Äthiopien: Dürre kommt in verschiedenen Gestalten

Ost-Haraghe ist Schauplatz einer schlimmen Dürre – auch, wenn es nicht so aussieht.

rüne Flecken bedecken die Berghänge in Ost-Haraghe in Äthiopien. Kleine braune Hütten tüpfeln die Gegend und ihre Bewohner arbeiten emsig auf dem Feld. Dicke graue Wolken hängen über den 3.000 Meter hohen Gipfeln. Es sieht so aus, als ob es jeden Moment zu regnen anfängt. Auf den ersten Blick sieht Ost-Haraghe wie eine Postkartenidylle aus: Eine perfekte Lage für Landwirtschaft, die genug abwirft, um die Bauern und ihre Familien zu ernähren. Auf den zweiten Blick ist das Gebiet Schauplatz einer schlimmen Dürre. Fälle von Unterernährung in West- und Ost-Haraghe nehmen Monat für Monat zu. Die Gründe: Nicht genug Regen, hohe Lebensmittelpreise, chronische Armut und ein Wetterphänomen, das La Nina heißt.  


Maisbrei, zweimal am Tag

Kado Kaso kam mit ihrem Sohn Sabona zu einem staatlichen Gesundheitszentrum im Kurf Chele Distrikt. „Mein Sohn muss sich ständig übergeben, er hat Durchfall und kann das Essen, das ich ihm gebe, nicht bei sich behalten“, sagt sie. Sabona war stark unterernährt. Der Dreijährige hat seinen Appetit verloren. Seine Füße, seine Beine und seine Augenlider waren geschwollen. Er starrt in den Raum. In dem kleinen Körper ist keine Energie mehr, um zu spielen oder sich auch nur zu bewegen. Sabona kam vor einem Tag hier an und die therapeutische Nahrung, die CARE bereitstellt, hat ihn noch nicht wieder aufgepäppelt.


Als die Regenzeit im Frühling begann, hat Kado angefangen, Hirse und Bohnen auf ihrem kleinen Land anzubauen. Aber der Regen hörte zu früh auf und ihre Ernte vertrocknete. „Wir haben kaum etwas zu essen. In normalen Jahren essen wir dreimal am Tag. Jetzt aber essen wir zweimal, wenn wir Glück haben“, sagt die 30 jährige Mutter. Sie nimmt Sabona in die Arme. „Wir essen nur Maisbrei. Wir können uns nichts anderes leisten.”

"Alles was zählt, ist das Leben meiner Tochter zu retten"

Auf dem Bett neben Kado sitzt Abdi Mahommed mit seiner fünf Jahre alten Tochter Milkya. Sie ist seit einer Woche hier und hat ihre Kraft und ihren Appetit wieder. Beide, Vater und Tochter, verlassen das Zentrum am nächsten Tag. Sie werden weiterhin jede Woche therapeutische Nahrung erhalten, damit Milkyas Zustand stabil bleibt. Aber Abdi hat seinen Ochsen verkauft, um Essen für seine achtköpfige Familie zu kaufen. „Ich weiß nicht, was ich im nächsten Jahr anbauen soll. Ich habe keinen Ochsen und kein Saatgut mehr“, sagt der Familienvater. Es ist froh, dass seine Tochter wieder Appetit hat und wieder zu spielen beginnt. „Alles was zählt, ist, das Leben meiner Tochter zu retten.“

Auf der Suche nach Arbeit

Kados Ehemann ist in die nächste Stadt gezogen, um Arbeit zu finden. Aber er ist nicht allein. Von überall strömen Väter in die Städte, um ihre Arbeit anzubieten. Die Löhne sind schon um 50 Prozent gefallen. „Mein Mann verdient jetzt zehn Birr am Tag, in normalen Jahren kann er 20 Birr verdienen“, sagt Kado. Zehn Birr sind ungefähr 40 Cent; So viel kostet auch ein Kilo Mais. Ein Preis, der in den letzten Monaten kontinuierlich gestiegen ist. „Mein Mann kommt alle vier Tage zurück und gibt mir Geld, um Essen zu kaufen. Meine vier Kinder und ich sind von ihm und seiner Arbeit abhängig. Wir haben kein anderes Einkommen.“ Sie bleibt jetzt bei Sabona im Gesundheitszentrum, bis der kleine Junge wieder essen kann und es ihm besser geht.  

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Die anderen Kinder sind zu Hause, allein. Die Nachbarn sehen nach ihnen, aber sie haben auch nichts zu essen, das sie mit ihnen teilen könnten. Das Gesundheitszentrum hat auch keine Vorräte mehr und kann an Mütter wie Kado, die bei ihren Kindern bleiben, nichts mehr verteilen. „CARE stellt jetzt Essen für die Mütter in den Gesundheitszentren bereit. Wenn sie nämlich nichts zu essen bekommen, sind sie vielleicht gezwungen, zu gehen oder kommen erst gar nicht mit ihrem unterernährten Kind hierher“, sagt Jundi Ahmed, Mitarbeiter von CARE Äthiopien.

Die Dürre hat in Äthiopien verschiedene Gestalten. Aber sei es in den trockenen Gegenden von Borena oder in Südäthiopien in Ost-Haraghe – der Schmerz und die Konsequenzen, die die Dürre und der Hunger mit sich bringen, sind immer die gleichen.