CARE-Kleinspargruppen feiern Jubiläum

Es begann vor 25 Jahren mit einigen Frauen und einer Geldbox im Niger. Was folgte, veränderte das Leben von Millionen...

Zeinabou erinnert sich noch gut daran, als vor 25 Jahren plötzlich eine norwegische Frau in ihrem Dorf im Osten des Niger auftauchte. Sie trug eine graue Metallbox bei sich. Wie diese Frau Zeinabous Leben und das von Millionen anderen Menschen ändern würde – das konnte niemand zu diesem Zeitpunkt erahnen.

Diese Frau, Moira Eknes, war Programm-Mitarbeiterin von CARE. Sie kam ursprünglich in den Niger, um ein Aufforstungsprojekt mit den Frauen zu starten. Sie begriff schnell: Ohne das Recht auf Landbesitz waren diese nicht zu motivieren, irgendwelchen Grund und Boden aufzuforsten. Ihre Familien über die Runden zu bringen, das war das eigentliche Problem der Frauen.

Das bleibt unter uns

Eknes verwarf ihren Plan, mit den Frauen Bäume zu pflanzen. Sie ersann stattdessen ein System, das sich die uralten Gebräuche des Gruppensparens zunutze macht. Es heißt seitdem „Village Savings and Loan Association“ (z. Dt.: "Kleinspargruppe").

Nun waren zu dieser Zeit Mikrofinanzmodelle bereits sehr populär, viele NGOs arbeiteten damit. Allerdings funktionierten sie typischerweise so, dass das Geld von außerhalb kam und auch die Zinsen wieder nach draußen – sprich an den Geldverleiher – gingen. Das wurde mit dem neuen Modell anders: Das Kapital stammt seither aus Ersparnissen der Mitglieder, und vor allem gehen auch die Zinsen wieder als Profit an die Gruppe zurück.  

Zeinabus Aufgabe als Schatzmeisterin ist es, auf die Box aufzupassen, sie zu verstecken. Drei Schlüssellöcher besitzt sie und drei Schlüssel benötigt man, um sie zu öffnen. Die Öffnung der Geldbox ist streng geregelt, denn der wertvolle Inhalt will geschützt sein: Alle Mitglieder müssen anwesend sein, drei von ihnen sind im Besitz je eines Schlüssels.

„Ich war zuerst eigentlich skeptisch, weil wir nichts boten außer einen Kurs, wie die Kleinspargruppe funktioniert“, erinnert sich Eknes. „Aber die Frauen waren begeistert.“

25 Jahre später gibt es 15.000 Kleinspargruppen in Niger, deren 500.000 überwiegend weibliche Mitglieder sich regelmäßig treffen, sparen und sich gegenseitig Geld leihen. Die Expansion geschah einerseits deshalb, weil ein erfolgreiches Konzept gerne nachgeahmt wird, andererseits weil CARE durch die Ausbildung von Trainern einen Multiplizierungseffekt erzielte. So gab es bald auch die ersten Kleinspargruppen in Mosambik, Tansania und Sambia.

Kleinspargruppen: Eine Bilanz

Heute gibt es 200.000 Kleinspargruppen mit fünf Millionen Mitgliedern. Sie sind über 26 afrikanische, asiatische und lateinamerikanische Länder verteilt. Ihre Mitglieder haben mehr finanzielle Freiheit, die ihnen eine bessere Gesundheitsversorgung ermöglicht, nahrhafteres Essen oder den Zugang zu Bildung. Auch Notsituation können damit besser überstanden werden -  wie das Beispiel Haiti 2010 zeigt: Nach dem Erdbeben halfen die Kleinspargruppen beim Wiederaufbau.

Andere Organisationen haben dieses Modell übernommen, geschätzte 30 Millionen Finanztransaktionen finden monatlich über Kleinspargruppen statt. Die Ersparnisse in den Geldkassetten machen viele Millionen Dollar aus. Darin liegt ein Problem – aber auch eine Chance.

Das Problem: Bargeld lässt sich stehlen. Zeinabou schützt und versteckt ihre Geldkassette gut, „sie wurde nie gestohlen“, sagt sie. Dennoch, das Risiko besteht.

Das Ziel von CARE für die nächsten 25 Jahre ist daher, Frauen wie Zeinabou an den formalen Bankensektor anzuschließen, wo ihre Ersparnisse sicher und auch per Handy und Apps steuerbar sind. Bis 2020, so lautet das Ziel, soll das für eine halbe Million Menschen umgesetzt werden. Berichte haben gezeigt, dass die Anbindung von Kleinspargruppen an Banken die Ersparnisse und Profite für die Mitglieder verdoppeln kann.

„In dieser Box steckt Freiheit“, sagt Zeinabou. „Wenn sie offen ist, leihen die Leute Geld und starten ein Geschäft.“ Zeinabou entdeckte ihre persönliche Freiheit in der Herstellung und dem Verkauf von Erdnussöl. Mit den Gewinnen kann sie seither gut für ihre Familie sorgen und auch die Hochzeiten der Kinder bezahlen.

Auf der Suche nach finanzieller Unabhängigkeit wird sich ein Teil der nächsten Generation der Kleinspargruppen auch künftig unter schattige Bäumen in entlegenen afrikanischen Dörfern setzen, andere werden sich in urbanen Settings wie Kabul und Port-au-Prince zusammenfinden. So oder so, sie werden die Kraft der Kleinspargruppe für ein besseres Leben nutzen.

Die Geschichte der Kleinspargruppen in Bildern gibt es zusätzlich hier auf unserem Blog.

Weitere Informationen zum Thema Kleinspargruppen finden Sie hier.

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