6. Februar: Tag gegen weibliche Genitalbeschneidung

Fardosa Muse, Gender-Beauftragte von CARE in Kenia, über eine grausame Tradition

Die somalische Gemeinde ist eine der Gruppen in Kenia, die im großen Rahmen FGM praktiziert. Bei dieser Praktik werden die äußeren Geschlechtsorgane ganz oder teilweise entfernt. Um auf die schwer wiegenden Folgen aufmerksam zu machen, werden deshalb auch die Begriffe "weibliche Genitalverstümmelung" oder der entsprechende englische Begriff "Female Genital Mutilation" (FGM) verwendet.

Die Befürworter von FGM sagen, dass es aus religiösen Gründen praktiziert werden muss. Die Mädchen werden selten nach ihrer Einwilligung gefragt. Ihre sexuelle Lust soll gehemmt und ihre Unschuld bis zur Heirat bewahrt werden. FGM richtet irreversible Schäden an und die Mädchen leiden häufig ihr Leben lang an schrecklichen Schmerzen. FGM ist tief verwurzelt in sozialen, kulturellen und traditionellen Vorstellungen und Praktiken, weshalb es so schwer ist, dagegen anzugehen.

Sicher, internationale und lokale Gruppen haben immer wieder versucht, dieser Praxis ein Ende zu setzen, aber gegen Bräuche und Traditionen kommt man kaum an.
Mein Wunsch, mehr über diese tief verwurzelten Praktiken zu lernen, führte mich in die Flüchtlingscamps von Dadaab.

Ein alter Brauch – oft mit tödlichen Folgen

Während ich mit einem ehemaligen Beschneider sprach, brachte eine Familie ein junges Mädchen herein. Ich versuchte, das Mädchen zu befragen, ob sie wüsste, was mit ihr passiert. Aber ihre Verwandten griffen sofort ein als sie begriffen, dass ich Gender-Beauftragte für CARE International in Kenia bin. Die Mutter des Mädchens bat mich, zu gehen. Sie hatte Angst davor, dass ich sie melden könnte. Denn auch in Kenia ist FGM gesetzlich verboten.

Ich fragte die Mutter, ob ihre Tochter denn sicher vor Infektionen und anderen Komplikationen sei, die durch FGM entstehen können. Sie antwortete mir nur, dass es ein sehr alter Brauch sei, und dass es damit noch nie Probleme gegeben hätte. Ich erklärte ihr, dass viele Frauen und Mädchen an den Komplikationen sogar sterben. Die Trauer und das Leid der Angehörigen sind dann unermesslich.

Als ich mich ein bisschen später auf den Weg in mein Büro machte, traf ich im benachbarten Viertel auf eine Gruppe Frauen und Mädchen, die Körbe webten. Ich fragte, ob ich mit ihnen sprechen könnte und erzählte ihnen meine ganz persönliche Geschichte als Opfer von FGM. Während wir sprachen, kam Halima vorbei, eine 24-jährige Mutter von zwei Kindern.

Auch sie wurde beschnitten und erzählte uns ihre Geschichte: „Ich habe seitdem immer Schmerzen und muss ständig ins Krankenhaus, weil ich Rückenschmerzen und Probleme mit meiner Niere habe. Es vergeht keine einzige Nacht, in der ich ruhig ins Bett gehen kann. Ich kann wegen Fisteln, die nach Entzündungen meines Körpers entstanden sind, noch nicht einmal meine Füße vom Bett auf den Boden strecken. Meine Großmutter war damals überzeugt, dass ich unbedingt beschnitten werden müsste. Sie glaubt, dass dieser Brauch eine bedeutende Tradition ist.“

Der Vater war dagegen, aber die Großmutter überstimmte ihn

Ich war den Tränen nahe, als Halima ihre Geschichte erzählte. Ich konnte sie nur anflehen, diese grauenhafte Praktik nicht ihren eigenen Kindern anzutun. Ich war überrascht, als Halima erzählte, dass selbst ihr Vater gegen FGM war und es als völlig untragbar ansah.

Aber er wurde überstimmt von seiner Schwiegermutter, die ihn als respektlos beschimpfte. „An diesem Streit ist unsere Familie fast zerbrochen. Die Ältesten im Dorf drängten meinen Vater, sich bei meiner Großmutter zu entschuldigen. Sie warnten ihn, sich nie wieder in ‚Frauen-Angelegenheiten’ einzumischen.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich solche Schmerzen haben würde. Es war einfach nur schrecklich. Ich bin heute noch traumatisiert, es geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich könnte weinen, wenn ich daran denke, wie ich die Schule verlassen musste, weil ich inkontinent wurde, große Schmerzen und kein Selbstbewusstsein mehr hatte.“

Sehen Sie auch:

Fotogalerie: Gegen Frauenbeschneidung

Video über die mutige Abay aus Äthiopien