Afghanische Frauen: Hört uns zu!

CARE unterstützt Forderungen des afghanischen Frauennetzwerkes AWN vor der Petersberg-Konferenz im Dezember

Am 31. Oktober ist es auf den Tag genau elf Jahre her, dass die UN-Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit verabschiedet wurde. Sie garantiert Frauen ein Recht auf gleichberechtigte Mitwirkung in Friedensprozessen. Dieser Beschluss wird im Vorfeld der großen Afghanistan-Konferenz, die am 5. Dezember in Bonn stattfindet, nun wieder aktuell. Das Afghan Women's Network (AWN) fordert, dass Frauenrechte auf dem Petersberg eine zentrale Rolle spielen.

Das Afghan Women's Network ist mit über 84 Mitgliedsorganisationen und 5.000 Mitgliedern das größte afghanische Frauennetzwerk. Es arbeitet mit CARE Afghanistan unter anderem im Bereich Mädchenbildung seit vielen Jahren eng zusammen. Seit dem Ende des Taliban-Regimes vor über zehn Jahren konnten in Hinblick auf Frauenrechte wichtige Fortschritte erzielt werden. So wurde ein Ministerium für Frauenrechte eingerichtet, die Verfassung garantiert Frauen Gleichberechtigung und Mädchen haben verbesserten Zugang zu Schulbildung.

Nun scheinen diese hart erkämpften Fortschritte in Gefahr. Frauenvertreterinnen weisen mit großer Sorge darauf hin, dass sich die Sicherheitslage in Landesteilen, die bereits in afghanische Sicherheitsverwaltung übergeben wurden, verschlechtert hat, Angriffe auf Zivilisten zunehmen und Mädchenschulen nächtliche Drohbriefe erhalten. Frauen sind von den laufenden Friedensverhandlungen sowohl auf lokaler wie auch auf nationaler und internationaler Ebene weitgehend ausgeschlossen.

Das Afghanische Frauennetzwerk fordert, dass Frauen ihre Anliegen auf allen Ebenen des Friedensprozesses substanziell einbringen können und dass die Errungenschaften der letzten zehn Jahre nicht unter den Tisch fallen. Insbesondere müssen die in der aktuellen Verfassung verbrieften Rechte auf Schulbildung und politische Partizipation inkl. der 25-Prozent Frauenquote im Parlament aufrecht erhalten bleiben. Zudem sollte massiv in Entwicklungsprojekte investiert werden, die Frauen und ihre Rechte stärken –  ein klar definierter Prozentsatz internationaler Hilfsgelder bzw. 25 – 30 Prozent des Budgets des „Afghanischen Friedens- und Reintegrationsprogramms“ sollte für Projekte zweckgewidmet werden, die Frauen zugute kommen.

Um die Chancen zu erhöhen, dass diese Forderungen international gehört werden, hat CARE zehn AWN-Vertreterinnen im Zeitraum der Afghanistan-Konferenz nach Bonn eingeladen. Dort werden sie ihre Anliegen vorbringen und über die Situation im Land informieren. 87 Prozent der afghanischen Frauen sind in ihrem Leben mit Gewalt konfrontiert, über 50 Prozent der Mädchen werden vor ihrem 16. Lebensjahr verheiratet. Frauen haben minimalen Zugang zu Gesundheitsversorgung und die Müttersterblichkeit gehört zu den höchsten weltweit. Es gibt also weiterhin viel zu tun.