Äthiopien: Alles was jetzt zählt, ist Menschenleben zu retten

In Borena, im Süden Äthiopiens, hat es seit Monaten nicht mehr geregnet. Der Tod ganzer Viehherden bedeutet für viele Familien den Verlust ihrer Existenzgrundlage

Ein deutliches Zeichen für eine Krise
Der kleine Salad schläft tief und fest. Seine Mutter Gamu Kamad ist erleichtert. Vor ein paar Tagen musste sich der elf Monate alte Junge noch ständig übergeben. Er konnte nicht krabbeln und spielte nicht. Er war einfach zu schwach. Die letzten Wochen gab Gamud ihm nur Wasser zu trinken. Sie konnte sich keine Milch leisten, weil fast alle ihre Rinder verendet sind.

In der Region Borena, im Süden Äthiopiens, machten die letzten beiden Regenzeiten ihrem Namen keine Ehre: Es regnete überhaupt nicht.
Um eine Lebensmittelausgabe in Borena drängen sich viele Menschen. In der Kultur der Menschen, die hier leben, essen die Kinder zuerst, dann erst die Väter und am Schluss die Mutter. Es gibt also kein deutlicheres Zeichen für eine Krise, als wenn die Kinder hier unterernährt sind.


„Er wird von Tag zu Tag stärker“
Gamud und Salad haben Hilfe in einem Gesundheitszentrum in der Stadt Moyale gefunden, das von den lokalen Behörden verwaltet wird. Salad wurde gewogen und untersucht. Seine Diagnose: Ernste, akute Unterernährung. Er wurde deswegen in eine spezielle Station gebracht, wo er mit Nahrung versorgt wird, die CARE bereitstellt. Bis er sich wieder erholt und ein normales Körpergewicht für einen Jungen seines Alters erreicht, bleibt er dort. Seine Mutter bleibt bei ihm und bekommt auch etwas zu essen.

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„Ich habe mir große Sorgen um Salad gemacht“, erzählt sie. „Wir kamen vor vier Tagen hierher und jetzt geht es ihm schon viel besser.“ Sie blickt auf das kleine Bündel Leben, das neben ihr liegt und immer noch ruhig schläft. „Bevor ich ihn hierher brachte, konnte er nicht einmal mehr seine Augen öffnen. Er spuckte auch das Wasser wieder aus, das ich ihm gab. Aber jetzt wird er von Tag zu Tag stärker.“  
Im Gesundheitszentrum im Moyale Distrikt treffen immer mehr unterernährte Kinder ein, die jünger als fünf Jahre sind. Fast 500 schwer unterernährte Kinder wurden zwischen Januar und Juni behandelt. 2010 gab es im ganzen Jahr so viele Fälle.

 

Mit den Rindern stirbt die Lebensgrundlage
In Moyale sind die Preise für Rinder auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Gleichzeitig stiegen die Preise für Lebensmittel enorm an. In einer Hirtengesellschaft wie in Borena sind die Menschen von ihrem Vieh abhängig. Die Tiere sind ihr Einkommen und ihre Nahrungsquelle – sie sind ihr Leben. Wenn das Vieh stirbt, stirbt auch ihre Lebensgrundlage. Bisher ist schon ein Drittel des Viehbestands in der Region verendet.Viele sagen, dass bis zur nächsten Regenzeit im September alle ihre Rinder sterben werden. Viele Ältere glauben, dass der Regen auch im Herbst ausbleiben wird.

Lesen Sie hier mehr zur Lage in Äthiopien in unserem Blog von unserer CARE-Mitarbeiterin Audrée Montpetit.


Kofobicha ist 55 Jahre alt und hat schon viele harte Zeiten erlebt. Aber so schlimm wie jetzt war die Dürre noch nie. „Wir glauben nicht, dass die nächste Regenzeit kommen wird. Und selbst wenn: bis dahin wird kein Vieh mehr übrig sein“, sagt er. „Aber unser Vieh ist uns nicht mehr so wichtig. Alles was jetzt zählt, ist Menschenleben zu retten. Wir haben uns damit abgefunden, dass wir nicht viel essen können, aber wer rettet unsere Kinder?“


Salad aus Moyale hatte Glück. Er wurde gerettet. Das Leben kam wieder zu ihm zurück, dank des Einsatzes von CARE und den lokalen Behörden. Aber viele Eltern und vor allem ihre Kinder werden in den kommenden Monaten Hilfe brauchen. Sie brauchen dringend humanitäre Unterstützung, aber auch eine langfristige Strategie, in Zukunft den Folgen der Dürre begegnen zu können. Mit so einer Strategie könnte Salads Mutter Lebensmittel kaufen, wenn die nächste Dürre kommt.