Äthiopien: Über eine mutige und außergewöhnliche Frau in Darara

Kleinspargruppen und einfache landwirtschaftliche Techniken haben das Leben von Dama Godana grundlegend verändert

Dama Godana weiß nur zu gut, wie schwer es ist, die Frau eines Viehbesitzers zu sein. Neben der  täglichen Hausarbeit, muss sie die Kinder betreuen und - wenn es nicht ausreichend regnet - jeden Tag mehrere Kilometer laufen, um Wasser und Futter für die kleinen, schwachen Tiere zu holen.

„Manchmal, wenn wir nicht genügend Nahrung für die Tiere finden, gehen wir in Gebiete, deren Zutritt eigentlich verboten ist. Dabei riskieren wir, von Schlangen gebissen zu werden oder uns zu verletzen und  sind den ganzen Tag der sengenden Hitze ausgesetzt“, erklärt die 40jährige Godana.


Gemeinsam sind wir stark

Godana hörte davon, dass Frauen in anderen Gemeinden, die kein eigenes Vieh besitzen, neue Möglichkeiten gefunden haben, um ihre Lebensgrundlage zu sichern. Das wollte sie auch und besuchte sie. Mit dem, was sie in diesen Gemeinden gelernt hat, gründete sie 2007 eine eigene Kleinspargruppe in ihrem Dorf. „Die meisten Frauen der Viehbesitzer sind von dem abhängig, was ihre Männer ihnen geben. Sie haben keinerlei Entscheidungsgewalt“, sagt Godana und erläutert: „ Ich habe diese Kreditgruppe gegründet, damit wir gemeinsam daran arbeiten können, ein eigenes Einkommen zu erzielen und unsere Lebenssituation zu verbessern.“

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Die Gruppe startete mit 15 Frauen, von denen jede eine Registrierungsgebühr von 60 Birr – das sind etwa ca. 4 Euro – und einen monatlichen Beitrag von 10 Birr einzahlte. „Mit diesem Geld haben wir zwei junge Bullen und spezielles Tierfutter gekauft. Das Futter haben wir dann während der Trockenzeit an die Gemeindemitglieder verkauft“, erklärt Godana stolz. Die Gruppe verdiente so umgerechnet etwa 140 Euro.

Während der Trockenzeit werden knappe Lebensmittel wie Mais, Bohnen und Zucker an die Teilnehmerinnen der Gruppe verkauft. Die Teilnehmerzahl ist schnell auf 23 Frauen angestiegen, das Budget auf über 580 Euro und ihr Besitz auf insgesamt vier Bullen.


Die Heuernte

Bei den Projekten, die die Gemeinden widerstandsfähiger gegen die Folgen von Dürren machen sollen, fiel CARE auf, welchen Gefahren sich die Frauen während der Futtersuche aussetzten und bildete sie darin aus, Heu selbst zu produzieren und zu ernten.

„Die Ausbildung der Frauen entlastet sie und erhöht die Chance, dass die kleinen, schwachen Tiere die Trockenzeiten überleben, da das Futter nun gelagert werden kann“, erklärt Temesgen Tesfaye, Projektdirektor von CARE in Äthiopien.


Wie Heu Leben verändert

Für Dararas Frauengruppe ist das Herstellen von Heu ein zweites Standbein geworden. Sobald der Regen aufhört und das Heu beginnt, gelb zu werden, schneiden sie es und sammeln es ein. Diese Verfahrensweise erhält den Nährstoffgehalt des Heus. Anschließend wird es auf speziellen Lagerflächen ausgelegt, um Fäulnis zu verhindern. Schließlich wird es eingelagert und kann in der Trockenzeit genutzt werden.

„Wir sind CARE sehr dankbar für das Projekt, denn jetzt haben wir in der Trockenzeit keine großen Probleme mehr, Futter für die Tiere zu bekommen“, sagt Ashure Jaldess, ein Mitglied von Dararas Frauengruppe.


Das CARE-Projekt stellt der Gruppe außerdem eine einmalige Summe von 25.000 Birr (etwa 1730 Euro) zur Verfügung, damit sie ihr Unternehmen und den Tierbestand weiter ausbauen können. „Dieses Geld wird dafür sorgen, dass unser Haushaltseinkommen beträchtlich steigt und wir Rücklagen für Dürreperioden haben“, erklärt Godana und strahlt.

In dem Projekt werden Frauen auch darin geschult, Aufgabenbereichen innerhalb der Gruppe aufzuteilen und abwechselnd auszuführen und Verantwortung zu übernehmen. Das kann etwa die Finanzprüfung sein oder die Buchführung.

„Man muss bereit sein, für ein besseres Leben zu kämpfen“

Godanas Weg zum Erfolg war lang. Bereits mit acht Jahren wurde sie verheiratet. Ohne jegliche Schulbildung, aber mit absoluter Entschlossenheit und Ehrgeiz fing sie an, einen kleinen Laden für Getränke zu betreiben. Als sie genug Kapital zusammen hatte, handelte sie mit Baumaterialien, was sie bis heute erfolgreich macht.