Äthiopien: Keim der Hoffnung

Innovative Anbaumethoden und Aussicht auf Regen versprechen ein Ende der Abhängigkeit von Nahrungsmittelhilfe

Nure Seido ist zu stolz, um Almosen anzunehmen. Er ist überzeugt davon, dass er die Dürre überstehen wird, die seine kleine Farm im Osten Äthiopiens verwüstet hat. Seine Familie ist momentan auf die Nahrungsmittelverteilung von CARE angewiesen. Doch Nure Seido will, dass das kein Dauerzustand bleibt. 

An diesem nieselnden Nachmittag leuchtet das saftige Grün um das Dorf Hirena. Doch der Schein trügt. In ganz West-Hararghe gibt es keine reichen Ernten. Im Volksmund nennt man dieses Phänomen „grüne Dürre“. 

Die Menschen hier haben nicht genug Platz, um Regenfeldbau für die eigene Versorgung zu betreiben. Täglich kämpfen sie darum, ihren Kindern wenigstens eine Mahlzeit geben zu können. 

Der Regenfeldbau ist eine Form der Feldwirtschaft, bei der auf künstliche Bewässerung und zusätzliche Düngung verzichtet wird. Damit das funktioniert, muss es aber mehr regnen, als hinterher verdunstet. Die Dürreperioden in Hararghe treten aber mittlerweile in immer kürzeren Abständen auf. Allein in diesem Jahr gab es in einem Großteil West-Hararghes sechs bis acht Monate Trockenzeit. 

“Um die Situation zu erleichtern, teilen die Familien ihre Grundstücke unter ihren Kindern auf“, sagt Mandefro Mekete, Nothilfe-Koordinator bei CARE. „Die Ernte reicht für die stetig wachsende Bevölkerung nicht aus. Man muss unbedingt neue und wirkungsvollere Anbaumethoden einführen.“

Nure Seido zeigt sein bescheidenes Grundstück: gerade mal ein viertel Hektar, das er für 400 Birr (umgerechnet 17 Euro) pro Saison mietet. Die Trockenzeit hat seine letzte Ernte ausgelöscht. Normalerweise hätte er damit seine siebenköpfige Familie ernähren können. 

Die Lösung: verbessertes Saatgut

Mit Hilfe von CARE hat Nure die Dürrezeit überwinden können, indem er Bohnen von höherer Qualität anpflanzte. Im Juli erhielt er die ersten 25 Kilogramm an Saatgut und erwartet davon einen Ertrag von 400 Kilogramm Bohnen – das Doppelte von dem, was die frühere Saat erbrachte. Ein Nachbar schaut Nure aufmerksam zu – das ganze Dorf bewundert seinen Erfolg. 

Er möchte weitere Techniken lernen und neue Sorten aufnehmen, um das Beste aus seinem kleinen Grundstück zu machen. „Ich versuche unabhängig von der Nahrungsmittelverteilung zu werden“, sagt Nure. „Denn ich möchte in der Lage sein, mich und meine Familie selbst zu versorgen. Dafür brauche ich aber technische Unterstützung.“

Vor allem wünscht er sich für seine fünf Kinder ein besseres Leben. „Für Bildung bin ich zu alt, doch ich möchte, dass alle meine Kinder die Schule absolvieren. Eine gute Ausbildung ist ein Garant für eine gute Arbeit, mit der sie ihr Leben verändern können. Und letztlich können sie dadurch auch mich unterstützen.“

CARE hat an über 3.700 Haushalte wie dem von Nure besseres Saatgut wie Bohnen und Kichererbsen verteilt, dazu Werkzeug zum Anbau von Süßkartoffeln. Bei der Wahl der Familien berücksichtigt CARE vor allem frauengeführte Haushalte und marginalisierte Randgruppen. In Nures Gegend von Äthiopien sinkt die Armutsrate zwar, liegt aber immer noch bei 40 Prozent.