"Alle zusammen werden wir das Dorf wiederaufbauen"

Yuko Ota von CARE Japan besuchte eine Familie im Fischerdorf Otsuchi, das von Tsunami und Erdbeben zerstört wurde

Mit dem Team von CARE Japan haben wir eine Familie in Otsuchi besucht: Der Großvater, seine Tochter und ihr Mann, ein Enkelkind, zwei Urenkel und fünf weitere Verwandte, die durch den Tsunami ihr Haus verloren haben, leben jetzt alle unter einem Dach. Otsuchi liegt in der Iwate Präfektur, im Distrikt Kirikiri – eine der Regionen, die vom Tsunami am 11. März besonders stark getroffen wurden. Die Sonne ging gerade unter, als das Team von CARE Japan bei der Familie eintraf. Es war kalt, aber die Familie kann die Heizung im Wohnzimmer noch nicht nutzen. Die Schäden in der Gegend sind so gravierend, dass Wasser- und Gasversorgung noch nicht wieder hergestellt werden konnten. Die Außen- und Innentemperatur unterschieden sich kaum. 

Erst im Fernsehen sah die Familie die Zerstörung - einen Monat später

Die Mutter der Familie berichtete uns, dass auch die Elektrizität noch nicht wieder funktioniert. „Vor ein paar Tagen teilten die Nachbarn ihre Energiezufuhr mit uns. Das erste Mal seit einem Monat sahen wir im Fernsehen das Ausmaß der Katastrophe“ erzählte sie. „Bis dahin hatten wir gar keine Ahnung, wie schlimm die Zerstörung ist. Seitdem weine ich jeden Tag.“ Sie beschrieb, wie sie Zeugin der heranrollenden Tsunami-Welle wurde. „Ich dachte immer, Tsunamis sind laute, plätschernde Wellen. Aber er näherte sich ganz leise, um dann in einem Augenblick alles mit sich zu reißen, was in seinem Weg war.“

Als die Erde bebte, war die Großmutter gerade auf dem Weg, ihren Urenkel von der Kirikiri Grundschule abzuholen. „Der Tsunami hat sie mit sich gerissen. Erst wurde sie als vermisst gemeldet, dann, neun Tage später, hat man nur noch ihren toten Körper bergen können“, erzählt die Mutter weinend. Es dauerte etwas, bis sie ein Krematorium fanden. Normalerweise, so wurde ihnen berichtet, findet die Kremation der Leiche drei Tage nachdem sie gefunden wurde statt. Aber es wurden so viele Leichen in dieser Gegend gefunden, dass nun für den 29. April eine Massenbeerdigung angesetzt wurde. 

 

Im Auto schlafen heißt schnell fliehen zu können

Die Mutter erzählt weiter, wie die ganze Familie die ersten drei Nächte nach der Katastrophe im Auto schlief, für den Fall, dass sie schnell flüchten müssen. „Wir haben immer noch Angst, dass es noch mehr Erdbeben gibt. Wir bleiben nachts angezogen, damit wir schnell fliehen können.“

Die Enkeltochter ist hochschwanger. „Sie steht kurz davor, zu gebären. Eigentlich hätte sie in letzter Zeit noch dicker werden müssen, aber ich glaube, der Bauch hat sich gar nicht mehr verändert. Ich wünschte, sie hätte sauberes Wasser zum Baden. Aber wir haben gar kein Wasser“, erzählt die Mutter besorgt. Das japanische Militär hat einfache Waschstationen in der Grundschule von Kirikiri aufgebaut. Aber für die schwangere Frau ist es sehr ermüdend und schwierig, dort hinzugehen.

"Wir halten alle zusammen"

Der Mutter gehört ein kleiner Friseursalon nebenan. Aber ohne Wasser oder Elektrizität kann sie ihren Laden erstmal nicht wieder öffnen. „Wir verdienen nichts im Moment. Ich weiß wirklich nicht, was die Zukunft bringen wird. Trotzdem: Wir hatten großes Glück. Viele unser Nachbarn haben ihre ganze Familie verloren, ihre Häuser, alles, was ihnen gehört. Auch unser Bürgermeister ist tot. Wir müssen alle zusammenhalten und gemeinsam daran arbeiten, unser Dorf wiederaufzubauen.“

Die Dreifachkatastrophe in Japan ist mittlerweile über einen Monat her. Die Überlebenden der Katastrophe sind fest entschlossen, einander zu helfen und sich gegenseitig zu ermutigen – auch, wenn alle vor großen Herausforderungen stehen. Sie sind entschlossen, ihre Leben Schritt für Schritt wiederaufzubauen. Um die betroffenen Menschen dabei zu unterstützen, hat CARE eine Einschätzung der Lage vorgenommen, um zu wissen, was die Leute am meisten brauchen. CARE verteilt nährstoffreiche Mahlzeiten in drei Evakuierungszentren, damit die Menschen trotz Kälte gesund bleiben.

 

In der Not muss CARE schnell handeln. Bitte helfen Sie uns, Japan zu helfen:

Spendenkonto 4 40 40
Sparkasse KölnBonn (BLZ 370 50 198)
Stichwort: JAPAN
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Schicken Sie eine SMS mit CARE an die 81190 und unterstützen Sie uns mit 5€ (zzgl. SMS-Versand, Charity-Erlös 4,83€/SMS)

CARE ist Mitglied im Bündnis Aktion Deutschland Hilft, dem Zusammenschluss renommierter deutscher Hilfsorganisationen, die im Katastrophenfall ihre Kräfte bündeln, um gemeinsam schnelle und effektive Hilfe zu leisten.

 


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