CARE fordert stärkere Öffnung des Bildungssystems für Mädchen in Afghanistan

Afghanische Regierung muss Ausgrenzung von Mädchen beenden

In Afghanistan wurden bereits große Erfolge im Bildungssektor erzielt. Allerdings
müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, um sicher zu stellen, dass Mädchen Zugang zu Aus- und Weiterbildung haben. Derzeit sind nur 35 Prozent der eingeschulten Kinder Mädchen. Denn obwohl immer mehr Kinder in Afghanistan zur Schule gehen, stagniert der Anteil der weiblichen Schüler.


Im Rahmen der „Globalen Bildungskampagne“ findet vom 21. bis 25. April eine weltweite Aktionswoche statt. Unter dem Motto "Hand in Hand für Bildung - gleiche Chancen für alle” werden afghanische Schüler, zusammen mit Millionen anderer Schulkinder auf der ganzen Welt, an einem Weltrekordversuch teilnehmen. Während der größten Unterrichtsstunde der Welt werden Schüler weltweit über die Bedeutung von Bildung bzw. den negativen Folgen mangelnder Bildung informiert. Die Ursachen für fehlende Bildung von Kindern können vielfältig sein: häufig ist die nächste Schule kilometerweit entfernt; Kinder, die ethnischen Minderheiten angehören oder erkrankt sind, haben oft keinen Zugang zum Bildungssystem. Zudem ist es in vielen Kulturen immer noch nicht üblich, dass Mädchen zur Schule gehen.

Obwohl Bildung für alle als ein Grundsatz in der afghanischen Verfassung verankert ist, halten viele Faktoren Mädchen immer noch aus den Schulen fern: einerseits fehlen immer noch weibliche Lehrer im Unterricht, andererseits sind viele Schulen immer noch nach Geschlechtern getrennt und bieten nur Unterricht für Jungen.

Nur 28 Prozent der Lehrer in Afghanistan sind weiblich. Die Mehrheit von ihnen arbeitet vor allem in den Städten. Viele Familien aus ländlichen Gebieten reagieren jedoch zurückhaltend, wenn ihre Töchter von männlichen Lehrern unterrichtet werden. Zudem
zögern Eltern, ihre Mädchen in Schulen zu schicken, die weit entfernt von ihrem Heimatdorf liegen.

„Die Schwierigkeiten bei der Ausbildung von Mädchen in Afghanistan können überwunden werden, ohne kulturelle Grenzen zu verletzen“, so Jamie Terzi, stellvertretende Länderdirektorin von CARE in Afghanistan. Gemeinsam mit mehreren Partner-Organisationen führt CARE in 17 Provinzen, in denen es kein öffentliches Schulsystem gibt, ein Bildungsprogramm durch. 450.000 Kindern aus abgelegenen, ländlichen Gebieten wird es so ermöglicht zur Schule zu gehen. Zwei Drittel dieser Kinder sind Mädchen. „Um die Zahl der Schülerinnen zu erhöhen, müssen wir mit den Eltern die Bedeutung von Bildung im Kontext des Islams diskutieren“, so Terzi weiter.

Der Mangel an finanziellen Mitteln stellt eine ständige Herausforderung für die Arbeit der Hilfsorganisationen im Bildungssektor dar. Derzeit sind immer noch ein Drittel der öffentlichen Schulen ausschließlich Jungen zugänglich. Bildungsprogramme müssen daher ihren Fokus speziell auf die Ausbildung von Mädchen richten.

Einfache Veränderungen können die Lage grundlegend verbessern. „In Gesprächen mit religiösen Führern und den Eltern wurden bereits erste Erfolge erzielt: bauliche Veränderungen in den Klassenräumen ermöglichen es nun, dass Mädchen und Jungen entsprechend ihren kulturellen Regeln getrennt von einander unterrichtet werden“, erläutert Terzi. Schülerinnen und Schüler können so in eine gemeinsame Schule gehen, und können doch in getrennten Klassenräumern dem Unterricht folgen.

CARE fordert die afghanische Regierung auf größere Anstrengungen zu verfolgen, um die Ausgrenzung von Mädchen im afghanischen Bildungssystem zu beenden.