Der Armut die Stirn bieten

Internationaler Tag gegen Armut am 17. Oktober

Der 17. Oktober ist der weltweite Tag für die Beseitigung der Armut. Es ist der Tag der 1,4 Milliarden Menschen, die weltweit mit nur einem Euro am Tag überleben. In einer aktuellen Studie erkannte die Weltbank, dass die Lebenshaltungskosten in vielen Entwicklungsländern höher sind, als bislang vermutet. Daraufhin hob sie die Zahl der Armen an: Führten in den letzten Jahren noch 985 Millionen Menschen ein Leben unterhalb der Armutsgrenze, so sind es im Jahr 2008 1,4 Milliarden – jeder vierte Mensch.

CARE ist davon überzeugt, dass der Schlüssel zum Ende der Armut in den Händen der Frauen liegt. Denn sie sind es, die auf die Ausbildung ihrer Kinder Wert legen, die die Familie zusammenhalten, die Äcker bewirtschaften und oft sparsamer als ihre Männer mit dem kargen Einkommen wirtschaften. So wie die 50-jährige Juana Perez aus Guatemala. Sie hat mit einem kleinen Kredit in einen Hühnerverkauf investiert – und verdient daraus genug Geld, um vier ihrer sieben Kinder in die Schule zu schicken. Ihr Wissen um Handel und Investition gibt sie nun an andere Frauen ihres Dorfes weiter.

Mit Mut gegen Traditionen

Doch oftmals werden den Frauen ihre Chancen und ihre Rechte verwehrt. Knapp eine Milliarde Menschen leben von weniger als einem Dollar am Tag, zwei Drittel davon sind Frauen. Obwohl Frauen die Hälfte der weltweiten Nahrungsmittel produzieren, besitzen sie nur ein Prozent der gesamten Ackerfläche. Sie werden gedemütigt, geschlagen, zwangsverheiratet, vergewaltigt, verstümmelt. Und schaffen es dennoch, unter diesen Umständen ihre Würde zu behalten. So wie Abay, die Phil Borges in Äthiopien traf. Als junges Mädchen sollte sie beschnitten werden. Sie floh aus ihrem Heimatdorf. Acht Jahre später kehrte sie zurück – mit dem Ziel, die brutale Praxis zu beenden. Da sich jahrtausende alte Traditionen nicht so einfach ändern lassen, wurde Abay mehrmals bedroht und sogar geschlagen. Aber sie gab nicht auf. Zusammen mit CARE hat sie einen Film gedreht und den Clanführern gezeigt, welche Qualen die Frauen leiden. Seitdem findet die Zwangsbeschneidung in ihrem Dorf nicht mehr statt.

Mutige Frauen, die der Armut die Stirn bieten und in ihrer Dorfgemeinschaft etwas bewegen, gibt es überall auf der Welt. Der amerikanische Phil Borges ist ihnen begegnet auf seinen Reisen, und er hat viel Zeit mit ihnen verbracht. Er hat ihren zugehört, hat von ihren Erfolgen, aber auch von ihrem Leid erfahren. „Ich möchte dem Betrachter diese Menschen als Individuen zeigen, ich möchte ihre Namen nennen und einen Teil ihrer Geschichte erzählen, sie sollen mehr als nur anonyme Mitglieder einer fremden ethnischen Gruppe sein“, so beschreibt  Phil Borges sein Ziel. Er gibt den Frauen eine Stimme. Und er zeigt uns: Die Zukunft ist weiblich. Für seine Arbeit wurde der Fotograf bereits mehrfach ausgezeichnet. Seine Bilder hingen im UNO-Gebäude in New York und machen Station in den renommierten Häusern von San Francisco bis nach Chicago.

In der Heinrich Böll Stiftung in Rostock ist die Ausstellung bis zum 29. Oktober zu sehen. Der Bildband „Frauen verändern die Welt“ von Phil Borges ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich (Verlag Frederking und Thaler). Ein Euro pro Verkauf geht an CARE DL.

 Stehen Sie auf gegen Armut. Nehmen Sie an der Aktion "Stand Up & Take Action" teil. Ziel dieser weltweiten Aktion ist es, dass in diesem Zeitraum möglichst viele Menschen gemeinsam Aufstehen, aktiv werden und ihre Stimmen gegen Armut erheben. Im letzten Jahr haben über 43 Millionen Menschen mitgemacht – am Ende stand der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Dieses Jahr soll dieser Rekord gebrochen werden.