Ausgetrocknetes Land

Ebrahim Jemal überlebte als Kind die Hungersnot in Äthiopien und arbeitet heute für CARE

Vor 25 Jahren wurde Ebrahim Jemal das Leben gerettet. 1984 gab es in Äthiopien eine schwere Hungersnot. Ebrahim überlebte als Neunjähriger durch die Nahrungsmittelverteilungen von CARE. Heute ist er selbst ein Teil der Organisation: Als CARE-Mitarbeiter setzt er sich dafür ein, dass die Menschen in seiner Gemeinde vor zukünftigen Krisen geschützt sind.

„Geboren wurde ich 1976 in Grawa Woreda, im Hochland von East Hararghe. Ich war das erste Kind und ein großes Geschenk für meine Familie, denn meine Eltern waren bereits sieben Jahre verheiratet und hatten lange für ein Kind gebetet.

Überall Tierkadaver

Als die Dürre kam, war ich etwa neun Jahre alt und in der zweiten Klasse. Meine Familie war etwas wohlhabender als viele andere, und als dann die Dürre kam, teilten wir unsere Getreidereserven mit Verwandten und Nachbarn. Ich erinnere mich noch genau an die trockene Landschaft und die überall herumliegenden Tierkadaver. Menschen gruben nach Wasser, die Schulen wurden geschlossen. Es gab schrecklich viele Bettler und Hoffnungslosigkeit machte sich überall breit.

Die Dürre kostete unsagbar viele Menschenleben (über eine Millionen, Anm. der Redaktion) und hat sich in das Gedächtnis der ganzen Welt eingebrannt. East Hararghe war stark betroffen, und deshalb hat CARE hier gearbeitet. Ich war eins von tausenden Kindern, die dadurch gerettet wurden.

Der Geschmack bleibt im Gedächtnis
Ich erinnere mich noch genau daran, wie die Verteilung von Notrationen begann. Den Geschmack von Weizenbrei mit Speiseöl, mit dem meine Mutter mich fütterte, werde ich nie vergessen. Bis heute regt sich etwas in meinem Innersten, wenn ich Dosen und Container mit der Aufschrift „USA“ sehe, denn sie erinnern mich an diese Zeit. Aber genau diese Nahrung hat mein Leben und das vieler anderer Kinder gerettet.

Ich habe dann die Grundschule beendet, ging auf die High School und machte schließlich meinen Universitätsabschluss in Agrarwissenschaft und ländlicher Entwicklung. Jetzt arbeite ich bei CARE und unterstütze die Menschen in East und West Hararghe dabei, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ich gehöre zu der Handvoll Menschen, denen selbst geholfen wurde und die nun ihrerseits die Ärmsten dabei unterstützen können, sich vor einer weiteren Hungersnot zu schützen.“

Vorsorge statt Reaktion

Obwohl sein eigenes Leben durch die Verteilung von Notrationen gerettet wurde, sieht Ebrahim, dass dadurch die Ursachen der Nahrungskrise in Äthiopien nicht langfristig bekämpft werden können.

‘Uns scheint es oft so, dass das Geld erst dann eintrifft, wenn die Katastrophe schon da ist. Dann lehnen wir die Nahrungsmittel natürlich nicht ab, denn sie retten Leben. Aber für uns wäre es besser und für die Geber langfristig günstiger, wenn mehr Geld für Frühwarnsysteme, bessere Straßen und Schulen da wäre. Denn so könnten wir uns auf drohende Krisen vorbereiten.”

Ebrahim arbeitet mit CARE an einem solchen Programm: Brunnen werden wieder instand gesetzt und damit wertvolle Wasserquellen gesichert, Werkzeuge und Saatgut helfen den Bauern, die nächste Ernte zu sichern. Auch der Klimawandel wird berücksichtigt: Unterschiedliche Nutztiere und Anbauprodukte machen die Landwirtschaft weniger anfällig und sichern das Einkommen der Bauern.

 

Hintergrund: Dürre in Äthiopien
Seit zwei Jahren bleibt der Regen in Äthiopien aus. Die Regierung geht davon aus, dass zu den bereits unterstützten 7,6 Millionen Menschen zusätzliche 6,2 Millionen dringend Nahrungsmittelhilfe benötigen. Derzeit versorgt CARE mehr als 500.000 Menschen in den Regionen von Oromiya, Afar und Amhara mit Nahrung, darunter 70.000 mangelernährte Kinder. Gleichzeitig arbeitet CARE daran, dass die Gemeinden auf zukünftige Dürren besser vorbereitet sind: durch den Anbau von mehr und unterschiedlichem Getreide und Gemüse, mit Hilfe von Werkzeug und anderen Einkommensquellen wie etwa dem Handwerk.