“Bitte erzählen Sie die Geschichte von Dadaab“

Barbara Jackson, Nothilfe-Direktorin von CARE International, berichtet von ihren Eindrücken aus dem größten Flüchtlingslager der Welt

Wir kommen gerade von einem Besuch des Flüchtlingslagers Dadaab im Norden Kenias zurück. In meiner mehr als zwanzigjährigen Erfahrung im Feld mit CARE habe ich noch nie so deutlich so viele Symptome von Mangelernährung bei so vielen Menschen gesehen. Die Männer, Frauen und Kinder, die in Dadaab ankommen, sind buchstäblich bis auf die Knochen abgemagert; die Kinder sind apathisch und deutlich von Mangelernährung und Not gezeichnet.

Einzelne Mütter tragen ein oder zwei Kinder auf dem Rücken, während sich andere an ihrem abgerissenen Überwurf festklammern. Wir haben Menschen getroffen, die ihre Alten zurücklassen mussten, weil sie die Strapazen des mehr als zwanzigtägigen Marsches nach Dadaab nicht überstanden hätten. Sie wissen nicht, ob sie einander je wiedersehen werden.

Die Menschen baten uns, der Welt von ihrer Notlage zu berichten. „Bitte erzählen sie die Geschichte von Dadaab. Sagen sie, dass wir Hilfe brauchen, dass wir nicht länger warten können, dass wir trotz der Strapazen nicht genug zu essen und keine Unterkunft haben.“  

Helfen Sie CARE im Kampf gegen die Dürre und den Hunger in Ostafrika und spenden Sie hier!


“Jeder dieser Scheine ist Gold wert”
Über 15.000 Menschen sind immer noch nicht registriert und haben damit immer noch keinen Anspruch auf grundlegende Gesundheitsversorgung und die monatlichen Lebensmittelrationen. Viele von ihnen haben wir am Rande eines Camps getroffen, in dem CARE jetzt zusätzliches Wasser und sanitäre Einrichtungen bereitstellt.

Ich habe einige von ihnen nach den Scheinen gefragt habe, auf dem ihr Registrierungsdatum steht. Sofort war ich von Menschen umringt, die mir Scheine mit Daten zeigten, die bis Mitte September reichen. Diese Scheine sind Gold wert. Jeder bewahrt seinen fein säuberlich an einem sicheren Ort auf. Ohne einen solchen Schein kommt eine Familie nicht in das Lager, was soviel bedeutet wie Dadaab gar nicht erst erreicht zu haben. Im System existieren sie nicht.  

Unsere CARE Mitarbeiter arbeiten Tag und Nacht, um die Verteilung der Lebensmittel voranzutreiben, um Wasser und sanitäre Einrichtungen bereitzustellen und um die Schulen auszubauen, damit die neu angekommenen Kinder auf Bildung nicht verzichten müssen. Die Bemühungen und der Einsatz unserer Mitarbeiter vor Ort sind sehr beeindruckend, vor allem wenn man an die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen denkt. Niemand beschwert sich, aber ihre Gesichter sind versteinert und am Ende des Tages fast zu müde, um zu sprechen. Sie brauchen sofort zusätzliche Hilfe und Unterstützung.

 


Menschen sollen in ihrer Heimat bleiben können
Die verschiedenen Mitgliedsorganisationen des internationalen CARE-Verbunds stehen uns bei der Arbeit vor Ort mit ihrer Expertise, mit Personal und hoffentlich auch mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung zur Seite. Viele der Menschen, die wir heute getroffen haben, bedankten sich bei uns für die Unterstützung, die sie jetzt bekommen haben und die Hilfe, die sie hoffentlich bald erreichen wird.

Am Montag treffen wir uns mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in Genf. Wir hoffen, dass wir einen Weg finden, die Flüchtlingsregistrierung in Dadaab zu beschleunigen. Ansonsten bleiben viele Männer, Frauen und Kinder ohne Hoffnung. Jetzt gerade bin ich in Äthiopien und wir überlegen, wie wir hier unsere Projekte ausweiten können, um zu verhindern, dass die Menschen ihre Heimat überhaupt verlassen müssen. Sie müssen in der Lage sein, in den kommenden Monaten – trotz Dürre – für sich selbst zu sorgen.