Neue CARE-Studie zu Mädchenausbildung: Heirat statt Schule, alle zwei Sekunden

39.000 Mädchen werden täglich zur Ehe gezwungen / CARE fordert Ende der Kinderehe bis 2030

Bonn/Bishnupur, 5. Oktober 2015. In 26 Ländern dieser Welt ist eine Zwangsehe für Mädchen unter 18 Jahren wahrscheinlicher, als eine weiterführende Schule zu besuchen. Dies zeigt die heute von der Hilfsorganisation CARE veröffentlichte Studie „Vows of Poverty".

„Es sollten nicht mehr Mädchen vor den Altar treten, als Mädchen den Klassenraum einer weiterführenden Schule von innen sehen“, so CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel. „Es  muss wachrütteln, dass diese Praxis in vielen Ländern Alltag ist. Jedes Mal, wenn ein Mädchen unter 18 Jahren zur Ehe gezwungen und davon abgehalten wird, die Schule zu besuchen, ist das eine vertane Chance: für das Leben dieses Mädchens, aber auch für die Bekämpfung der Wurzeln der Armut.“

Laut der CARE-Studie werden jeden Tag 39.000 Mädchen zur Ehe gezwungen – das heißt, dass alle zwei Sekunden eine neue Kinderehe geschlossen wird. Gleichzeitig gehen 62 Millionen Mädchen nicht zur Schule. „Der Traum meines Schulbesuchs ist vor langer Zeit gestorben“, berichtet etwa Jobeda Begum aus Bangladesch in dem Bericht. Sie wurde mit 15 Jahren zur Ehe gezwungen und musste daraufhin die Schule beenden.

Vor allem die geringe Anzahl der Einschreibungen an weiterführenden Schulen von Mädchen ist laut des Berichts kritisch. „In vielen Ländern besuchen Mädchen mittlerweile die Grundschule – häufig ist das im nationalen Gesetz auch so verankert. Aber sobald Mädchen in die Pubertät kommen, sind sie Risiken wie Zwangsehe, Gewalt, Schwangerschaft und sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Auch ihre Schulausbildung endet dann“, so Zentel. Der Bericht zeigt einige Lösungsansätze für die Abschaffung der Kinderehe, die sich in Ländern wie Bangladesch, Nepal, Äthiopien oder Malawi bereits bewährt haben. Dazu zählt etwa eine CARE-Initiative in Äthiopien, bei dem die Gesundheit von über 5.000 Mädchen durch Unterstützergruppen verbessert und ihnen eine Ausbildung gewährt werden konnte.

 

CARE fordert ein Ende der Kinderehe bis 2030 und dass Staaten den bei der UN-Generalversammlung beschlossenen Nachhaltigkeitszielen jetzt auch Taten folgen lassen und Lücken in der Gleichstellung der Geschlechter schließen.

Weitere wichtige Ergebnisse der Studie:

  • Hauptursachen für Kinderehen sind vor allem soziale, junge Mädchen abwertende Normen, Mädchenhandel, Abhängigkeiten von Mitgift sowie Bürgerkriege wie in Afghanistan oder Mali;
  • Im Niger heiraten 76 Prozent der Mädchen unter 18 Jahre und damit so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt. Nur 10 Prozent sind in einer weiterführenden Schule eingeschrieben;
  • Im Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan und in Somalia übersteigt die Zahl der Mädchen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet werden, die Zahl derjenigen, die eine weiterführende Schule besuchen, um jeweils 40 Prozent.

Hier finden Sie die deutsche und englische Kurzfassung des Berichts sowie die komplette englische Version als PDFs zum Download:


Unterstützen Sie die weltweite Nothilfe von CARE mit Ihrer Spende: 
CARE Deutschland-Luxemburg e.V. 
Sparkasse KölnBonn 
Konto: 4 40 40 | BLZ: 370 50 198 
IBAN: DE93 3705 0198 0000 0440 40 
BIC: COLSDE33 
www.care.de/spenden 

Für Rückfragen steht Ihnen die Pressestelle gern zur Verfügung: 

Sabine Wilke
Pressesprecherin
Tel:         +49 228 / 975 63 46
Mobil:    +49 151 / 147 805 98
Mail:      wilke[at]care.de

Johanna Mitscherlich 
Referentin Medien und Kommunikation 
Tel:        +49 228 / 975 63 48   
Mobil:   +49 176 / 703 301 14 
Mail:     Mitscherlich[at]care.de 
 

nach oben