code

Malawi: Nothilfe erreicht Menschen in Flutgebieten

Überschwemmungen sind für viele Menschen in Nsanje zu einem alljährlichen Ereignis geworden. Doch dieses Jahr hat das Hochwasser ein neues, verheerendes Ausmaß erreicht.

Auf dem Weg von der malawischen Handelsstadt Blantyre nach Nsanje an die südliche Spitze Malawis sind zahlreiche zerstörte Häuser und Hektare von Ackerland zu sehen, deren gesamte Ernte weggespült wurde. Mehr als 79 Männer, Frauen und Kinder sind vor ein paar Tagen durch starke Überschwemmungen gestorben, über 638.000 Menschen sind betroffen und brauchen jetzt dringend Hilfe, um ihr Überleben zu sichern. Das überschwemmte Gebiet ist zurzeit nur mit Helikoptern und Booten zugänglich, deshalb ist es schwierig, die Menschen zu erreichen. Und wenn man Betroffenen zuhört, wird klar, dass sie diese Tragödie nie vergessen werden.

Ein schwerer Verlust

Grace Lawrence ist 20 Jahre alte, schwanger und im Evakuationszentrum in Nyachilenda untergebracht. Sie verlor ihre Tochter durch die Überschwemmungen. Die dreijährige Marita, konnte zum Zeitpunkt der Bergungsaktion der malawischen Armee nicht aufgespürt werden. Offensichtlich fiel sie vom Dach und starb; doch was genau geschah, weiß Grace nicht. „Von all den Verlusten, welche die Fluten mit sich brachten, ist der Verlust meiner Tochter der schmerzhafteste“, erzählt Grace. „Dass ich meine Tochter nie wieder sehen werde, ist für mich unvorstellbar. Ich wünschte ich könnte sie sehen, zumindest ihren Leichnam.“

Für Mathews Damiano aus dem Dorf Brighton wird das Leben nie wieder so sein wie früher. Das Hochwasser kam gerade, als sein Obst- und Gemüsegeschäft zu wachsen begann. Jetzt ist Familie mittellos und im Evakuationszentrum in Bangula untergebracht. Auch das Haus der Familie liegt nach dem Hochwasser in Trümmern. Mathews verlor das gesamte Eigentum, darunter das Lagerhaus, das 50 Meter von seinem Haus entfernt stand. Zum Zeitpunkt der Zerstörung befanden sich Waren im Wert von 50.000 Kwacha, ungefähr 93 Euro, dort. „Es wird lange dauern, bis wir uns von dem Schaden erholt haben. Wir wissen nicht, was wir jetzt machen sollen“, erzählt er.

In manchen Teilen von Nsanje wurden wichtige öffentliche Einrichtungen geschlossen. Kinder können nicht mehr zur Schule gehen, da einige Gebäude durch das Hochwasser zerstört und andere zu Evakuationszentren umfunktioniert wurden. „Wir haben schon einige Überschwemmungen erlebt, es ist kein außergewöhnliches Ereignis. Ich erinnere mich, dass wir 1986 eine großflächige Flut hatten, die sehr zerstörerisch war. Aber dieses Hochwasser ist schlimmer als alle anderen. Ich bin sprachlos“, sagt Marita Samuel, eine 80-jährige Frau, die an der malawisch-mosambikanischen Grenze Zuflucht gefunden hat.

Vorräte sind knapp

Die vertriebenen Menschen benötigen ein Dach über dem Kopf, Nahrung und Haushaltsgegenstände. Wie es ein Beamter formulierte: „Die Realität ist, dass das Leben im Camp nicht dasselbe wie zu Hause sein kann.“ Schwangere Frauen, stillende Mütter und Frauen mit Kindern unter fünf Jahren leben dort. Sie brauchen eine ausgewogene Ernährung, um gesund zu bleiben, aber die Vorräte sind knapp.

CARE verteilte bereits Nahrungsmittelpakete, andere Nothilfegüter und Hygienepakete an über 3.279 Haushalte in der Region. In der nächsten Woche plant CARE weitere 1.000 Familien mit lebensrettenden Nahrungsmitteln zu versorgen.

Obwohl es Warnungen vor den schweren Regenfällen gab und das Bezirksamt in Nsanje die Empfehlung von Meteorologen, Menschen sollten sich ins Hochland begeben, weitergab, kamen viele Menschen der Aufforderung nicht nach. Zu oft hatte es in der Vergangenheit Warnungen gegeben, auf die glücklicherweise keine Katastrophe folgte.  Doch diesmal war es anders. Es wird Zeit brauchen bis sich die Menschen in Nsanje von den Verlusten erholen können, und manche werden sie wohl nie ganz verkraften. Familien, Verwandte und Freunde wurden getrennt, in vielen Fällen für immer. Diese Überschwemmung wird als die schlimmste Katastrophe in die Geschichte der tiefgelegenen Shire Gegend eingehen.

nach oben