„Der Himmel ist unser Dach“

Kurzfilm „Escape“ über drei Roma-Frauen auf dem Balkan auf dem 56. internationalen Filmfestival DOK Leipzig

Dass Armut und Unterdrückung einen Teufelskreis bilden, erleben Frauen aus Roma-Gemeinden auf dem Balkan jeden Tag. Häusliche Gewalt, frühe Schwangerschaften, kaum Zugang zu Bildung – ein selbstbestimmtes Leben bleibt vielen Frauen verwehrt. CARE leistet in der Region Aufklärungs- und Informationsarbeit, um Roma-Frauen zu fördern. Regisseur Srdjan Keca hat sich auf die Suche gemacht und porträtiert in seinem Kurzfilm „Escape“ drei Frauen aus Roma-Gemeinden. Der Film wird nun erstmals in Deutschland auf dem Filmfestival DOK Leipzig ausgestrahlt, weitere Festivals im Balkan und eine Ausstrahlung im serbischen Fernsehen sind geplant.

„Bijeg – Escape“

Ein karger, müllbeladener Bolzplatz, mittendrin Danijela, 15 Jahre alt, allein unter Jungen, stets mit dem Fuß am Ball. Sie ist klug, selbstbewusst und spricht von einer unabhängigen Zukunft. Danijela will Ärztin werden und erst spät heiraten, anders als es in ihrer Kultur üblich ist. Doch vom einen auf den anderen Tag ändert sich alles…
Elvira ist jung und frisch verliebt, als sie nach nur wenigen Monaten Beziehung heiratet. Bald darauf wird sie Mutter. Die kleine Familie hat es schwer, es fehlt an allen Ecken und Enden. Elviras Mann lässt seine junge Frau und Tochter allein. „Ich fühlte mich wie ein Niemand“, erzählt Elvira. Doch sie ergreift ihre Chance und nimmt Unterstützung in Anspruch. Elvira holt ihren Schulabschluss nach und erlangt die Qualifikation zur Eröffnung eines eigenen Geschäfts. Diese Arbeit und psychologische Unterstützung machen Elvira zu einer unabhängigen Frau und Mutter. Heute lacht sie verständnislos über ihre damalige Unsicherheit und konzentriert sich mit aller Kraft auf die Entwicklung und Bildung ihrer Tochter.
Galiba hat viele Jahre häuslicher Gewalt hinter sich. Mit einem bitteren Lachen erinnert sie sich an die ersten Schläge: Ihr Mann verlor einen Wettkampf, sie amüsierte sich über seine Niederlage, er fühlte sich in seinem Stolz verletzt. Erst nachdem ihre Kinder erwachsen waren, nahm Galiba ihr Leben in die Hand und bekam ein kleines Darlehen für eine Hühnerzucht. Geschlagen wird sie heute nicht mehr, aber das Geld reicht kaum zum Leben. Nachdenklich sitzt sie am Ufer eines Sees und erinnert sich daran, was ihr Vater früher sagte: „Wir haben kein Zuhause. Für uns Roma ist die Erde der Boden und der Himmel das Dach.“ Heute spricht sie mit anderen Roma-Frauen über häusliche Gewalt und möchte Vorbild dafür sein, dass Frauen und Mädchen sich wehren.

Förderung von Roma auf dem Balkan

CARE arbeitet auf dem Balkan gegen die Ausgrenzung von Roma und fördert dabei gezielt Frauen und Mädchen. Dialoge mit Familien und Schulen helfen dabei, die Einschulungsrate von Roma-Mädchen zu erhöhen, Trainingsprogramme für Frauen bieten Alternativen zum Leben in Armut. CARE stellt auch Darlehen zum Aufbau kleiner wirtschaftlicher Unternehmungen wie Friseursalons, Gemüsegärten oder anderen Einkommensquellen bereit. Dazu arbeitet CARE mit Partnerorganisationen daran, dass die Bedürfnisse von Roma-Gemeinden bei nationalen Ministerien und Behörden mehr Gehör finden. In den letzten dreieinhalb Jahren haben 400 Frauen an Projekten teilgenommen und erfolgreich ihren Schulabschluss nachgeholt, Berufsvorbereitungskurse besucht oder Berufsqualifikationen erworben und somit auch zur Verbesserung des gesellschaftlichen Status der Roma beigetragen. CARE spricht in der Programmarbeit auch gezielt die Jugend und Männer in Roma-Gemeinden an, damit Stereotypen beseitigt und Geschlechterrollen nachhaltig verändert werden.