Dadaab: Die Hilfe von CARE im Überblick

Zahlen und Fakten zur humanitären Hilfe im Flüchtlingslager Dadaab

CARE arbeitet seit 1991 in den drei Lagern von Dadaab, die ursprünglich für 90.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Somalia angelegt wurden. Aufgrund der anhaltenden Dürre und der politischen Instabilität in Somalia ist die Zahl der Neuankömmlinge in den letzten Monaten dramatisch angestiegen. Bis zu 1.500 Menschen treffen zeitweise täglich in Dadaab ein, inzwischen hat die Zahl der registrierten Flüchtlinge 420.000 Menschen überschritten.

CARE ist in allen drei Camps für die Wasserversorgung und die Verteilung von Nahrungsmitteln zuständig. Das Jahresbudget der regulären Hilfsleistungen liegt 2011 bei rund 5 Millionen Euro. Seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen werden alle Programme aber massiv ausgeweitet. Aus Deutschland hat CARE in den letzten Wochen für die Aufstockung seiner Hilfe allein über 3 Millionen Euro erhalten, größtenteils von Privatspendern und Stiftungen. Davon werden unter anderem die Wasserversorgung in den so genannten influx areas, den Außenbereichen der bestehenden Camps, Schulunterricht sowie Aufklärungsarbeit und Betreuung von Opfern sexueller Gewalt finanziert.

Die Hilfe von CARE: Zahlen und Fakten
CARE arbeitet mit 270 überwiegend kenianischen Mitarbeitern und 1.600 Helfern, die selbst Flüchtlinge sind, zusammen.

Nahrung und Hilfsgüter

Zweimal im Monat finden Verteilungen von Nahrungspaketen an alle registrierten für 14 Tage an den Verteilstätten statt. Zusätzlich versorgt CARE jeden Tag neuangekommene Flüchtlinge in den Empfangszentren mit Hilfsgütern. Dazu gehört Nahrung für 21 Tage (Weizenmehl, Mais-Soja-Gemisch, Speiseöl, Maismehl, Bohnen, Zucker, Salz) sowie Plastikplanen, Kochtöpfe, Seife, Decken, Matten und Wasserkanister. Besonders unterernährte und schwache Menschen erhalten hochenergiereiche Kekse  und/oder Plumpy Nut, eine Erdnusspaste, die speziell Kinder mit den notwendigen Nährstoffen versorgt und gut zu verdauen ist.

--> Seit Anfang Juli hat CARE über 63.000 neu ankommende Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern versorgt


Wasser, sanitäre Anlagen und Hygieneaufklärung
CARE sichert die Wasserversorgung in allen drei Camps, um jeder Person durchschnittlich 15 Liter Wasser am Tag zur Verfügung zu stellen. In 20 Bohrlöchern wird Grundwasser in erhöhte Tankbehälter gepumpt und von da aus durch Wasserleitungen zu einer der über 480 Verteilungsstellen. Die Wasserleitungen werden kontinuierlich ausgebaut und instandgesetzt, um auch die neu besiedelten Gebiete am Rande der drei Camps zu versorgen.

Um den großen Bedarf an Wasser kurzfristig zu s

 

tillen, organisiert CARE auch Wassertankwagen, die täglich zu den Verteilungsstellen fahren und das Wasser auffüllen. Dazu führt CARE seit Jahren ein Programm zur Müllbeseitigung sowie Kampagnen zur Hygieneaufklärung durch. Komitees aus den Flüchtlingsgemeinden werden dabei unterstützt, Aufklärung über die Vorbeugung von Krankheiten, sauberes Kochen, Körperhygiene und andere Gesundheitsthemen in ihrer Gemeinde durch Hausbesuche und öffentliche Demonstrationen zu leisten.

--> Ein Bohrloch liefert Grundwasser für rund 20.000 Menschen, CARE hat in den vergangenen Jahren insgesamt 20 Bohrlöcher installiert und versorgt über 480 Wassersammelstellen. Jeder Flüchtling erhält durchschnittlich 15 Liter Wasser pro Tag

Bildung
CARE hat im Camp Dagahaley fünf Grundschulen aufgebaut, in denen über 15.100 Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren Unterricht erhalten. Während der Sommerferien im August gibt es zurzeit einen Schnellkurs für neu angekommene Kinder, damit sie ab September dem normalen Unterricht folgen können. Daran haben bis jetzt 1.600 Kinder teilgenommen, die während des Vormittags vom Welternährungsprogramm eine Mahlzeit erhalten.

CARE plant den Ausbau seiner Bildungsprogramme und die Einstellung und Ausbildung weiterer Lehrer, die meisten von ihnen selbst Flüchtlinge, die in Dadaab ihre Schullaufbahn bestritten haben.

--> 15.100 Kinder gehen in eine der fünf von CARE geführten Grundschulen in Dagahaley. Während der Sommerferien gibt es einen Intensivkurs für neu angekommene Kinder, 1.600 haben bereits teilgenommen.


Psychosoziale Unterstützung und Gemeindearbeit
CARE Hausbesuche, Gruppendiskussionen und Foren helfen dabei, Rollenbilder zu überdenken und Fälle von häuslicher Gewalt nachzuverfolgen. Viele Frauen und Kinder, die in Dadaab ankommen, haben auf dem Weg sexuelle Gewalt und Missbrauch erlebt. CARE hat Informationszelte in allen drei Camps eingerichtet und unterhält ein System von Überweisungen.

 

Verletzte Frauen werden zu medizinischen Zentren gebracht, die von MSF und GIZ geleitet werden. Besonders gefährdete Familien erhalten Unterstützung bei der Siedlung an sichereren, bevölkerten Orten, dem Transport von Nahrungsmitteln und einem schnelleren Registrierungsprozess. CARE unterstützt darüber hinaus Jugend- und Sportgruppen, hat in allen drei Camps ein Pilotprojekt von Gewächshäusern eingerichtet und bildet Flüchtlinge darin aus, Verantwortung für ihre Nachbarschaft zu übernehmen.

Herausforderungen in der Zukunft

Bei der derzeit stattfindenden Umsiedlung muss gewährleistet werden, dass sowohl die Flüchtlinge in den neuen Siedlungsgebieten Hilfe bekommen, als auch diejenigen, die weiter in den Randgebieten der Lager untergebracht sind. Die Ausweitung der Hilfsmaßnahmen kann außerdem nicht ohne eine Verstärkung von Logistik, Personal und anderen Sektoren stattfinden.

CARE hat in den letzten Wochen alle Bereiche aufgestockt, allerdings wird die Entwicklung in den kommenden Monaten mit Sorge beobachtet. Wenn weiterhin ähnlich viele Flüchtlinge eintreffen, sind die Kapazitäten bald am Limit. CARE bemüht sich neben Geldern für die Aufstockung der Nothilfe deshalb auch um langfristig planbare finanzielle Unterstützung, denn die über 400.000 Flüchtlinge werden auch 2012 und danach weiterhin Wasser, Nahrung und sonstige Unterstützung benötigen.

Information ist eine weitere Herausforderung: viele neuankommende Familien wissen nicht, welche Hilfe sie wo erhalten. Informationspunkte in den Randgebieten und anderen öffentlichen Orten sowie die Ausbildung von Flüchtlingen selbst, um Informationen weiterzugeben, sind zwei der Maßnahmen, die CARE verstärkt umsetzt.

CARE arbeitet seit Jahrzehnten in den von der Dürre betroffenen Ländern am Horn von Afrika, darunter Äthiopien, Kenia und Somalia (Regionen Somaliland und Puntland). Zurzeit werden neben den andauernden Projekten der Katastrophenvorsorge (Management von Viehherden, Instandsetzung der Wassersysteme, Kleinspargruppen und verbesserte Anbaumethoden) auch Nothilfemaßnahmen umgesetzt. Dazu gehört die Verteilung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern, die gezielte Ausgabe von Bargeld an besonders schwache Familien und Wasserlieferungen.