Cholera in Sierra Leone: "Ich dachte, ich müsste sterben"

Im Dorf Koli Soko in Sierra Leone ist die Cholera ausgebrochen. Auch die 75-jährige Maria ist erkrankt. CARE verteilt Hygieneartikel und klärt die Familien über die Krankheit auf.

Die 75-jährige Maria fühlt sich nicht gut. Zum ersten Mal in ihrem langen Leben ist sie an Cholera erkrankt. Aber sie kennt die Zeichen gut. Letzte Woche hat sie sich um ihren achtjährigen Enkel Zechariah gekümmert und mit ihm um sein junges Leben gekämpft. Dank der Trinksalzlösungen fühlt er sich jetzt besser. "Wir sind so erleichtert, dass Zechariah die Cholera überstanden hat", erzählt sein Vater. "Aber wir fürchten um das Leben meiner Mutter. Ihr Körper ist nicht so stark wie der Zechariahs. Ihr fehlt die Kraft, um gegen die Krankheit anzukämpfen."

Die Cholera hat mittlerweile ganz Sierra Leone fest im Griff, die Regierung hat Ende August den nationalen Notstand ausgerufen. 12 der 13 Regionen des Landes sind betroffen, insgesamt sind fast 4,6 Millionen Menschen gefährdet. Über 17.000 sind bereits erkrankt, 259 Menschen gestorben. Jeden Tag kommen neue Fälle hinzu. Auch in Marias Dorf Koli Soko haben sich bereits 42 Menschen infiziert. Zwei haben die Cholera nicht überlebt; manchmal dauert das nur wenige Stunden.

Ein Dorf kämpft gegen die Cholera

Die 75-jährige Maria ist an Cholera erkrankt, nachdem sie ihren Enkel gesund gepflegt hat. (Foto: CARE/Tim Freccia)Koli Soko hat ein kleines Gesundheitszentrum, in dem Behandlungen durchgeführt werden. Aber ein mangelndes Abwassersystem, verbunden mit schweren Regenfällen, haben zu Überschwemmungen geführt und alle einem hohen Risiko ausgesetzt. Marias Sohn zeigt uns ihre einzige Wasserquelle: ein kleiner stiller Teich in der Nähe des Dorfes; er ist völlig verschmutzt und wimmelt von Moskitos. "Wir haben Angst, dass dieses Wasser nicht mehr sicher ist, jetzt, wo so viele Menschen des Dorfes erkrankt sind". Aber eine andere Wahl haben sie nicht.

Marias Nachbarn sind John, Yebefula, die fünfjährige Sida und der zehn Monate alte Moses. Yebefula hat sich mit Cholera infiziert und war für fünf Tage mit Moses in Quarantäne. Ihr geht es jetzt besser, aber sie hat schreckliche Angst um ihren Mann und ihre Kinder. "In den letzten Tagen habe ich mich gefühlt, als müsste ich sterben. Ich will alles nur Mögliche tun, um meine Kinder vor dieser Krankheit zu schützen".

So hilft CARE

CARE verteilt in dem kleinen Ort Cholera Vorsorge-Kits mit Seifen, Trinksalzlösungen und Wasseraufbereitungstabletten. Das Team erklärt jeder Familie, wie sie sich vor Cholera schützen kann. Regelmäßiges Händewaschen sowie Abkochen von Wasser und Nahrungsmitteln vorm Verzehr sind elementare Voraussetzungen, um in Zeiten der Cholera zu Überleben. Aber CARE unterstützt nicht nur die Menschen im Dorf Koli Soko. In vier Regionen verteilt CARE Vorsorge-Kits mit Hygieneartikeln und Trinksalzlösungen. Zudem informiert CARE die Menschen über das Radio, wie sie sich am besten vor Cholera schützen können.

Während das CARE-Team Koli Soko verlässt, badet Yebefula ihre Kinder mit der Seife, die sie soeben erhalten hat. Sie hofft inständig, dass ihre Kinder von der lebensbedrohlichen Krankheit verschont bleiben. Aber viele Familien warten noch darauf, Trinksalzlösungen und Hygieneartikel für den Kampf gegen die Cholera zu erhalten. CARE arbeitet in Sierra Leone unter Hochdruck, um neben der Nothilfe mit den Menschen auch langfristige Lösungen gegen die Cholera zu finden.