code

Südsudan: Marthas Entscheidung

Am 15. Dezember 2015 jährt sich der Ausbruch von Gewalt im Südsudan zum zweiten Mal. Das jüngste Land der Welt hat große infrastrukturelle Probleme, besonders im Gesundheitssektor.

Ein Krankenhausbett im Norden des Südsudans, ein vier Wochen altes Baby liegt auf einem weißen Laken und kämpft mit seiner Atmung. Nebenan sitzt die Mutter des kleinen Jungen auf einem Stuhl, ihr Name ist Martha. Die 32-Jährige macht sich Sorgen, nicht nur wegen der schweren Krankheit ihres Sohnes, sondern auch, weil sie ihre anderen drei Kinder alleine zu Hause zurücklassen musste.

Martha kommt aus Riak, einem etwa drei Fußstunden von der Klinik entfernten Dorf. In ihrem Dorf hat es auch mal ein Gesundheitszentrum gegeben, doch mit dem Ausbruch von Gewalt im Dezember 2013, wurde die Klinik zerstört. Seitdem findet die ärztliche Versorgung in Lehmhütten statt. Untersucht werden alte und junge Menschen in einem Raum, der auch als Lager für Medikamente sowie Impf- und pränatale Beratungsstelle dient. Für komplizierte Erkrankungen ist dort kein Platz, deshalb musste Martha mit ihrem Sohn den weiten Weg in die Klinik nach Mankein auf sich nehmen.

Auf sich allein gestellt

Marthas Mann verstarb 2014. Zum Zeitpunkt seines Todes war die junge Frau mit ihrem vierten Kind schwanger. Ihr fällt es sichtlich schwer, über die letzten zwei Jahre ihres Lebens zu reden. Drei Kühe sind ihr geblieben. Sie geben Milch, die aber bei Weitem nicht für ihre Kinder, ihre Schwiegermutter und sie selbst ausreicht. „Ich sammele Wasserlilien, damit meine Familie, etwas zu essen hat. Uns ist ansonsten nichts geblieben. Früher habe ich jedes Jahr Mais angepflanzt, aber seitdem der Regen ausbleibt, haben die Pflanzen keine Chance mehr zu wachsen“, erklärt sie.

Als ihr Sohn krank wurde, musste Martha sich entscheiden: Bleibt sie zu Hause, versorgt ihre Kinder und riskiert damit das Überleben ihres jüngsten Nachwuchses? Oder macht sie sich auf den Weg zur Klinik und überlässt es den Kindern sich selbst zu versorgen? Sie entschied sich für Letzteres.

Kaum medizinische Versorgung

Das Gesundheitssystem im Südsudan ist stark unterentwickelt: Medizinische Grundversorgung ist so gut wie nicht vorhanden, das Land hat eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt. Es gibt kaum gepflasterte Straßen. Nur 40 Prozent der Sudanesen haben Zugang zu Verkehrsmitteln, um etwa weit entfernte Gesundheitszentren zu erreichen.

Für Frauen wie Martha sind große Distanzen ein schwerwiegendes Problem. Sie sehen sich nicht in der Lage die Einrichtungen zu erreichen und haben deshalb sehr oft keinen Zugang zu sexueller oder reproduktiver Versorgung. Die meisten Frauen bringen ihre Kinder ohne medizinische Versorgung auf die Welt. „Ein Kind in einer Klinik zu bekommen, ist gut. Ich frage mich manchmal, ob meine Kinder gesünder wären, wenn ich sie in einer sicheren und sauberen Umgebung zur Welt gebracht hätte.“

CARE setzt sich für Frauen wie Martha mit Gesundheitszentren im Südsudan ein. Helfen auch Sie!

nach oben