Afghanistan: Kleine Schritte Richtung Zukunft

Zahara Fathi hat eine Ausbildung zur Kosmetikerin gemacht und kann nun ihre Familie unterstützen

Zahara Fathi entschuldigt sich als erstes für den Abfall auf dem Boden. Sie wischt die Reste nach einem langen Abend in dem Hochzeitssaal beiseite. Es ist ihre dritte Woche als Kosmetikerin und sie hat schnell festgestellt, dass es in Afghanistan genug Gelegenheiten zum Feiern und sich schön machen gibt.

Zahara war ein Jahr alt, als sie aus ihrer Heimat Afghanistan fliehen musste. 2005 kehrte sie dann nach zwanzig Jahren als Flüchtling im Iran in ihre Heimatstadt Kabul zurück. „Ich konnte die Schule nicht abschließen, und so gab es nach meiner Rückkehr keine Arbeit für mich, weil mir die Ausbildung fehlte. Mir blieb nichts übrig als zu Hause zu sitzen“, erklärte Zahara. Manchmal, wenn sie mit der Hausarbeit fertig war, ging sie an einem Schönheitssalon in der Nachbarschaft vorbei. „Diese Arbeit hat mich immer schon interessiert“, sagt sie.

Eine Ausbildung in Sachen Schönheit

Dann erfuhr Zahara von den Kosmetikkursen, die CARE im Rahmen eines Ausbildungsprogramms für Frauen anbietet, und sie meldete sich sofort an. Der Kurs richtet sich besonders an Familien, die weniger als knapp 70 Eurocent pro Tag und pro Familienmitglied zur Verfügung haben. In den letzten fünf Monaten hat Zahara das Handwerkszeug einer Kosmetikerin gelernt: Haarschneiden und Frisieren, Schminken und Maniküre.

Mit dem Programm haben in diesem Jahr bisher 300 Kabuler aus armen Verhältnissen eine Ausbildung machen können, etwa als Installateur, für die Reparatur von Mobiltelefonen, als Näherin und im Bereich der Nahrungsmittelverarbeitung. CARE bietet auch Lese- und Schreibtrainings an und Informationsveranstaltungen für Frauen zu Rechtsfragen, Gesundheit und Hygiene.  

Arbeit bedeutet Selbstbewusstsein

Nach ihrem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung zeigte Zahara ihr Diplom dem Besitzer eines Veranstaltungsraumes für Hochzeiten. Er stellte sie sofort ein. „Ich habe in dem Kurs so viel gelernt, aber seitdem ich wirklich arbeite, lerne ich noch viel mehr. Jeden Abend haben wir Hochzeitsgesellschaften mit neuen und unterschiedlichen Anforderungen.“

Die Ausbildung hat Zaharas Leben buchstäblich verändert. Und das liegt nicht nur an den rund 140 Euro, die sie monatlich verdient. „Ich bin selbstbewusster geworden und habe zum ersten Mal die Gewissheit, dass ich für meine Familie und meine Gemeinde wichtig bin. Die Menschen kommen für meine Arbeit zu mir.“