Kadijah floh vor der Gewalt aus ihrem Heimatdorf im Jemen.

Jemen: Vom Unerwarteten ins Unbekannte

Krieg, Blockaden, Tod und Leid. Das sind Begriffe, mit denen man den Jemen heute verbindet. Doch wie war das Leben dort, bevor der Krieg kam? Wie etwa sah der Alltag in einem im Dorf wie Al Moza’a, an der Küste des Roten Meeres, aus? Die 42-jährige Jemenitin Kadijah erinnert sich…

 „Früher weckte mich morgens das Krähen des Hahnes. Ich beobachtete oft die Fischer bei ihrer Arbeit und die Frauen, die Kühe molken, Hausarbeiten erledigten oder Gemüse und frisch gebackenes Brot auf dem überfüllten Markt des Dorfes verkauften. Das Lachen der Kinder hallte durch die Straßen, wenn sie Fußball spielten und davon träumten, einmal Ärzte und Lehrer zu werden. Das Leben in Al Moza’a schien so unbeschwert. Doch das alles sollte sich bald ändern. Nicht nur mein Leben, sondern das aller Bewohner, sollte nie mehr so sein wie zuvor…“, sagt Kadijah.

„Als der Krieg unser Dorf erreichte, floh ich zusammen mit meinen zwei Schwestern und meinem Bruder. Wir ließen alles hinter uns: Unser Haus, unsere Ziegen, unseren gesamten Hof – unsere Existenz. Mein Herz zerbrach in dem Moment, als ich zurück blickte und unser altes Leben immer weiter vor meinen Augen in der Ferne verschwand. Mein unbeschwertes Dorf war nicht mehr unbeschwert. Es war zerstört!“, erklärt Kadijah.

In ständiger Angst

Die meisten Bewohner von Al Moza‘a flohen. Sie hielten die ständige Angst vor Luftangriffen und Raketen nicht mehr aus. Kadijah und ihre Familie konnten zusammen mit ihrem Nachbarn, der ein Auto besaß, das Dorf verlassen. Wie viele andere retteten sie sich in die nächstgrößere Stadt, Al Makaah, in der Hoffnung, bei Familienangehörigen unterzukommen. „Wir hatten großes Glück. Während wir mit einem Auto fliehen konnten, entkamen viele andere Bewohner von Al Moza’a den Bomben nicht“, erzählt Kadijah.

„Angekommen in der Stadt, versuchten wir Schutz bei unserer Tante zu finden. Doch sie war nicht mehr dort. Wir waren so verzweifelt, dass wir die wundervollen Ohrringe meiner Mutter verkauften, die sie uns nach ihrem Tod vermacht hatte. Sie waren so wertvoll, dass wir von dem Erlös einige Monate überleben konnten.“

Großes Leid - CARE hilft

All die Jemeniten, denen dieses schwere Schicksal widerfahren ist, halten an dem Wenigen fest, dass ihnen der Krieg gelassen hat. Bei vielen sind es nur die Kleider, die sie am Leibe tragen. CARE steht diesen Menschen bei. Über 550 Familien vor Ort in Al Makaah und in anderen Gemeinden im Jemen hilft CARE unter anderem mit Geld, sodass sie sich auf den lokalen Märkten mit Essen versorgen und die Mieten für ihre temporären Unterkünfte bezahlen können. Außerdem stellt CARE Hygieneartikel zur Verfügung, besonders für Frauen und Mädchen. Auch wurden bereits vier Gesundheitszentren ausgestattet, um medizinische Hilfe leisten zu können. Denn neben der eskalierenden Gewalt breitet sich auch die Cholera immer weiter im Jemen aus. Über 900.000 Menschen sind bereits erkrankt.

Kadijah und ihre Familie leben weiterhin in Al Makaah. „Mein Herz schmerzt, wann immer ich zurück an mein altes Zuhause denke; wie unser Leben einmal ausgesehen hat. Mein einziger Wunsch für die Zukunft ist, dass der Krieg endlich endet und wir zurück in unser Dorf können“, erklärt Kadijah.

Spenden Sie für die CARE-Hilfe im Jemen und helfen Sie uns so, noch mehr Familien wie von Kadijah zu erreichen!

nach oben