Ausgezeichnet: CARE-Partnerorganisation für Tuareg

HED Tamat erhält Verdienstkreuz für Friedensarbeit im Niger

Am 26. März verleiht der nigrische Staatspräsident Mahamadou Issoufou der Hilfsorganisation HED Tamat eine Auszeichnung für besondere Dienste für das Land. HED Tamat wurde im Jahr 1996 von Mano Aghali und weiteren Tuareg gegründet und setzt sich für die Gleichberechtigung des marginalisierten Nomadenvolkes ein. HED Tamat steht für "Mensch, Umwelt und Entwicklung" und fördert verschiedenartige Projekte zur friedlichen Entwicklung der Region. CARE arbeitet seit 1999 mit der Organisation zusammen und verlieh ihr 2007 den CARE-Partnerschaftspreis.

Der Niger ist nach dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen das zweitärmste Land der Welt. 63 Prozent der Menschen müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen, 52 Prozent leben ohne sauberes Trinkwasser. Die Tuareg sind ein Nomadenvolk, das in der gesamten Sahelzone lebt. Im Niger nennen sie das Air-Gebirge im Norden ihre Heimat und repräsentieren etwas mehr als 9 Prozent der Bevölkerung. HED Tamat setzt sich für die Entwicklung dieser Volksgruppe ein, die bereits mehrfach durch Aufstände versuchte, eine bessere Stellung in der nigrischen Gesellschaft einzufordern, zuletzt 2007 bis 2009. Es fehlt den Tuareg an Anerkennung, Einkommen, Wasserzugängen, Gesundheitsversorgung und Bildung.

Mano Aghali ist selbst Tuareg und seit der Gründung von HED Tamat ihr Präsident. Er wurde nicht nur ins nigrische Parlament gewählt, sondern ist auch Abgeordneter im pan-afrikanischen Parlament. Er vertrat die Tuareg schon in Friedensverhandlungen und hat immer vorgelebt, dass Krieg und Gewalt keine Lösung sein können. Für die armen Menschen der Region klingen aber auch die Versprechen vom schnellen Geld durch kriminelle Geschäfte oder als Söldner oft verlockend. Doch Aghali weiß, dass sich ihre Lage nur durch friedliche Projekte langfristig verbessert. Das alles versucht HED Tamat den Tuareg zu vermitteln. Nachhaltig und erfolgreich sollen die Projekte sein, denn nur so geben sie der Bevölkerung einen Grund, sich für den Frieden zu engagieren.

Die Hilfsorganisation ist für ihre enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung bekannt. Sie fragt die einzelnen Gemeinden, was benötigt wird und setzen die Projekte mit ihnen gemeinsam um. Bei Versammlungen berichten sie von ihren Ideen und Zielen und die Menschen können ihre eigenen Anliegen vorbringen. Mit Unterstützung von CARE und Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt HED Tamat den Bau von Schulen und Gesundheitszentren, finanziert Brunnen, Dorfläden, Getreidebanken und fördert kleine Betriebe. Sie führt außerdem ein großes Ausbildungsprogramm für Jugendliche, Frauen und Gemeinderäte durch. Oft muss zwischen vielen Projekten entschieden werden, aber es ist wichtig, dass die Menschen eingebunden sind. Sie wissen am besten, was am dringendsten gebraucht wird.

Heute wird HED Tamat hoch geschätzt und ist in der Region breit anerkannt. Besonders in Zeiten, in denen die ganze Region angespannt ist, spielt ihre verlässliche Arbeit eine große Rolle. Seit Libyens Zusammenbruch sind in der gesamten Region viele Waffen in Umlauf und 2012 rebellierten die malischen Tuareg. Zu ihnen besteht keine direkte organisatorische Beziehung, aber die Situation ist zusätzlich angespannt. Bislang kam es im Niger nicht zu weiteren Rebellionen und das ist sicher auch ein Verdienst der Arbeit von HED Tamat.

Christine Harth betreut die Projekte mit HED Tamat von Bonn aus und betont die Besonderheit des Verdienstkreuzes für HED Tamat: Üblicherweise werden solche Auszeichnungen an verdiente Persönlichkeiten verliehen, nicht an Organisationen. „HED Tamat hat etwas Besonderes geleistet. Sie greifen das innovativ auf, was am dringendsten ist und was den aktuellen Bedürfnissen der Menschen entspricht“, so Harth, die zur Preisverleihung im Niger ist.