CARE-Präsident Scharrenbroich appelliert nach Rückkehr aus Jordanien

"Syrische Flüchtlinge benötigen unsere Hilfe“

Die neuesten Zahlen der Vereinten Nationen über die syrische Flüchtlingswelle sind alarmierend. Alleine in das kleine Jordanien mit seinen 6,2 Millionen Einwohnern sind schon fast 140.000 Flüchtlinge aus dem Nachbarland gekommen, davon mehr als ein Drittel in den letzten 30 Tagen.

Bei meinem Besuch in Jordanien zu Beginn dieser Woche konnte ich feststellen, wie verzweifelt die Menschen sind. Sie konnten meistens nur mit dem fliehen, was sie am Leibe trugen. Sofern sie überhaupt Ersparnisse mitbringen konnten, sind diese schnell aufgebraucht. Zur Armut kommt nun noch die bittere Kälte, im Winter liegen die Temperaturen oft unter dem Gefrierpunkt.  Ich habe bei meinem Besuch von Flüchtlingsfamilien in den Städten Amman und Mafraq, aber auch im Lager Zaatari keine einzige Flüchtlingsfamilie getroffen, die einen Ofen hatte.

31.000 Menschen leben in Zaatari, dem Flüchtlingslager, das wir von Fernsehbildern kennen. Die meisten versuchen jedoch in Jordanien in den Städten unterzukommen. Anfangs wohnten viele noch bei Freunden und Verwandten. Jetzt müssen sie sich selber kleine Wohnungen oder einfache Unterkünfte in den Städten besorgen. In solchen „Wohnungen“ mit oft nur einem Zimmer und Küche habe ich öfter bis zu zehn Menschen vorgefunden. Eine Monatsmiete für einen solchen Raum beträgt nicht selten 100 Euro und mehr.

Heribert Scharrenbroich beim Besuch einer syrischen Flüchtlingsfamilie. (Foto: CARE/Thomas Schwarz)Mit unterbezahlten Gelegenheitsarbeiten versucht man, die Miete zu bezahlen. Viele Jungen suchen Arbeit, statt in die Schule zu gehen. Das ist klassische Kinderarbeit, die aus der Not in Kauf genommen wird, auch weil man meint, bald wieder in die Heimat zurückkehren zu können. Diese – vermutliche trügerische - Hoffnung ist es, die die Menschen das alles ertragen lässt. Geht sie nicht in Erfüllung, könnte auch die große Hilfsbereitschaft der Jordanier umschlagen. Jetzt bereits ist die Einwohnerzahl Jordaniens durch die Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak um zehn Prozent gestiegen. Was wäre wohl in einem solchen Fall in Deutschland los? Auf die Größe unseres Landes bezogen müsste man sich vorstellen, dass acht Millionen Flüchtlinge aus zwei Ländern hier Obdach suchen. Eine unvorstellbare Zahl.

CARE hat schon im März dieses Jahres damit begonnen, den syrischen Flüchtlingen in Jordanien zu helfen. Mit einem „Startgeld“ von bis zu 170 Euro konnten sie die ersten Wochen überbrücken. Dieser Betrag wird nur einmal ausgezahlt. Danach muss der UNHCR, das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, helfen. Mit Listen sollen Doppelzahlungen vermieden werden. Wir arbeiten mit kleinen, lokalen Organisationen zusammen, die aus den Dörfern und Städten kommen, in die die Syrer fliehen. Das sind Freiwillige, die ehrenamtlich die Arbeit von CARE unterstützen.

Die Flüchtlinge bringen nicht nur die Sorgen über Verwandte und Freunde aus Syrien mit, von denen sie nicht wissen, wo sie sind und ob sie noch leben. Auch die traumatischen, schrecklichen Erlebnisse und Erfahrungen der Flucht sind ständige Begleiter. Bombardierungen, Exekutionen, Vergewaltigungen: all dies sind Traumata, die bewältigt werden müssen. Auch hier hilft CARE mit Betreuung und Unterstützung.

Mit Geldern der deutschen Bundesregierung wird CARE in Jordanien in der nächsten Woche 2.000 Kerosinöfen an Flüchtlinge in den Städten verteilen. Das reicht noch nicht aus. Noch mehr Menschen brauchen solche Hilfen. Zum Jahreswechsel werden sich mehr als eine halbe Million Menschen aus Syrien auf der Flucht in die Nachbarländer begeben haben. Und dazu kommen 2,5 Millionen Binnenvertriebene, die in Syrien vor Gewalt und Unsicherheit geflohen sind.

Nun naht die Vorweihnachtszeit und damit die Zeit der Geschenke. Nach diesen Eindrücken in Jordanien hoffe ich sehr, dass wir uns hier in Deutschland weiter für Hilfen für die frierenden Menschen in Jordanien im wahrsten Sinne des Wortes erwärmen können.

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