Azraq-Camp: Ein Ort, an dem syrische Flüchtlinge lächeln

Drei alleinstehende Frauen flohen aus Syrien nach Jordanien. Im Azraq-Camp angekommen, haben sie sich zusammengeschlossen und berichten von ihren Fluchterfahrungen.

 

Mitten in der Wüste, in einer von Tausend identischen, weißen Metallhütten sitzen drei syrische Frauen auf Matratzen, die vom UN-Flüchtlingswerk verteilt wurden. Jede von ihnen hat Schreckliches zu berichten.

Die 20-jährige Safa, Mona, 44, und Dlal, 65, lernten sich erst vor wenigen Tagen im Flüchtlingslager Azraq in Jordanien kennen. Als alleinstehende Frauen wurden sie einer gemeinsamen Unterkunft zugewiesen und auch wenn die Lebensbedingungen hart sind, sind die drei Frauen glücklich im Camp zu sein.

Safa kommt aus Daraa. Sie musste fliehen, weil ihr Haus durch Bomben zerstört wurde. Als die Bomben ihr Zuhause trafen, wurde sie von Schutt getroffen und erlitt schwere Verbrennungen. „Hier ist es wesentlich besser. In Daraa sterben sehr viele Menschen.  Ein normales Leben ist dort nicht mehr möglich“, berichtet Safa. „Ich kann keine Gewalt mehr sehen. Ich habe Angst und bin hier her gekommen, weil ich Frieden und medizinische Versorgung brauche. Hier sind wir sicher und die Menschen lächeln sich an anstatt sich gegenseitig umzubringen. Es gibt Wasser und Essen und keine Bomben, Gas oder Schlangen.“

Eine lange und beschwerliche Flucht

Warum sie Schlangen erwähnt? Auf ihrer Flucht nach Jordanien lief Safa 26 Tage lang durch die Wüste und fürchtete sich bei jedem Schritt davor, einer Schlange zu begegnen. „Als ich in einem Taxi auf dem Weg nach Jordanien war, hielten uns bewaffnete Männer an. Sie fragten uns wütend, warum wir Syrien verlassen wollen. Dann schossen sie auf uns, töteten den Fahrer und steckten mich ins Gefängnis. Unter meiner Kleidung kann man erkennen was sie mir antaten. Ich fragte sie immer wieder: „Warum macht ihr das? Ich bin doch nur eine junge Frau!“Nach zwei Wochen brachten sie mich in die Wüste und ließen mich dort in der Sonne liegen. Überall um mich herum waren Schlangen. Dann lief ich los, 26 Tage lang. Ich hatte nichts zu Essen und nur wenig Wasser. Jeden Tag fragte ich Gott warum ich noch lebe und betete, dass er mich endlich zu sich holen sollte“, berichtet die 20-Jährige.

Als Safa floh, blieben ihre beiden Brüder zunächst in Daraa. Doch mittlerweile leben sie in Jordaniens Hauptstadt Amman und Safa hofft, dass sie bald zu ihnen ziehen kann. Alle drei Frauen haben gesundheitliche Probleme. CARE ist dafür verantwortlich, dass alle Flüchtlinge notwendige Informationen über den Zugang zu Dienstleistungen im Camp erhalten. Dazu zählen neben den Wasser- und Sanitäranlagen und Nahrungsverteilungen auch die medizinische Versorgung .

Dlal ist seit zwei Monaten blind und hofft, dass ein Arzt ihr helfen kann. Sie flüchtete in eine Moschee im syrischen Homs, in der sie sich einer Gruppe Flüchtlingen anschließen konnte, die nach Jordanien aufbrachen. Sie brauchten einen Monat um die Grenze zu überqueren. Mona musste 20 Tage durch die Wüste laufen, eine Flucht, die nun ihren Tribut zollt: An ihrem rechten Oberarm hat Mona eine unerklärliche Schwellung, zudem leidet sie unter Diabetes. Sie hofft ihre Tochter und Schwester im Za’atari-Camp wieder zu treffen.

Syrien: geliebte und gehasste Heimat

Aber fürs Erste sind die drei Frauen froh, dass sie sich gefunden haben. „Wir sind schon wie Schwestern, wir machen alles zusammen. Unser Leben in Syrien war sehr schwierig und wir haben gelernt, dass wir uns gegenseitig brauchen. Wir helfen uns und teilen alles, “ berichtet Mona.

Nach einer kurzen Pause beginnt sie zu weinen. Als ein CARE-Mitarbeiter sie ermutigt, fährt sie fort. Tränen laufen ihr über die Wangen als sie von der Solidarität und Großzügigkeit im Camp berichtet. Es scheint, als sei sie im Zwiespalt über ihre Heimat: „Ich hasse Syrien. Ich möchte niemals zurückkehren.“

Auch Safa zweifelt, ob sie jemals in ihre Heimat zurückkehren wird. Nur Dlal ist sich sicher: sie möchte so schnell es geht wieder nach Syrien zurück.