Äthiopien: Das Schweigen der „Singenden Brunnen“

„Noch nie waren die Brunnen vollkommen ausgetrocknet”

Für die meisten Menschen, die in der Region Borana in Äthiopien leben, sind traditionelle, tiefe Brunnen die Hauptquelle für Wasser. Selbst in Zeiten der Dürre versorgen sie diese mit Wasser für ihr Vieh und den Haushalt. Diese Quellen tragen den Spitznamen „Singende Brunnen“, denn die Menschen singen, während sie eine Kette die Treppe hinunter zum Brunnen bilden, um so die gefüllten Wasserbehälter nach oben zu reichen.

Über Generationen sicherten die Brunnen den Menschen und dem Vieh in der Region das Überleben – bis zur Dürre, die das Wasser in den Brunnen versiegen ließ. Und dass, obwohl der Andrang auf die Brunnen bereits abnahm, da schon viele der Tiere verendeten. „Noch nie hat eine Dürre die „Singenden Brunnen“ von Borana ausgetrocknet. Noch nie in unserer ganzen Geschichte“, sagt ein Ältester aus der Gemeinde, mit einem ungläubigen Ausdruck in seinem Gesicht.

Jetzt geht es um das Überleben der Menschen in Borana

Früher tranken Tiere aus der gleichen Quelle, aus der die Menschen ihr Wasser holten. Um die hygienischen Bedingungen und auch die Wasserqualität zu verbessern, hat CARE diese 12 bis 15 Meter tiefen Brunnen saniert. Aber auch diese Verbesserungen füllen die Brunnen nicht mit Wasser, wenn die Natur nicht mitmacht.
Verschiedene Hilfsorganisationen verteilen jetzt Wasser an die Menschen. CARE saniert weiterhin Wasserstellen und hilft bei der Reinigung von Wasser.

Ihr Vieh bedeutete den Hirten in Borana alles: Sie waren ihre Lebens- und Existenzgrundlage. Aber nach dem immer mehr Tiere verendet sind und die Dürre sich immer weiter verschlimmert, hört  man Menschen sagen: „Wir haben aufgehört, über unsere Tiere nachzudenken. Wir haben jetzt nur noch Angst um unser eigenes Leben.“ Getreide gibt es kaum mehr in den Läden zu kaufen und die Preise sind für viele Menschen zu hoch. Vor allem die Gesundheit von unterernährten, stillenden Müttern und Kindern unter fünf Jahren ist gefährdet.

Um zu überleben verkaufen sie ihre ausgemergelten Tiere, ihre ehemalige Lebensgrundlage

Immer mehr Rinder werden auf den Märkten verkauft – aber die Besitzer kriegen kaum noch Geld für sie, wenn sie überhaupt jemand kauft. Da der Regen weiterhin ausbleibt nimmt das Sterben der Tiere kein Ende. CARE stellt daher  Futter bereit und hilft beim Herdenmanagement. 

Außerdem können Viehbesitzer, deren Tiere ohnehin bald sterben werden, diese notschlachten lassen. Ihr restliches Fleisch wird an bedürftige Familien verteilt und die Besitzer erhalten etwas Geld. CARE unterstützt außerdem unterernährte Kinder in drei Gegenden mit zusätzlichen Nahrungsmitteln.

So schnell werden die Brunnen in Borana nicht wieder singen. Aber CARE ist entschlossen, die Hirten in Borana nicht alleine zu lassen.

Helfen Sie CARE, die Menschen in Ostafrika zu unterstützen und spenden Sie hier!