CARE-Studie: zu wenig Hilfe erreicht Gaza

89% der Befragten in Gaza haben keine humanitäre Hilfe erhalten

übersetzt von Linda Besigiroha

Gaza, 21. Januar 2009. Eine erste Auswertung der humanitären Lage im Gazastreifen zeigt, dass 89 Prozent der Beteiligten einer CARE-Studie keine humanitäre Hilfe seit Beginn des Konflikts am 27. Dezember erhalten haben. CARE, mit der Unterstützung von Alpha International Surveying, führte eine dreitägige Telefonbefragung von Familien in Gaza durch, um sich ein Bild von der humanitären Situation zu machen und Hilfsmaßnahmen entsprechend vorbereiten zu können.

„Seit Anfang der Auseinandersetzungen verteilt CARE Nothilfematerialien im Gazastreifen, unter anderem Nahrungsmittel, Decken, Plastikplanen, Hygienekits und Medikamente. Die Befragung zeigt jedoch, dass die Bemühungen von CARE und anderen humanitären Partnern nur an der Oberfläche des Problems kratzen“, sagte Martha Myers, Landesdirektorin von CARE International in Gaza und im Westjordanland. „Damit wir den Menschen in Gaza helfen können, müssen humanitäre Helfer und Hilfslieferungen in den  Gazastreifen gelangen.“

Hauptergebnisse der Befragung:


Zugang zu humanitärer Hilfe:
89% der Befragten sagten aus, dass sie keine humanitäre Hilfe erhielten.

Auswirkungen auf Kinder: Fast alle Haushalte (95%) meldeten, das ihre Kinder unter Angstzuständen litten. Mehr als die Hälfte der Kinder würden einnässen (62%) oder unter allgemeiner Schwachheit (64%), Nervosität (73%), angestiegener Aggressivität (61%), Schlaflosigkeit (87%), Alpträumen (79%) und Kopf- oder Bauchschmerzen leiden (57%).

Flüchtlinge: 56% der Befragten sagten, dass sie Flüchtlinge aufgenommen hätten. 76% dieser Befragten beherbergen ein bis zwanzig Menschen, hauptsächlich Verwandte, Freunde oder Nachbarn. Die Hauptgründe der Vertreibung (42%) waren Beschädigung oder Zerstörung ihre Häuser.

Zugriff auf grundlegende Gesundheitsvorsorge: 56% sagten, dass sie Probleme beim Zugriff auf grundlegende Medikamente wie Antibiotika, Medikamente für Fieber, Diabetes, Herzerkrankung und der Bluthochdruck hätten. 59% von ihnen meldeten gesundheitliche Komplikationen und eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes aufgrund dessen, dass sie keine Medikamente bekämen. Die Hälfte der Befragten (50%) sagte aus, dass sie, wenn notwendig, Krankenhäuser nicht besuchen könnten. (Anmerkung: Ein Drittel der Beteiligten dieser Befragung wurden vor dem Waffenstillstand kontaktiert.)

Wasser und sanitäre Einrichtungen: Etwa ein Drittel (32%) der Haushalte sagte aus, das sauberes Wasser ihr dringendstes Bedürfnis sei. 47% meldeten, dass es keine Müllabfuhr in ihrer Nachbarschaft gebe, die Mehrheit der Befragten (67%) werfe ihren Abfall in die Straße.

Strom: 86% gaben an, dass es ständige Stromausfälle gebe, obwohl die Stromversorgung derzeit wieder hergestellt werde.

Ernährungssicherung: 86% sagten aus, dass sie kein Bargeld zur Verfügung hätten. Die Hälfte der Befragten erklärte, dass sie Lebensmittel am dringendsten benötigten.

Zur Methode der Befragung: Um diese Studie zu erstellen, wurden 525 Menschen im Gazastreifen ab 18 Jahren vom 17.-19. Januar 2009 befragt. Sie wurden zufällig aus dem palästinensischen Telefonbuch ausgesucht und unter 150.000 Nummern, hauptsächlich Festnetzanschlüssen, ausgewählt. Die Fehlerrate für diese Studie liegt bei 4,3%.