kennen uns vom letzten Besuch und wir fahren sofort in das Projektgebiet, um den Projektfortschritt zu besichtigen. Mit Mitteln der „Aktion Deutschland hilft“ werden die sanitären Einrichtungen in den Übergangslagern verbessert. Die Lager waren kurz nach dem Tsunami errichtet worden, um den Menschen schnell eine Unterkunft zu bieten. Nach einiger Zeit zeigte sich, dass die sanitären Anlagen unzureichend waren. Außerdem werden die Übergangslager länger bestehen als anfangs gehofft: Der Bau von neuen Wohnhäusern für die Familien dauert länger als erwartet. Daher hat CARE sich entschieden, mit diesem Projekt die Anlagen technisch zu verbessern und auszubauen, um den Bewohnern ausreichende und hygienische Toiletten und Waschgelegenheiten für die Dauer des Aufenthalts zur Verfügung zu stellen.
Das Problem vieler Hilfsorganisationen in Sri Lanka sind die steigenden Preise für Baustoffe und der Mangel an qualifizierten Handwerkern. CARE Sri Lanka hat daher bereits im vergangenen Jahr beschlossen, selbst Maschinen zur Steinherstellung anzuschaffen. Diese aus Indien stammenden und schon von CARE in verschiedenen Regionen der Welt getesteten Maschinen, stellen aus einem Gemisch von Erde und etwa zehn Prozent Sand Steine her, aus denen neue Häuser für die Menschen in Sri Lanka gebaut werden können.
Die Steine verfügen über eine spezielle Form, sind daher leicht zu verarbeiten und kommen mit wenig Mörtel aus. Die Häuser weisen durch den hohen Erdanteil in den Wänden ein ausgezeichnetes Raumklima auf. Da einfach nur Erde und Zement verwendet wird, ist man weitgehend unabhängig von Baustofflieferungen und damit von den steigenden Preisen. Die CARE Mitarbeiter weisen ganze Dörfer in den Gebrauch der Maschinen ein und die Handhabung ist denkbar einfach, so dass auch Ungelernte schnell mit der Technik vertraut werden. CARE Sri Lanka schätzt, dass die Maschinen noch bis mindestens 2008 für CARE im Einsatz sein werden.
Die CARE Mitarbeiter besprechen vorher mit den Betroffenen wer, wann und wo sein neues Haus erhält. Um das zu verdeutlichen, hat der CARE Kollege, Efren Mariano, den Bebauungsplan einfach auf die Erde gezeichnet und jeder konnte sich dann ein entsprechendes Grundstück aussuchen, indem er sich einfach auf die entsprechende Stelle auf der Zeichnung gestellt hat. Somit lernte direkt jeder seinen neuen Nachbarn kennen.
Ich werde jetzt nur noch einige Tage in Sri Lanka sein und am Donnerstag nach Indonesien fliegen. Dort geht es darum, das weitere Vorgehen in diesem Jahr mit den CARE Kollegen zu besprechen und die laufenden Projekte zu besichtigen. Der nächste Eintrag in den Weblog kommt dann aus Banda Aceh.
Nachdem es für über einen Monat keinen neuen Eintrag in den CARE Weblog gegeben hat, melde ich mich nun wieder zurück. Seit dem 22. Januar bin ich wieder in Colombo, und ich bin in den letzten Tagen viel unterwegs gewesen. Unter anderem war ich im Süden der Insel, genauer gesagt in Hambantota, einem Ort fast genau am Südzipfel Sri Lankas. Mit Mitteln der „Aktion Deutschland Hilft“ werden dort von CARE zurzeit 27 neue dauerhafte Häuser für Tsunami-Opfer gebaut. Nach über einem Jahr in einem Übergangslager sind die Menschen froh, bald das neue Haus zu beziehen.
Außerdem hilft CARE den Menschen einen Garten anzulegen. So können Saatgut, Pflanzen und Dünger angeschafft werden, damit die Familien sich wieder selbst versorgen können, und was nicht gebraucht wird, kann auf dem Markt verkauft werden. Im Allgemeinen gehen die CARE-Aktivitäten im Süden der Insel gut voran, ganz im Gegensatz zum Osten und Norden der Insel.
Dort hat es seit Ende des vergangenen Jahres bis Ende Januar immer wieder Unruhen, Anschläge und Attentate gegeben, täglich sind Menschen gestorben und manch einer sprach schon von einem nicht erklärten Bürgerkrieg. Durch die Intervention Norwegens konnten die beiden Parteien, die Sri Lankesische Regierung und die tamilische Organisation „LTTE“ zu Friedensgesprächen in Genf bewegt werden. Seitdem ist es wieder ruhig geworden, und wir sowie auch andere Hilfsorganisationen können ungefährdet den Menschen beim Wiederaufbau helfen.
Die Gegensätze könnten kaum größer sein: Vor ein paar Tagen noch tropische Sonne, schwüle Hitze und immer wieder langandauernde, warme Monsun-Regenfälle. Jetzt, nach meiner Rückkehr nach Deutschland, ein wolkenverhangener Himmel, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und sogar Schnee im Rheinland. Nach sieben Wochen Sri Lanka bin ich jetzt wieder in Deutschland. Sieben Wochen, in denen ich helfen konnte, Projekte für das Jahr 2006 zu ermitteln und die Umsetzung vorzubereiten.
Ohne Zweifel: Nachdem das Jahr 2005 hauptsächlich von der unmittelbaren Versorgung der Tsunami-Opfer geprägt war, werden 2006 große Anstrengungen unternommen, um den begonnenen Wiederaufaufbau massiv fortzusetzen. Wir rechnen damit, dass Ende 2006 circa 2000 neue Häuser von CARE gebaut sein werden. Ein neuer Tsunami ist wahrscheinlich nicht sehr bald zu erwarten, dagegen stellt die politische Situation auf Sri Lanka die größte Herausforderung für CARE und die anderen Hilfsorganisationen dar. Nur wenn es friedlich bleibt und die Mitarbeiter sicher ihre Arbeit verrichten können, werden die Hilfsmaßnahmen für 2006 durchgeführt werden können.
Die Ermordung eines Politikers am heiligen Abend in Batticaloa während der Weihnachtsmesse zeigt, wie zerbrechlich der Frieden immer noch ist und zu welchen Taten einige bereit sind. CARE in Sri Lanka wird sehr genau die Lage beobachten und eindringlich an alle Beteiligten appellieren, eine nachhaltige friedliche Lösung zu finden. Nur wenn der Konflikt endlich beendet wird, können mit den Spenden aus Deutschland nicht nur die Zerstörungen beseitigt und an der Küste neue Häuser gebaut werden – dann besteht auch Hoffnung für alle Menschen in Not in Sri Lanka auf eine bessere Zukunft.
Am Freitag konnte ich leider keinen Eintrag für den Weblog verfassen, da ich "im Feld" war, genauer gesagt: an der Ostküste von Sri Lanka. Am Donnerstagmorgen sind wir um sieben Uhr von Colombo aus losgefahren und waren nach zwölf Stunden in der Stadt Ampara. Der gleichnamige Distrikt gehört zu den am stärksten betroffenen Regionen, und selbst ein Jahr nach der Katastrophe sind die Schäden noch unübersehbar. Dörfer wurden vollständig fortgespült, Brücken zerstört, und Tausende kamen in den Fluten um.
Unmittelbar nach dem Tsunami hat CARE dort ein Büro eröffnet und den Menschen sofort mit dem Nötigsten geholfen. Nun, ein Jahr nach der Flut, sind die meisten Menschen versorgt und in Übergangshäusern untergebracht. Jetzt gehen wir den Bau von dauerhaften Häusern und die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region an.
Meine Kollegin Awadia Mohamed leitet das Büro seit Juni 2005. Die gebürtige Sudanesin hat zuletzt für CARE in Afghanistan gearbeitet, wo sie umfangreiche Erfahrungen im Wiederaufbau und im Bereich der Stärkung der Rechte der Frauen erwerben konnte. Besonderes Gewicht legt Awadia auf die Einbindung der Betroffenen, auch um sie aus der Opferrolle zu holen und die Menschen zu bewegen, aktiv ihre eigene Zukunft zu gestalten. Ein nicht immer ganz leichter Prozess, es braucht viel Geduld, fähige Mitarbeiter und ein großes Potenzial an Erfindungsreichtum, um maßgeschneiderte Lösungen für die einzelnen Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu finden. Dieses Engagement von Awadia und ihren Kollegen wird dann aber durch die Motivation belohnt, mit der die Menschen ihre Häuser wieder aufbauen, Straßen in Stand setzen oder ein neues Gemeindehaus errichten.
Mit dem Geld, das die „Aktion Deutschland hilft“ gesammelt hat, können wir von CARE die Menschen in Ampara beim Wiederaufbau unterstützen und damit die Folgen des Tsunami ein wenig abmildern. Dabei wird die lange Laufzeit des ADH-Projektes sicherstellen, dass CARE die Entwicklung über einen langen Zeitraum begleiten und die Hilfe immer wieder konkret den Anforderungen anpassen kann.
Zurzeit bereite ich mich auf eine Reise nach Ampara an der Ostküste vor. In Ampara bereitet CARE International Deutschland ein Tsunami-Projekt vor. Über eine Laufzeit von drei Jahren sollen dort mit Mitteln der „Aktion Deutschland hilft“ Häuser gebaut, die Wasser- und Abwassersysteme in Stand gesetzt und Familienbetriebe mit Kleinkrediten unterstützt werden. Bauern helfen wir mit Vieh und Arbeitsgerät und bieten darüber hinaus berufliche Ausbildung an. Am Donnerstag um 7 Uhr morgens geht’s los, und ich bin sehr gespannt auf Ampara und die Situation dort. Im nächsten Eintrag dann mehr über Ampara.
Die Sicherheitslage hat sich ürigens wieder beruhigt, es wurden in den letzen Tagen keine neuen Zwischenfälle gemeldet – CARE und andere Hilfsorganisationen können die Arbeit ungehindert fortsetzen. Hier in Colombo war ohnehin von der schwierigen Lage im Norden der Insel wenig zu spüren. Die Einwohner der Hauptstadt erledigen ihre Weihnachtseinkäufe, die Straßen sind mit Autos, Bussen und so genannten Tuc-Tucs verstopft. Tuc-Tucs sind dreirädrige kleine Taxis, ähnlich wie Rischkas - nur mit Motor. Bei dem hohen Verkehrsaufkommen in Jakarta sind die Tuc-Tucs ein bequemes Verkehrsmittel, um in der Stadt von A nach B zu kommen. Dem Fahrtantritt gehen zwar immer langwierige Verhandlungen über den Fahrpreis voraus (Tuc-Tuc haben keinen Taxameter), aber wenn man sich einmal an das Prozedere gewöhnt hat, macht es eigentlich Spaß, den Fahrpreis auszuhandeln. Tuc-Tucs gibt es aber überall in Sri Lanka, und für viele Familien ist dass eine gute Verdienstmöglichkeit.
Eine gute Nachricht: Die Sicherheitslage hat sich nicht verschlimmert, und die Gewalt ist bis jetzt nicht eskaliert. Dennoch kann noch keine Entwarnung gegeben werden, und nicht ohne Grund rät das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite von Reisen nach Sri Lanka ab. In einigen unserer Büros in den Tsunami-Gebieten haben wir uns für ein paar Tage bedeckt gehalten und unsere Arbeit auf das absolut Notwendige beschränkt.
Trotz dieser Widrigkeiten arbeiten wir hier in Colombo mit Hochdruck an den Vorbereitungen für 2006. Zum Abschluss des Jahres werden wir wohl ungefähr 200 dauerhafte Wohnhäuser gebaut haben, und 200 Familien werden wieder einen Platz zum Leben haben. Sicher, angesichts der immensen Zerstörungen, die der Tsunami hinterlassen hat, scheinen 200 Häuser nicht sehr viel.
Bei unserer Arbeit ist es uns jedoch wichtig, dauerhafte Lösungen zu finden, und wir wollen den Menschen eine langfristige Perspektive geben – es macht keinen Sinn, schnell irgendwo 500 oder 1.000 Häuser zu bauen, wenn die Häuser ohne Baugenehmigung errichtet werden oder ohne jegliche Infrastruktur oder schlicht der Platz der neuen Siedlung falsch gewählt ist und die Menschen dort überhaupt nicht leben möchten. Dies führt nur dazu, dass die Häuser am Ende verlassen sind, verkauft oder abgetragen und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Dann aber wurden die Spendengelder eigentlich verschwendet.
Meine Kollegen in den Büros vor Ort gründen Planungskomitees, hören auf die Erwartungen, Bedürfnisse und Wünsche der Menschen, binden den Schutz der Umwelt in die Projekte mit ein und kooperieren mit den zuständigen Ämtern in den Tsunami-Gebieten, um die Hilfe genau anzupassen. Daraus werden dann umfassende und integrierte Hilfsmaßnahmen entwickelt. Dabei ist sicher ein Haus mit Toilette und einem Brunnen für die Familien ganz wichtig. Aber auch die Möglichkeit, wieder sein eigenes Geld zu verdienen, die Kinder zur Schule zu schicken oder einen Arzt in der Nähe zu haben, sind wichtige Faktoren, damit am Ende das Projekt ein Erfolg wird.
Bei alldem werden die Menschen selbst in die Pflicht genommen, Entscheidungen sind zu treffen und Planungen zu besprechen – CARE bindet die Betroffenen voll in die Arbeit ein – nur so können wir unser Ziel erreichen, den Tsunami-Opfern wieder eine Perspektive zu vermitteln.
Die vergangene Woche endete mit einem kleinen Fest hier bei uns im CARE-Büro. Meine Kollegin, Chrisanthie Wijayanayake, arbeitet seit 25 Jahren für CARE. Damit ist sie eine der dienstältesten Kollegen im CARE-Büro in Sri Lanka. Chrisanthie kümmert sich hier um die finanzielle Abwicklung der Projekte und stellt sicher, dass jeder gespendete Euro oder Dollar erfasst wird und bei den Hilfsbedürftigen ankommt. Am Freitagabend haben wir dann noch mit Chrisanthie zusammen gesessen, und sie hat die eine oder andere Anekdote aus 25 Jahren CARE zum Besten gegeben.
Leider begann die neue Woche nicht so angenehm wie die letzte endete: Am Samstag sind sechs Soldaten bei einem Anschlag in Jaffna, im Norden der Insel, ums Leben gekommen. In Batticaloa an der Ostküste wurden zwei Bauern erschossen, und ebenfalls in Jaffna sind Studenten auf die Straße gegangen, um gegen die Errichtung eines weiteren Checkpoints zu demonstrieren.
Die Sicherheitslage hat sich seit dem Wochenende verschärft. Das CARE-Büro in Point Pedro wird wohl am Mittwoch geschlossen bleiben, und eine Reise von Journalisten zu CARE-Projekten nach Jaffna ist aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. In allen von den Tamilen kontrollierten Gegenden ist die Lage angespannt. Hier in Colombo erscheint alles ruhig und normal, aber derzeit kann niemand sagen, wie sich die Situation entwickelt. Sollte es zu einem offenen Konflikt kommen, wären die Menschen in Sri Lanka ein Jahr nach dem Tsunami wieder mit einer Katastrophe konfrontiert.
So allmählich fängt es auch in Sri Lanka an zu weihnachten, obwohl die Christen hier nur eine Minderheit ausmachen. Die Mehrzahl der Sri Lankesen sind Buddhisten, Hindu oder Moslems. Viele Geschäfte sind mit weihnachtlichen Dekorationen geschmückt, und manche Restaurants werden nur noch durch flackernde bunte Lichterketten erhellt. Es gibt vor allem knallbunte Dekorationsartikel, die bei Bedarf auch noch weihnachtliche Melodien von sich geben.
Für die Menschen hier haben dieses Jahr die Festtage eine besondere Bedeutung, ganz gleich, zu welchem Glauben sie sich bekennen. Weihnachten ist dieses Jahr mit der Flut verbunden, die letztes Jahr am 26. Dezember auf die Insel einbrach. Es sind Gedenkfeiern an vielen Orten entlang der Küsten geplant. Daher wird Weihnachten 2005 für viele Familien eine besinnliches Fest werden, bei dem der Opfer der Katastrophe gedacht wird.
Mittlerweile geben sich die Journalisten bei CARE in Colombo die Klinke in die Hand. Der Jahrestag des Tsunami steht bald an, und da ist natürlich das Medieninteresse wieder größer. Gestern hatten wir einen Journalisten aus Frankreich zu Besuch, der eine Reise in den Norden plant und sich vorab über die CARE-Projekte dort informieren wollte. In Deutschland wurden die Schlagzeilen der vergangenen Monate von den politischen Ereignissen bestimmt. Jetzt vor Weihnachten kommen wieder mehr Medienvertreter, und wir von CARE sind froh, über den Fortschritt der Tsunami-Hilfe Auskunft geben zu können.
Heute hat der erste Teil einer internen Konferenz von CARE Sri Lanka begonnen. Ziel dieser Konferenz ist es, unsere interne Koordination zu verbessern und neue effizientere Prozesse zu entwickeln. Ganz nebenbei lernt man bei solchen Treffen auch immer neue Kollegen kennen. CARE hat mittlerweile über 650 Mitarbeiter in Sri Lanka. Darunter sind Kollegen, die schon seit über 20 Jahren bei CARE in Sri Lanka arbeiten. Es ist sehr beeindruckend, über welchen Erfahrungsschatz die Kollegen verfügen und wie hilfreich diese Erfahrungen jetzt bei der Umsetzung der komplexen Tsunami-Projekte sind.
Um 16:30 bin ich, von Colombo kommend, auf dem zivilen Regionalflughafen von Jaffna gelandet. Am einfachsten ist es, mit dem Flugzeug nach Jaffna zu gelangen, mit dem Auto dauert die Reise mehr als zwölf Stunden. Die Reise nach Jaffna ist gut verlaufen, und das Filmteam konnte ein paar interessante Aufnahmen machen. Es ist immer ein wenig aufwändig, durch die ganzen Checkpoints zu gelangen – aber letztendlich sind wir doch gut durchgekommen.
In Adikovilady, einem kleinen Dorf an der Nordküste Sri Lankas, haben wir eine Frau getroffen, die durch den Tsunami ihren Mann verloren hatte, und jetzt ist sie mit ihrer Tochter allein. Aber sie ist wieder ganz zuversichtlich. CARE konnte ihr bei den Investitionen für einen kleinen Laden helfen, und soeben wird ihr neues Haus direkt neben dem Laden gebaut. Eine andere Familie hat ihr Haus und die gesamte Habe durch den Tsunami verloren, nur das Eingangstor zum Grundstück konnte gerettet werden. Das alte Tor ist jetzt der Eingang zum neuen Grundstück, auf dem CARE gerade das neue Haus für die Familie baut.
In anderen Teilen der Insel hat sich die Lage der vom Tsunami Betroffenen durch die anhaltenden Regenfälle verschlechert. In einigen Übergangslagern steht das Wasser knöcheltief, bei einigen Familien steht der Hausstand unter Wasser. CARE hat begonnen, den Menschen mit Nahrung, Hygieneartikel und Haushaltsgegenstände zu helfen.
Für Donnerstag und Freitag dieser Woche ist ein Besuch der CARE-Projekte im Norden der Insel mit einem Filmteam aus Deutschland geplant. Gemeinsam mit dem Repräsentanten der Aktion Deutschland Hilft (ADH) in Colombo, Christoph Ernesti, erörtern wir die beste Reiseroute, um die CARE-Projekte und die Projekte von anderen ADH-Mitgliedern zu besuchen. Der Norden der Insel, der Distrikt Jaffna, wird von der srilankesischen Regierung kontrolliert, die südlich angrenzenden Gebiete von der LTTE. Daher sind weite Teile Jaffnas Hochsicherheitsgebiet und nur schwer zugänglich, erst recht für ein Filmteam.
Noch haben wir zwar nicht alle Papiere beisammen, aber es sieht so aus, als wenn die Behörden uns grünes Licht geben würden. Seit gestern haben auf der gesamten Insel starke Regenfälle eingesetzt, und einige Straßen in Colombo sind bereits überflutet. Auch aus den CARE-Regionalbüros erreichen uns Meldungen, dass einige Siedlungen überflutet werden könnten.
Sri Lanka hat gewählt: Neuer Präsident ist Mahinda Rajapakse. Mahinda ist bekannt für seine starre Haltung gegenüber den Tamilen und deren Unabhängigkeitsbestrebungen. Der gestrige Wahltag ist allerdings ruhig verlaufen. Es gab ein paar mehr Soldaten und Polizisten auf den Straßen als sonst, hin und wieder wurde Autos angehalten und kontrolliert. Angeblich hat die Regierung erwogen, eine Ausgangsperre zu verhängen, aber anscheinend ist das nicht nötig gewesen. CARE hat sieben regionale Tsunami-Büros, sowohl an der Süd- und Ostküste als auch im Norden der Insel. Erfreulicherweise ist es in keinem unserer Projektgebiete zu einem Zwischenfall gekommen.
Heute werde ich mit mich mit Vertretern des Internationalen Paralympischen Komitees in Sri Lanka treffen. CAER International Deutschland unterstützt das Komitee, um Menschen mit Behinderungen zu helfen und durch Anleitung zum Sport wieder etwas mehr Zuversicht und Lebensqualität zu vermitteln.
Heute ist ein buddhistischer Feiertag in Sri Lanka – der so genannte „Poya-Day“. Trotzdem bin ich kurz ins Büro gekommen, um ein paar dringende Arbeiten zu erledigen. Am Donnerstag dieser Woche wird in Sri Lanka ein neuer Präsident gewählt. Das Land ist immer noch gespalten: Im Norden haben Tamilen die Region unter Kontrolle, in der Mitte und im Süden die Regierung. Seit 20 Jahren kämpfen die Tamilen für ihre Unabhängigkeit.
2002 wurde durch Vermittlung von Norwegen ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Es kommt zwar immer wieder zu Scharmützeln, aber im Allgemeinen wird der Waffenstillstand eingehalten. Im August 2005 ist der Außenminister Sri Lankas erschossen worden, ohne dass die Täter gefasst werden konnten. Daher sind Wahlen in Sri Lanka immer spannende Ereignisse, weil sich die Sicherheitslage schnell verschärfen kann. Ich bin froh, mich mit einheimischen Kollegen über die Situation austauschen zu können, und im Moment scheint die Lage auch ruhig zu bleiben.
Am gestrigen Donnerstag bin ich aus Kilinochchi zurückgekommen. Heute werde ich mich daran setzen, die Absprachen mit den Kollegen in Kilinochchi in unsere Übersichten einzubauen. Neben der Besprechung sind wir auch noch ins Feld gefahren – ja man sagt hier wirklich "ins Feld fahren", das hat etwas mit dem englischen Ausdruck „to go into the field“ zu tun und meint einen Besuch in den Projekten.
Der Bau von dauerhaften Wohnhäusern hat bereits begonnen, und auf der Straße kommen einem viele LKW mit Baumaterial entgegen. Dennoch leben viele der Betroffenen in Übergangslagern. Die Situation ist zwar beengt, aber es ist sauber, Toiletten und Waschräume sind vorhanden, und einige der Männer fahren wieder aufs Meer zum Fischfang. Außerdem unterstützt CARE auch Bauern, ein paar Hektar Reis sind schon wieder bepflanzt. Die Bauern sind zuversichtlich, dass die Ernte mit dem Saatgut und Dünger von CARE gut wird. Stolz präsentieren sie uns die grünen Reisfelder.
Seit Sonntag, 13:25 Uhr lokaler Zeit, bin ich in Colombo. Die Kollegen vom CARE-Büro in Sri Lanka waren so nett und schickten mir ein Taxi zum Flughafen. Nach einer einstündigen Fahrt durch die überfüllten Straßen kam ich bei meiner Unterkunft an. Noch ein bisschen macht mir der Jetlag zu schaffen. Montag habe ich mich dann im CARE-Büro eingefunden und bin von meinen Kollegen, die ich schon von meinen früheren Besuchen kannte, herzlich begrüßt worden.
Heute reise ich nach Kilinochchi im Norden der Insel, und wir werden wohl den ganzen Tag dorthin unterwegs sein. Kilinochchi ist zwar nur 250 km entfernt von der Hauptstadt, aber die Straßen sind schlecht, und wir können nur maximal 40 bis 50 km/h schnell fahren. In Kilinochchi hat CARE schon seit einigen Jahren ein Büro, daher konnten wir den Menschen in den Tsunami-Gebieten dort schnell helfen. Aber in Kilinochchi gibt es auch schon seit Jahren keine vernünftige Telefonverbindung, daher geht die Kommunikation nur über Funk. Jetzt muss ich mit unseren Kollegen das weitere Vorgehen für 2006 besprechen - da muss man mindestens zwei Tage einplanen, um sich mit den Kollegen vor Ort zu treffen.
Die Schlange am Samstag vor dem Abfertigungsschalter am Flughafen Frankfurt ist ungewöhnlich lang, und die Reisenden müssen sich gedulden, bis sie endlich ihre Koffer abgegeben können. Ich habe mich ein bisschen verspätet und muss mich hinten anstellen. Das gibt mir aber Gelegenheit, mir die Mitreisenden auf dem Flug nach Colombo, Sri Lanka, genauer anzuschauen.
Seit meiner ersten Reise nach Sri Lanka im April 2005 hat sich das Publikum offensichtlich geändert. Im April sah man noch viele Vertreter von internationalen Organisationen und deutschen Nicht-Regierungsorganisationen, die auf Grund der Tsunami-Katastrophe nach Sri Lanka reisten. Jetzt im November sind viele Touristen auf dem Weg nach Sri Lanka, um wieder Urlaub an den Traumstränden der Insel an der Spitze Indiens zu machen. Im Flugzeug treffe ich eine Frau, die sich sehr auf die vierwöchige Ayurveda-Kur im Süden von Sri Lanka freut. Als Tsunami-Referent von CARE International Deutschland bin ich sehr gespannt auf die nächsten drei Monate im Büro von CARE International Sri Lanka in Colombo.
Ein Jahr nach dem Tsunami – erinnern, reflektieren, engagieren
Sri Lanka: Fischen für den Neuanfang
Aktion Deutschland Hilft: Schnelle und koordinierte Nothilfe
Safe Water Systems: Einfache und effektive Wasseraufbereitung
Grundsätze unserer Arbeit nach dem Tsunami
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