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Nordirak: Die Menschen warten auf ihre Rückkehr nach Hause

CARE unterstützt Familien in Dohuk im Nordirak, wo seit Konfliktbeginn im letzten Sommer über 900.000 Menschen Zuflucht gesucht haben.

Im August 2014 lebte Zahara, 30, mit ihrem Ehemann Samer und ihren fünf Kindern in ihrem Haus in einem Dorf im Sindschar-Gebirge. Zahara und Samer haben die letzten zehn Jahre damit verbracht, an ihrem Haus zu arbeiten.

„Unser Leben war zwar nicht perfekt, aber besser als das hier"

„Wenn ich ehrlich bin“, sagt Zahara lächelnd: „Unser Leben war nicht perfekt. Wir hatten unser Haus zur Hälfte fertig gebaut. Wir sind es sehr langsam angegangen – Stück für Stück. Es gab keinen Strom und nicht viel Wasser dort. Aber es war besser als das hier.“ Ihre Augen wandern durch das kleine Zelt, in dem es nichts gibt außer einer dünnen Matratze und etwas Plastik zwischen ihren Füßen und dem Boden. „Dann hat uns der Konflikt gezwungen zu fliehen. Wir mussten alles zurücklassen.“ Sie seufzt, während sie eine Fliege mit ihrer Hand wegwedelt.

Heute lebt Zahara mit ihrer Familie in einem kleinen Zelt, drei mal vier Meter, in einem Flüchtlingscamp im Nordirak. Fast 15.000 Menschen leben hier. Laut den Vereinten Nationen sind über 900.000 Menschen in den Nordirak geflohen.

Es war acht Uhr morgens, als die Familie die Soldaten kommen hörte und fliehen musste. „Wir hatten Angst dazubleiben. Wir haben das Haus blitzschnell verlassen. Wir liefen und liefen. Mit unseren Kindern sind wir alle zusammen über das Sindschar-Gebirge geflohen. 14 Tage waren wir unterwegs. Es war so hart…“, sagt sie und muss durchatmen. „Ich kann nicht glauben, dass das wirklich passiert ist.“

Ein Flüchtlingscamp als Spielplatz

„An manchen Tagen hatten wir solche Angst – ich habe einfach gebetet, dass wir Leute finden, die uns Wasser und Essen geben. Wir waren hungrig und durstig. Nachts haben wir eng aneinander geklammert auf Steinen geschlafen. Ich kann auch jetzt noch nicht in der Nacht schlafen. Immer wenn ich meine Augen schließe, sehe ich sie – sie, die uns angegriffen haben.“

Von draußen dringen die Stimmen von lachenden Kindern in das Zelt. Der mit neun Jahren älteste Sohn Sader und seine fünfjährige Schwester Diana schieben ihre Geschwister mit einer Schubkarre in der Gegend herum. Zahara, eine wachsame Mutter, schaut sofort nach dem Rechten. Das Camp ist der Spielplatz der Kinder.

Sich auf das Leben hier einzustellen, war nicht einfach für die Familie. „Unser Leben fühlt sich an wie in einem Gefängnis“, sagt Zahara. „Es gibt hier keine Aussicht auf Besserung – außer wieder nach Hause zu kommen. Ich möchte wieder nach Sindschar. Das ist kein Leben hier, vor allem nicht für meine Kinder.“

„Als wir hier ankamen, hatten unsere Kinder zunächst die ganze Zeit über Angst. Bei dem kleinsten Geräusch weinten sie und riefen ‚Oh Nein! Sie kommen‘.  Mein Mann und ich haben eine Menge Zeit damit verbracht ihnen klar zu machen, dass sie hier sicher sind. So viele andere Familien wurden getrennt: Eltern von ihren Kindern, Schwestern von ihren Brüdern. Unsere Kinder hatten große Angst, dass dies auch ihnen passieren könnte.“

Das Wichtigste ist die Schuldbildung der Kinder

Zahara ist um das Wohlergehen ihrer Kinder sehr besorgt. Sie sagt, sie will sicherstellen, dass sie zur Schule gehen können, vor allem ihre Töchter, die jetzt noch nicht alt genug sind.

„Ich hatte nie die Möglichkeit, zu studieren“, sagt sie. „Aber jetzt schicke ich meine Kinder zur Schule. Bildung ermöglicht ihnen ein besseres Leben, vor allem Mädchen müssen zur Schule gehen. Sie müssen in der Lage sein, logisch zu denken. Wir müssen in der Lage sein, uns mit einem Arzt zu unterhalten. Wir müssen Arabisch verstehen. Ich wünschte, ich wüsste mehr, sodass ich, wenn ich meine Kinder zu einem Arzt bringe, verstehe, was ihre Probleme sind und was der Arzt empfiehlt.“

Um die Lebensbedingungen im Camp zu verbessern organisiert CARE mit Harikar, einem lokalen Partner, die Müllbeseitigung. 20 Camp-Bewohner sind für einen Monat angestellt, sammeln Müll und säubern die Anlage. Ein anderes Team ist für die Toiletten und Duschen verantwortlich.

Sader kommt ins Zelt und setzt sich neben seine Mutter. Weil er seine Hände nicht richtig bewegen und keinen Stift halten kann, geht er nicht zur Schule. Er hat jetzt seinen eigenen Traum. „Ich möchte ein Fahrer werden“, sagt er. Seine erste Fahrt hat er schon geplant: „Ich möchte meine Familie nach Hause bringen“, sagt er. „Ich möchte unser altes Leben zurück.“

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