Grussworte zum 70. Jubiläum von CARE


Grußwort des Bundespräsidenten zum 70. Jubiläum von CARE

Portraitfoto von Dr. Joachim Gauck


Kaum ein Deutscher weiß, was die Abkürzung CARE bedeutet. Aber jeder Deutsche weiß, was ein CARE-Paket ist. Ein CARE-Paket: Das ist tief im gemeinsamen Gedächtnis aller Deutschen verankert. Es gehört sogar zum Erinnerungs- und Wortschatz derjenigen, die gar nicht dabei waren, als die CARE-Pakete die schlimmste Not der Nachkriegszeit in Deutschland und anderen Ländern Europas linderten.

CARE heißt für uns Deutsche ganz einfach übersetzt: Amerika hilft. Amerika lässt uns nicht im Stich. Amerika gibt von seinem Reichtum etwas ab, von dem hungrige und notleidende Menschen kaum zu träumen wagen. Schon mit den ersten Schiffsladungen, die über Bremerhaven kamen und dann erst recht, als in den heroischen Zeiten der Luftbrücke eine ganze Stadt, West-Berlin, versorgt werden musste. Mit CARE kamen dabei nicht nur Lebensmittel und lang entbehrte Köstlichkeiten: Mit der Hilfe von CARE bekamen die Deutschen auch das Gefühl, sie seien nicht Ausgestoßene aus der Weltgemeinschaft. Es wuchs die Hoffnung, wieder zur Gemeinschaft der zivilisierten Staaten dazu gehören zu können. Die elementare Hilfe wurde so auch zu einem Vorboten der demokratischen Ordnung in unserem Land und hat uns seither selbst zur humanitären Hilfe verpflichtet.

Ein CARE-Paket ist in der deutschen Sprache geradezu sprichwörtlich geworden. Wenn jemand einem anderen etwas Nützliches oder Nahrhaftes schickt oder mitbringt, sagt man noch heute: Ich habe Dir ein CARE-Paket gepackt… Was kann einem Hilfsprojekt Schöneres widerfahren?

Heute leistet CARE International Hilfe zur Selbsthilfe in vielen Krisengebieten unseres Planeten. Für die vielen Millionen CARE-Pakete und Ihren unermüdlichen Einsatz für notleidende Menschen gebührt Ihnen daher großer Dank. Leider wird Ihre Arbeit auch in Zukunft bitter notwendig sein. Umso mehr werden Sie gerade aus Deutschland die besten Wünsche für die Zukunft begleiten. Mögen Sie, auch aus unserem Land, jede Hilfe bekommen, die Sie für Ihren wertvollen Dienst an der Menschheit brauchen!

Dr. Joachim Gauck

Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland


Grußwort der Bundeskanzlerin zum 70. Jubiläum von CARE

Portraitfoto Bundeskanzlerin Angela Merkel

70 Jahre CARE – das sind 70 Jahre gelebte Humanität. Zu einem solchen Jubiläum gratuliere ich besonders gerne.

Wer kennt  nicht den Begriff „CARE-Paket“? Er ist längst auch zu einem geflügelten Wort für allgemeine Nothilfe geworden. Zuallererst aber denken wir Deutschen an die großzügige Unterstützung aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die der notleidenden Bevölkerung im Nachkriegseuropa zugutekam. Unvergessen bleibt nicht zuletzt die Berliner Luftbrücke. Fast ein Jahr lang versorgten die berühmten „Rosinenbomber“ die weitgehend isolierte Stadt mit dem Notwendigsten – darunter mit über 200.000 CARE-Paketen.

Heute ist CARE weltweit mit helfender Hand zur Stelle, wenn Menschen unter Armut, Krieg und Katastrophen leiden. Die Unterstützung syrischer Flüchtlinge ist nur eines von vielen aktuellen Beispielen. Selbst wenn Krisen und Konflikte nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen – CARE bietet Hilfe, wo sie gebraucht wird.

Daher danke ich allen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern von CARE für ihr großartiges humanitäres Engagement von Herzen.

Dr. Angela Merkel

Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland


Grußwort des Bundespräsidenten a.D. zum 70. Jubiläum von CARE

Portraitfoto von Prof. Dr. Horst Köhler

Die Welt steht vor einer gigantischen Aufgabe. Die globale Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander. Rund eine Milliarde Menschen leben noch immer in absoluter Armut, die meisten von ihnen auf dem afrikanischen Kontinent. 60 Millionen Menschen befinden sich aktuell auf der Flucht. Jeder achte Mensch geht abends hungrig zu Bett, noch immer ist fast jedes sechste Kind unterernährt. Gleichzeitig wird das ökologische, technologische und soziale Netz der Welt immer enger. „Business as usual“ kann keine Antwort mehr darauf sein. Es ist höchste Zeit für uns alle, zu handeln.

CARE, seit nun 70 Jahren für Menschen in größter Not und Armut weltweit aktiv,  setzt sich ein für eine lebenswerte und zukunftsfähige Welt für alle. Da ist gegenseitiger Respekt zwischen den Kulturen, da ist ein intensives Zu- und Hinhören als Voraussetzung für das gemeinsame und erfolgreiche Entwickeln von Projekten, da ist ein stetes voneinander Lernen. Da sind gute Ideen, die Hilfe zur Selbsthilfe Realität werden lassen. Zum Beispiel indem CARE hilft, in abgelegenen Weltregionen dörfliche Kleinspargruppen zu gründen. 7,5 Millionen Menschen – meist Frauen – hat CARE bis heute darin unterrichtet, gemeinsam Geld zu sparen, sich gegenseitig kleine Darlehen zu geben und damit Geschäftsideen zu verwirklichen, die ihre Armut vermindern. Da sind innovative Ansätze für eine nachhaltigere Landwirtschaft, die Kleinbauern und ihre Lebengrundlage vor den Folgen des Klimawandels schützen, zum Beispiel im Niger oder in den Anden von Peru. Und da sind Maßnahmen, die Zivilgesellschaften von Afghanistan bis Uganda dazu ermutigen, von ihren Behörden und Regierungen Transparenz und Rechenschaft einzufordern. 

Wenn wir also die Arbeit von CARE in heute 90 Ländern und ihre Erfolge genau prüfen, begreifen wir, dass humanitäres Engagement, unterstützt durch viele Spender und öffentliche Geber, kein Fass ohne Boden ist, sondern Tag für Tag die Welt ein Stück gerechter macht. Dieses Engagement verdient unsere volle Unterstützung. Wir alle können dazu beitragen.

Prof. Dr. Horst Köhler

Bundespräsident a.D. und Mitglied des UN-High Level Panel on the Post-2015 Development Agenda


Grußwort des Europäischen Kommissars zum 70. Jubiläum von CARE

Portraitfoto von Christos Stylianides

In the months and years immediately after the end of World War II in 1945, the fight for survival of the European population continued. Europeans had to cope with displacement, starvation and the destruction of their homes while they slowly began to rebuild their lives. 

The international support and solidarity they received in the process was unprecedented. Following the creation of CARE in the USA in 1945, over 100 million CARE-packages reached countries all over Europe in the years that followed. Those sending the CARE-packages showed compassion and support without reservation or consideration of nationality or religion. They helped families in need not only materially but also morally. 

Today, compassion, solidarity and aid are required more than ever. Global challenges are increasing. We are facing ever greater humanitarian needs around the world with conflicts driving people from their homes, the impact of climate change and population growth and widespread social and economic inequality affecting millions worldwide. NGOs such as CARE have a key role to play in supporting the most vulnerable people and strengthening their resilience. 

Delivering humanitarian aid over the past 70 years, CARE International, with its six national associations in the EU and presence in 90 countries globally, has been making an important contribution to saving lives and upholding human dignity. CARE is a significant and highly valued partner of the European Union and we look forward to continuing our collaboration and partnership.

Christos Stylianides

Europäischer Kommissar für Humanitäre Hilfe und Krisenschutz


Grußwort des Außenministers zum 70. Jubiläum von CARE

Portraitfoto von Frank-Walter Steinmeier

Zum 70. Jubiläum wünsche ich CARE von Herzen alles Gute! Die Geschichte von CARE ist eng mit der deutschen Geschichte verbunden. Die CARE-Pakete, die unsere Familien nach dem Zweiten Weltkrieg millionenfach erreichten, sind uns immer noch in guter Erinnerung. Was mit der Hilfe für das vom Krieg gezeichnete Europa begann, entwickelte sich rasch zu einem globalen Netzwerk von CARE-Organisationen, die heute in mehr als 80 Ländern der Erde Leben retten und die Würde der Menschen in Krisensituationen zu bewahren suchen.

In einer Zeit, in der Konflikte und Naturkatastrophen Menschen in bisher nie dagewesenem Ausmaß in Flucht und Verelendung zwingen, ist eine enge Partnerschaft von Politik und einer engagierten Zivilgesellschaft unerlässlich. Gemeinsam mit CARE können wir sicherstellen, dass diejenigen, die unsere Hilfe dringend benötigen, sie auch erhalten.

Überleben zu sichern, Leid zu mindern und dabei neutral, unabhängig, menschlich und unparteiisch zu handeln, ist der Anspruch, der die moderne humanitäre Hilfe ausmacht und dem CARE sich mit Leidenschaft verschrieben hat. Für dieses Engagement danke ich CARE und allen Helferinnen und Helfern, die oft unter schwierigsten Bedingungen Menschen in Krisengebieten zur Seite stehen und diesen eine neue Lebensperspektive geben.

Dr. Frank-Walter Steinmeier

Bundesminister des Auswärtigen


Grusswort der Schirmherrin von CARE zum 70. Jubiläum von CARE

Schirmherrin Prof. Dr. Rita Süssmuth hält eine Rede

Im Angesicht der herrschenden globalen Verhältnisse ist es an der Zeit, dass wir uns unangenehme Fragen stellen. Fragen, die wir gerne verdrängen. Denn inzwischen können wir nicht mehr wegsehen, können die Existenz bedrängter Regionen in der Welt, die Existenz größter Gewalt, Armut und Krankheit nicht mehr aus unserem Alltag verbannen. Menschen aus diesen bedrängten Weltregionen kommen zu uns. Und wir müssen uns fragen, welchen Anteil wir hier in Europa an dem Leid in ihrer Heimat haben. 

Wir alle sind gefragt zu handeln, politisch und individuell, um diese eine Welt gerechter zu gestalten. Dabei ist es hilfreich, bei uns selbst anzufangen und genau hinzusehen, was wir hier ändern können, um die Lage woanders zu verbessern. Fairer Konsum, faire Handelsbeziehungen, Integration und Chancengleichheit sind hier wichtige Ziele und Aufgaben. Schauen wir dann in die Welt, müssen wir uns fragen, was wir vor Ort verändern können, damit Menschen erst gar nicht fliehen müssen. Und wer kann uns hier helfen? 

Eine erfahrene Nichtregierungsorganisation wie CARE, die lokal verankert ist und die Probleme, die Kultur, die Sprachen und die Situation in den ärmsten Ländern seit vielen Jahrzehnten von innen heraus kennt, ist hier ein guter und kompetenter Partner. CARE gibt Hilfe zur Selbsthilfe, gibt Menschen in ihrer Heimat Perspektiven und macht die von Not und Armut Betroffenen zu aktiven Mitgestaltern von Entwicklung. Chancengleichheit ist auch hier der Schlüssel. Deshalb fördert CARE besonders benachteiligte Mädchen, Frauen und Minderheiten wirtschaftlich und sozial. Mit Bildung, qualifizierter Ausbildung und Teilhabe setzt CARE ihre Potenziale frei, Entwicklung aktiv mitzugestalten. Denn die Probleme, die bei uns und weltweit anstehen, können nur beide Geschlechter und alle Nationen gemeinsam lösen. Kein Potenzial, keine Hand darf uns hierbei verloren gehen. Jeder, jede von uns ist jetzt gefragt.

Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. und Schirmherrin von CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

Prof. Dr. Süssmuth ist seit 2004 Schirmherrin von CARE in Deutschland. Als Vorsitzende des Kuratoriums unterstützt die ehemalige Bundestagspräsidentin die humanitäre Arbeit von CARE bereits seit 1996. Ihr besonderes Engagement gilt Projekten, die die Gleichberechtigung und Förderungen von Frauen und Mädchen voran bringen.


Grusswort des Bundesministers a.D. zum 70. Jubiläum von CARE

Norbert Blüm mit einem nepalesischen Jungen

Dr. Norbert Blüm, Bundesminister a.D., engagiert sich seit der Gründung 1980 für CARE Deutschland-Luxemburg. Viele Jahre hatte Dr. Blüm den stellvertretenden Kuratoriumsvorsitz der Organisation inne. Inzwischen ist er Ehrenmitglied und unterstützt CARE immer wieder als prominenter Zeitzeuge. Denn als Kind erhielt Dr. Norbert Blüm in Zeiten größter Not selbst ein CARE-Paket:

„Was hatten wir gehungert! Wenn ich jetzt daran denke, spüre ich sofort wieder das nagende Gefühl, den dumpfen Schmerz, und die Erinnerungen an die Fantasien von Truthähnen und dampfenden Kartoffeln überwältigen mich. 

Stattdessen kochte meine Mutter aus Eichelmehl und Kleie eine kaum genießbare Suppe. Früh um fünf schickte sie mich zum Bäcker, um für einen Laib Brot Schlange zu stehen. Doch die Zuteilungen der Lebensmittelkarten reichten vorn und hinten nicht. 

Mein Patenonkel Wastl half mir, einen kleinen Gemüsegarten anzulegen – auf den Trümmern eines gesprengten Luftschutzbunkers. Der Garten brachte ein paar Zwiebeln und etwas Kohl hervor.

Und dann – mitten im Hungerwinter – war da plötzlich dieses CARE-Paket. Den Inhalt sehe und schmecke ich noch heute: Erdnussbutter. Milchpulver. Kakao – ein Getränk, das ich bis dahin überhaupt nicht kannte. Eipulver, aus dem meine Mutter Omeletts briet. Und das Beste von allem: eine Tafel Schokolade. Sie wurde planvoll bewirtschaftet, und nur in festlichen Stunden gab es für jeden ein kleines Stück.

Das CARE-Paket hatte uns ein entfernter Verwandter meiner Mutter geschickt. In den 30er Jahren war er nach New York ausgewandert. Nie hatte er einen von uns persönlich kennengelernt. Doch in der Stunde der Not war er da. Bald kamen regelmäßig CARE-Pakete.

Der Name CARE verbindet sich darum in meiner Erinnerung für immer mit einem Gefühl, das man sonst nur an Weihnachten hat. Ohne viele Worte lehrte mich diese Erfahrung, dass es anderswo gute Menschen gibt, die sich ohne Vorbehalte um ihnen völlig unbekannte Menschen kümmern.

CARE war für mich nicht nur ein „Überlebensmittel“ , sondern eine Botschaft von einer freundlicheren Welt. Und ist es bis heute. Niemand kann bestreiten, dass die Hilfe von CARE heute nötiger ist denn je: 60 Millionen Menschen sind erneut auf der Flucht vor Krieg und Gewalt. CARE hilft. Dass diese Hilfe ankommt und wirkt, davon konnte ich mir bei meinen Reisen mit CARE ein Bild machen. 

Ich unterstütze CARE, weil ich etwas von der Hilfe, die ich als Kind und Empfänger eines CARE-Paketes erleben durfte, weitergeben möchte. Schnüren auch Sie ein CARE-Paket der Hoffnung für Menschen in Not.“


Grußwort des UN-Sonderberichterstatters zum 70. Jubiläum von CARE

Portraitfoto von Prof. Dr. Jean Ziegler

CARE wurde vor 70 Jahren gegründet, um Not und Hunger im Nachkriegseuropa zu lindern. 100 Millionen CARE-Pakete halfen in den Folgejahren und boten eine wichtige Basis für den Wiederaufbau. Heute ist CARE eine internationale Organisation und wird als unabhängiger, neutraler Hilfsakteur mehr gebraucht denn je: Mehr als 800 Millionen Menschen in der Welt leiden Hunger. Die meisten von ihnen sind Kleinbauern. Ihre Not ist nicht selbstverschuldet, ist kein Schicksal. Sie basiert auf einer strukturellen Ungerechtigkeit, die wir mitverursacht haben und die wir ändern können. Was bisher dazu gefehlt hat, ist der politische Wille. 

Meine Hoffnung ist die Zivilgesellschaft, sind Organisationen wie CARE. CARE unterstützt Kleinbauern dabei, ihre landwirtschaftliche Produktivität zu verbessern. Die meisten der Kleinbauern sind Frauen. Oft haben sie kein Recht, Land zu besitzen oder zu investieren. CARE stärkt sie sozial und ökonomisch durch Wissen, durch Zugang zu Finanzdienstleistungen und neuen Märkten und gibt ihrer Stimme politisch ein Gewicht. 

Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind unter 10 Jahren. Das tägliche Massaker des Hungers ist der absolute Skandal unserer Zeit. 

Viel hat CARE in den letzten Jahrzehnten erreicht. Viel mehr bleibt zu tun. Wir alle können handeln. CARE verdient unsere Bewunderung und unsere aktive, totale Solidarität.

Prof. Dr. Jean Ziegler

Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung und Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrechtsrates

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