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Syrien: Kindheit in der Warteschleife

Ibrahim verlor seinen Vater und sein Zuhause, jetzt kann der Achtjährige nicht mehr sprechen. CARE unterstützt Ibrahims und andere binnenvertriebene Familien in Syrien.

Nie hätte Ibrahim gedacht, dass es ihm so leicht die Sprache verschlagen könnte. Doch nach einem schweren Bombenangriff auf sein Stadtviertel, verlor der Achtjährige die Fähigkeit zu sprechen. Die Angst hat ihm die Sprache verschlagen, sagt seine Mutter. Er verließ die Schule und verlor den Kontakt zu seinen Freunden.

„Wenn meine Stimme wieder so wird wie sie einmal war, kann ich wieder zu Schule gehen“, sagt Ibrahim mit kaum hörbarer Stimme, die einem Kleinkind gleicht. Eingeschüchtert von Fremden, versteckt er sich hinter seiner Mutter. Sie erklärt:

„Unsere Straße wurde bombardiert, mehr als 60 Menschen wurden getötet. Für Erwachsene war die Szenerie schrecklich, von Kindern gar nicht erst zu sprechen. Ibrahim redet nur selten und ist zu verängstigt, um zur Schule zu gehen.“ Er unterbricht sie mit schwacher Stimme: „Ich mag die Schule sehr. Mama bringt mir Buchstaben bei. Wenn es mir wieder besser geht, werde ich wieder zu Schule gehen. Meine Freunde wissen viel mehr als ich, ich weiß gar nichts.“

Verwaist und entwurzelt

„Ibrahims Vater ist vor mehr als einem Jahr im Kampf gefallen“, erklärt Ibrahims Mutter. „Der Tod seines Vaters hat Ibrahim noch mehr zugesetzt. Seine Stimme verschwand immer häufiger, er verlor seinen Appetit und isst heute immer noch sehr unregelmäßig.“

Krieg, Bombenangriffe, die Zerstörung der Häuser und der Tod des Vaters zwangen Ibrahims Familie ihr Zuhause zu verlassen und in einem Flüchtlingscamp für Binnenvertriebene in Syrien Zuflucht zu suchen. „Ich mag das Camp nicht. Wir haben ein Haus, unser Haus ist toll. Der Winter hier ist nicht schön und mir ist kalt“, berichtet Ibrahim über das Camp, bevor ihn seine Stimme wieder verlässt.

Bleibende Ängste und der Traum der Heimkehr

Für einen Moment gewinnt Ibrahim die Kontrolle über seine Stimme wieder, doch nur kurz. Es ist nicht die Stimme eines Kindes, sondern eines Mannes, der vor seiner Zeit gealtert ist. „Da sind Flugzeuge im Himmel. Ich habe Angst vor den Bomben. Ich will nicht im Camp bleiben.“

Ibrahim, wie viele andere syrische Kinder, die aus ihren Häusern fliehen mussten, träumt von der Rückkehr. Einer Rückkehr nach Hause, zu seinen Spielsachen, zu seinem Leben wie es war, bevor der syrische Himmel von Bomben und das Land vom Krieg erschüttert wurde. Er träumt von einer Rückkehr, zu einer Kindheit, die ihm genommen wurde, bevor er sie wirklich kennengelernt hat.

Gemeinsam mit Partner arbeitet CARE für Ibrahims und hunderte weitere Familien, die ihre Häuser verloren haben und unter den gleichen Bedingungen leben. Durch die Unterstützung wagen sie wieder mehr Hoffnung und blicken dem Tag entgegen, an dem sie sicher nach Hause zurückgehen können.

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