Äthiopien: Kein Regen, kein Vieh, keine Lebensgrundlage

In der Borena-Region hat es seit Monaten nicht mehr geregnet. Bald könnten alle Tiere verendet sein.

Die letzten beiden Regenzeiten in Äthiopien haben ihrem Namen keine Ehre gemacht: Es hat überhaupt nicht geregnet, weder letzten Herbst, noch dieses Frühjahr. Das hat es in der Region Borena noch nie gegeben. Futter und Wasser für die Tiere gibt es kaum mehr. Für die Menschen in der Region bedeutet das, dass ihre Lebensgrundlage vollkommen zerstört wird.

Denn die meisten Menschen dort leben mit und von ihrem Vieh. Die Tiere sind die Basis für ihr Einkommen, und die Quelle ihrer Milch und ihres Fleisches. Die Kühe, die noch leben, sind häufig zu ausgemergelt, um noch Milch zu geben. Auch haben sie kaum mehr Fleisch auf ihren Rippen.

Das Vieh, das auf den Märkten von Borena verkauft wird, kostet deswegen so wenig wie schon lange nicht mehr. Auch Abnehmer für noch gesunde und wohlgenährte Tiere sind rar. Das Vieh aus Borena – bekannt für sein gutes Fleisch – war vor allem in Ländern wie Ägypten und im Mittleren Osten beliebt. Seit dem Arabischen Frühling ist der Export jedoch abgerissen.

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Hohe Nahrungsmittelpreise, fehlende Absatzmärkte und kein Regen in Sicht

Gleichzeitig sind die Preise für Nahrungsmittel jedoch enorm angestiegen. Fast doppelt so viel wie vor einem Jahr müssen Menschen heute dafür ausgeben, dass sie etwas zu Essen bekommen – Einkünfte haben sie aber schon lange nicht mehr und damit auch kein Geld für Nahrung.

247.000 Fälle von Unterernährung wurden bereits in Borena verzeichnet. Über 2.400 Kinder unter fünf Jahre sind akut, mehr als 8.720 sind mäßig unterernährt. Auch fast 11.000 schwangere Frauen und Mütter sind betroffen.

Die nächste Regenzeit beginnt im September. Aber viele der Ältesten in der Region vermuten, dass auch diese ausbleiben wird. Selbst wenn es regnet: Bis dahin könnte der gesamte Viehbestand der Menschen schon verendet sein. Bisher sind von insgesamt 750.000 Tieren bereits 220.000 verdurstet oder verhungert. Sogar Tiere wie Ziegen und Kamele, die Dürren normalerweise ganz gut meistern können, sind gestorben – ein klares Zeichen für die Stärke und Heftigkeit der jetzigen Dürre.

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Wasserstellen mit Tierkadavern

Der Mangel an Nahrung schwächt die Menschen und ist ein Herd für Krankheiten wie Masern und Durchfallerkrankungen. Viele Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Aus den Gruben und kleinen Teichen, aus denen sie ihr Wasser holen, trinken häufig auch Tiere. Nicht selten liegen in unmittelbarer Nähe oder sogar in den Wasserstellen auch Tierkadaver.

CARE konzentriert sich in Äthiopien derzeit unter anderem auf die Abwasserentsorgung sowie die Verteilung von Nahrungsmitteln, Wasseraufbereitungstabletten und Hygieneartikeln. Bisher konnte CARE Äthiopien so mehr als 218.000 Menschen unterstützen.