Äthiopien: Zeichen setzen, Veränderungen leben

CARE setzt sich für eine selbstbestimmte Familienplanung junger Mädchen in Äthiopien ein. Gemeindemitglieder helfen, Kinderheirat zu verhindern.

Abera Zewdu ist ein angesehener Priester in einer kleinen Gemeinde in Äthiopien. Er ist gegen Kinderheirat. Doch seine Familie drängte ihn dazu, seine älteste Tochter Sosina zu verheiraten. Sosina war da gerade 14 Jahre alt. Widerwillig begann er mit den Vorbereitungen für eine traditionelle Hochzeit. 

Abera rang immer wieder mit sich selbst, denn er wurde von der Gemeinde ausgewählt, um in Zusammenarbeit mit CARE Äthiopien das sogenannte TESFA- Projekt aktiv mitzugestalten. TESFA bedeutet übersetzt Hoffnung. Die Gruppe setzt sich mit Unterstützung der NIKE-Stiftung für die Rechte heranwachsender Mädchen in der südlichen Region Amhara ein. Sie stellt Kinderheirat infrage und fördert eine verbesserte Familienplanung von unverheirateten Mädchen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren.

Wort halten, Rechte achten

Aberas Tochter Sosina hatte keine Ahnung von den Vorbereitungen für ihre eigene Hochzeit. Allerdings ist es in den meisten ländlichen Gegenden Äthiopiens mittlerweile üblich, dass sich Brautpaare einem HIV-Test unterziehen müssen. Es war genau dieser Test, der Sosina misstrauisch machte. Als sie von den Vorbereitungen erfuhr, wehrte sie sich gegen die Eheschließung und beharrte auf ihrem Recht, selbst zu entscheiden, wann und wen sie heiraten würde. Für Abera war das wiederum der Auslöser, seine Entscheidung zurückzunehmen. Er wusste, dass seine Familie und die des Bräutigams davon nicht begeistert sein würden. Zudem hatten die Vorbereitungen viel Geld gekostet und Abera würde dafür aufkommen müssen. Doch er entschloss sich, standhaft zu bleiben.

„Wenn ich die Rechte meiner eigenen Tochter nicht respektiere, wer wird meinen Worten dann noch Glauben schenken?“, sagt Abera. 

Ein gutes Vorbild 

Später, nachdem Abera seine Schulden für die abgesagte Hochzeit bezahlt hatte, schwor er in die Ausbildung seiner Tochter zu investieren. „Von jetzt an stecke ich jeden Pfennig in die Ausbildung meiner Tochter. Wenn sie die staatlichen Prüfungen besteht, kann sie zur Universität gehen. Wenn nicht, werde ich zahlen, um sie auf eine private Hochschule zu schicken“, sagt Abera.

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Abera weiß auch, dass Veränderungen langsam geschehen. Tausende Mädchen sind entweder geschieden oder aus der Frühehe geflüchtet. Manche müssen seit ihrer Flucht ihren Körper verkaufen oder als Hausangestellte und Tagelöhnerinnen arbeiten. Und dann gibt es viele junge Männer, die einfach noch nicht reif genug sind, um einen Haushalt zu führen. Auch sie gehen lieber fort, um der Verantwortung für einen großen Haushalt zu entfliehen.

So hart seine Entscheidung auch für Abera war: Mit seinem Verhalten geht er mit einem guten Vorbild voran.