Eine Frau in Uganda wartet mit anderen Menschen.

So leben Flüchtlinge während der Pandemie

Von venezolanischen Migrantinnen in Ecudaor bis zu den Rohingya in Bangladesch. Ein Fotoessay über das Leben von Geflüchteten während der Pandemie.

Sie trifft es am härtesten: die weltweit rund 80 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, sind während der Corona-Pandemie einem hohen Risiko ausgesetzt. Laut Angaben der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR wurden in 134 Ländern, in denen viele Geflüchtete leben, Infektionen mit dem neuartigen Virus gemeldet. Flüchtlingscamps sind in der Regel jedoch überfüllt und die Menschen haben häufig keinen Zugang zu Wasser und Sanitäranlagen, was zu einer rasanten Ausbreitung des Virus führen kann.    

Eine CARE-Analyse zeigt, dass Frauen in Ländern, die von Krieg, Armut und Instabilität gezeichnet sind, während der Pandemie noch stärker gefährdet sind. Geschlechterspezifische Gewalt nimmt zu und wenn das Essen knapp wird, sind Frauen oft gezwungen, zuletzt zu essen. Nichtsdestotrotz wird nicht einmal 1% der weltweiten humanitären Mittel für Maßnahmen zur Bekämpfung geschlechterspezifischer Gewalt oder Verhütung ausgegeben. 

CARE stellt Frauen und Mädchen deshalb ins Zentrum seiner Hilfe und unterstützt Vertriebene auf der ganzen Welt. „Hier können keine Abstriche gemacht werden“, sagt Sofia Sprechmann Sineiro, Generalsekretärin von CARE International. „Wenn wir nicht schnell handeln, werden Millionen von Männern, Frauen und Kindern in Krisengebieten allein gegen diese Pandemie kämpfen müssen.“
 

Geflüchtete Venezolaner warten vor der Botschaft in Ecuador.

Seit 2016 mussten rund 5 Millionen Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten aufgrund der politischen Lage und der anschließenden Wirtschaftskrise in Venezuela ihr Zuhause verlassen. Viele von ihnen fanden in Ecuador Schutz, doch das Land ist so stark von der Pandemie betroffen, dass sie erneut zur Flucht gezwungen sind. Doch wohin, wenn sich in ihrer Heimat Venezuela weiterhin eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt abspielt? 

CARE ist vor Ort und verteilt in Ecuador Bargeld, Nahrungsmittel, Medikamente und andere lebensrettenden Hilfsgüter an Menschen marginalisierter Gruppen, darunter Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten.
 

Geflüchtete in Ecuador warten in einer Unterkunft.

Eine Gruppe venezolanischer Migrantinnen und Migranten befindet sich seit mehr als drei Wochen in Isolation in einer Unterkunft in Quito (Ecuador) und wartet darauf, dass sie nach Hause zurückkehren können. Zurzeit ist jedoch der Flugverkehr eingestellt. 

Kinder in Cox's Bazar lernen Hust- und Niesetikette.

Fast eine Million Vertriebene aus Myanmar sind seit 2017 nach Bangladesch geflohen, um der Gewalt und Diskriminierung in ihrer Heimat zu entkommen. Die meisten von ihnen sind nun in Cox’s Bazar, wo etwa 855.000 Menschen auf engstem Raum wohnen. Im Vergleich zu New York ist das Camp fast viermal so dicht besiedelt, was Abstand halten nahezu unmöglich macht.

Kunstunterricht für geflüchtete Kinder in Cox's Bazar.

Mädchen nehmen an Kunstunterricht in einem der sogenannten „sicheren Räume“ für Frauen und Mädchen im Camp teil. Die Mehrheit der Geflüchteten in Cox’s Bazar sind Kinder, etwa die Hälfte sind Frauen und Mädchen. 

Deeomala Mahla, CARE-Regionaldirektorin für Asien, erklärt, warum es so wichtig ist, Frauen und Mädchen besonders zu schützen: „Durch die Quarantäne ist es für die Familien sehr schwer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wenn es dann zu wenig Essen für alle gibt, wer verzichtet dann zuerst? Frauen und Mädchen.“ 

Einem Mann in Cox's Bazar wird die Temperatur gemessen.

Gesundheitspersonal mit Schutzkleidung behandelt einen Patienten in Cox’s Bazar in Bangladesch, doch die Möglichkeiten sind begrenzt: Es gibt nicht ein Intensivbett vor Ort.

Die Bedingungen im Camp sind besorgniserregend, denn zu viele Menschen leben auf zu engem Raum und es fehlt der Zugang zu Wasser, Seife und anderen Hygieneartikeln. Seit März ist Cox’s Bazar isoliert, aber dennoch ist das Virus dort ausgebrochen und die ersten Todesfälle wurden gemeldet. 

Im Jemen sitzt eine Frau vor ihrem Zelt.

Selbstisolation, Krankheit, Vertreibung, Bewegungseinschränkungen und ein Einbruch der Wirtschaft: all das ist den Menschen im Jemen nach mehr als fünf Jahren brutalen Krieges nur allzu vertraut. Schätzungsweise benötigen derzeit 24 Millionen Menschen im Land humanitäre Hilfe. Das Coronavirus stellt nun eine zusätzliche Bedrohung dar, denn im Jemen wütet gleichzeitig bereits eine Cholera-Epidemie. 

Frauen in Dadaab wird die Temperatur gemessen.

Frauen warten im Flüchtlingscamp Dadaab in Kenia, in dem mehr als 230.000 Menschen leben, an, um ihre Temperatur messen zu lassen.

In Dadaab klärt CARE über sichere Hygienepraktiken auf, verteilt Seife und baut neue Sanitäranlagen und Waschstationen auf, um die Menschen vor dem Virus zu schützen.

Geflüchtete in Uganda warten auf Transport.

Geflüchtete mit ihrem letzten Hab und Gut warten in der Imvepi Siedlung für Geflüchtete in Uganda auf einen Transport.

Uganda ist für seine fortschrittliche Flüchtlingspolitik bekannt, denn das Land beherbergt Vertriebene in Siedlungen, anstatt in Camps und stellt ihnen Ackerfläche zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung. So wird ihre Selbständigkeit gefördert. Trotzdem musste Uganda seine Grenzen aufgrund der Pandemie schließen, sodass Flüchtlinge jetzt nicht mehr einreisen und Schutz finden können.

„Wir hoffen sehr, dass die Grenzen für Flüchtlinge so schnell wie möglich wieder geöffnet werden und wir sie dann sicher aufnehmen können. Unsere größte Hoffnung ist, dass derweil ihre Menschenrechte respektiert und sie mit Würde behandelt werden. Es ist für uns alle schwer zu sagen, was als nächstes passieren wird“, berichtet CARE-Länderdirektor Apollo Gabazira in Uganda.  

Für Menschen auf der Flucht und in Krisengebieten stellt die Corona-Pandemie eine beispielslose Bedrohung dar. Besonders Frauen und Mädchen sind einem hohen Risiko ausgesetzt. CARE unterstützt die Schwächsten der Welt dabei, diese schweren Zeiten sicher und in Würde zu überstehen. 

Helfen Sie uns dabei – mit Ihrer Spende!
 

nach oben