code

Zum Ende der UN-Klimakonferenz: CARE-Stimmen aus Marrakesch

CARE war mit einem internationalen Team vor Ort, um die Verhandlungen zu begleiten. Erste Stimmen zum Abschluss der Konferenz:

Sven Harmeling, klimapolitischer Koordinator, zu den Verhandlungen allgemein:
„Ein klarer Aufruf zu mehr Klimaschutz von Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hier in Marrakesch zeigt die Stärke und Einheit der Klimaschutzbewegung: Der Geist von Paris ist noch nicht verflogen. Wir begrüßen den Fortschritt in den technischen Verhandlungen, aber für ein wirkliches Erfolgsrezept fehlen noch wichtige Zutaten. Ärmere Bevölkerungsschichten, vor allem Frauen und Mädchen, benötigen mehr Unterstützung bei der Anpassung an den Klimawandel, als die reichen Länder bisher bereitstellen. Um die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten, sind auch mehr Einsparungen bei CO2-Emissionen notwendig.“

Sven Harmeling zur Rolle Deutschlands:
“Deutschland ist mit der Einigung auf den 2050-Klimaschutzplan quasi in letzter Minute knapp an einer Blamage bei der Klimakonferenz vorbeigeschrammt. Der Plan muss noch deutlich nachgebessert werden, um kompatibel mit dem im Paris-Abkommen vereinbarten 1,5-Grad-Limit zu sein und Deutschlands Verantwortung gerecht zu werden. Doch so konnte die Bundesregierung als erster Staat überhaupt bei den Vereinten Nationen offiziell einen langfristigen Klimaplan einreichen, andere wie die USA, Kanada und Mexiko haben bereits nachgezogen. Durch seine Zahlungsankündigung für den UN-Anpassungsfonds und die neue Partnerschaft mit Entwicklungsländern zur Umsetzung nationaler Klimapläne hat Deutschland wichtige Impulse gesetzt. Zuhause wartet aber nun vor allem die Aufgabe, zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, damit das 2020-Reduktionsziel eingehalten wird. Dass heute 48 Entwicklungsländer angekündigt haben, ihren Anteil am 1,5-Grad-Limit zu leisten und auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umzustellen, setzt Deutschland hier noch mehr unter Zugzwang.”  

Emma Bowa, Advocacy-Managerin für Anpassung, zu Finanzierungsfragen und Teilhabe:
„In Marrakesch sind wir besonders beim Thema Gleichberechtigung vorangekommen: alle Teilnehmer verpflichteten sich dazu, die Gleichstellung von Mann und Frau in die Umsetzungen des Rahmenübereinkommens zur Klimaveränderung (UNFCCC) einfließen zu lassen. Die Beschlüsse zu Klimaschäden legen auch mehr Fokus auf die Entwicklung von Finanzierungsinstrumenten, was angesichts der wachsenden Klimafolgen ein willkommener Fortschritt ist. Für afrikanische Länder bleibt die Finanzierung der Anpassung an den Klimawandel von höchster Bedeutung. Kritisch ist, dass wir die Klimakonferenz diesbezüglich ohne einen ausreichend klaren und ambitionierten Finanzierungsplan für die Zukunft verlassen, was die Frage nach Gerechtigkeit und Verantwortung aufwirft.“

Vitu Chinoko, CARE-Klimakoordinator südliches Afrika, zur Ernährungssicherheit:
„Der Klimawandel wirkt sich enorm auf die Landwirtschaft und die Ernährungssicherheit von Millionen von Menschen aus, so das Echo der Diskussionen in Marrakesch. Wir sind enttäuscht vom Stillstand der Verhandlungen im Fachbereich Landwirtschaft, da wir gerade in diesem Jahr die schrecklichen Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño, durch den Klimawandel verstärkt, sehen können. Neue Initiativen auf diesem Gebiet zeigen, dass die Problematik erkannt wird. Aber wir benötigen dringend ein gemeinsames Verständnis und klare Prioritäten dazu, wie Kleinbauern weltweit gegen die Auswirkungen des Klimawandels besser geschützt werden können.“


ACHTUNG REDAKTIONEN: Sven Harmeling steht auch am Wochenende für Interviews zur Verfügung. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Sabine Wilke, 0151 147 805 98

nach oben