Das Leben geht weiter - inmitten der Fluten

CARE-Mitarbeiterin Nalini N. Paul berichtet aus dem überfluteten Bihar.

„Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Angst gehabt wie in den vergangenen Tagen“, berichtet die, zu Beginn der Flutkatastrophe noch hochschwangere, Sarita Devi mit leiser Stimme. Sarita ist Einwohnerin des Dorfes Majura, das stark überschwemmt wurde. Zwölf hoffnungsvolle Tage wartete sie auf Hilfe – auf einer Anhöhe in ihrem Dorf, in der sie einigermaßen vor dem steigenden Flutwasser geschützt war. Erst am 13. Tag inmitten der Wassermassen kamen die ersehnten Rettungstruppen. Sarita beschreibt diese lange Wartezeit als härteste Geduldprobe ihres Lebens.

Aber selbst inmitten von Tod und Zerstörung geht das Leben auf wundersame Weise weiter. Sarita brachte heute Morgen in der öffentlichen Klinik von Triveniganj einen Jungen zur Welt. Und auch Bharav, eine Frau aus dem Dorf Manganj, schenkte im selben Krankenhaus einer kleinen Tochter das Leben.

Babynahrung und Schutz vor Krankheiten notwendig


Sarita und Bharavi sind froh, dass sie die Evakuierung überlebt haben und ihre Kinder sicher auf die Welt bringen konnten. Doch jetzt ist es umso wichtiger, dass die beiden Frauen und ihre Kinder ausreichend Lebensmittel und Babynahrung erhalten. Die Neugeborenen brauchen außerdem ein sicheres und sauberes Umfeld, das sie vor ansteckenden Krankheiten schützt.  

Aus dieser Notwendigkeit heraus hat CARE Indien die Hilfsarbeit in einem staatlichen Notlager im Distrikt Supaul übernommen. Die Menschen, die aus ihren überfluteten Dörfern flüchten mussten, erhalten dort Hygieneartikel, Schwangerschaftspakete und Zusatznahrung. Außerdem leisten ein Arzt und mehrere Krankenpfleger medizinische Nothilfe. Der Versorgung von schwangeren Frauen und stillenden Müttern wird dabei besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Veränderter Flusslauf, unerwartete Katastrophe


Aufgrund der diesjährigen verheerenden Monsunregenfälle veränderte der Fluss Kosi seinen ursprünglichen Verlauf entlang der Grenze zwischen Indien und Nepal und überflutete Hunderte von Dörfern im Norden Bihars. Behörden haben mit einer solchen Flutkatastrophe nicht gerechnet. Die Menschen aus dieser Region sind eine Überschwemmung dieses Ausmaßes nicht gewohnt und fühlen sich angesichts der Lage völlig überfordert.  Die indische Regierung hat daraufhin eine der größten Hilfs- und Rettungsaktionen in der Geschichte des Landes eingeleitet.

CARE Indien strebt innerhalb dieser Hilfsaktion besonders danach, die Würde der tausenden Flüchtlingen aufrecht zu erhalten und sie beim Aufbau ihres neuen Lebens tatkräftig zu unterstützen.