Der Kampf um ein trockenes Fleckchen

CARE-Mitarbeiterin Nalini N Paul berichtet aus Bihar von den Überschwemmungen.

Man kann die Trostlosigkeit und den Schmerz in  den Augen von Rihana Kahtun sehen. Ich traf sie in Triveniganj, am Ufer des tobenden Flusses Kosi, dessen Verlauf sie mit leerem Blick nachstarrte. Nach einiger Überwindung erzählte sie mir von ihren Erlebnissen während einer der schlimmsten Flutkatastrophen in Indien seit über 50 Jahren.

Rihanas Dorf im Distrikt Madhepura wurde stark überschwemmt als der Kosi vor drei Wochen über sein Ufer trat und rasende Wassermassen und Trümmerstücke durch die Region Bihar mit sich riss. Drei Millionen Leute wurden obdachlos. Rihanas gesamte Familie war über zehnTage lang ohne Nahrung und sauberes Trinkwasser in ihrem Dorf Lahigara gefangen.

Rettung - aber ohne Familie

Rihana wurde schließlich gerettet und ins rettende Notlager gebracht – den Rest ihrer Familie musste sie zurücklassen. Die Familienmitglieder warten dort noch immer auf Hilfe. Sie hofft sehr, dass die Hilfskräfte bald erneut den Fluss überqueren, aber es stehen extrem wenige Boote zur Verfügung und auf eines dieser Boote zu kommen, ist äußerst schwierig. „Ich wurde drei Mal von Männern heruntergeschmissen, bevor ich die andere Seite erreichte“, erzählte sie.

In Zeiten des Ausnahmezustands sind Frauen, Kinder und alte Leute am meisten verwundbar. Ich habe neben Rihana noch weitere Betroffene mit ähnlichen Erlebnissen kennengelernt. Sie berichteten ebenfalls von Drohungen und sogar gewaltsamen Angriffen, als sie versuchten, sich in Sicherheit zu bringen oder Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter zu bekommen.

Nahrung, Trinkwasser und Kleidung am dringendsten benötigt

Rihana arbeitet als Tagelöhnerin und hat in den vergangenen Tagen ihr gesamtes spärliches Hab und Gut verloren. „Ich habe keine Ahnung, wann ich nach Hause zurückkehren kann. Ich brauche jetzt vor allem trockene Kleidung und eine volle Mahlzeit“, beteuerte sie.   

CARE Indien hat sich vorgenommen, Rihana und tausenden anderen Einwohnern Bihars zu helfen. CARE setzt Motorboote im Distrikt Supaul ein, um Menschen, die auf ihren Dächern ausharren, sicher auf trockenen Boden zu bringen. In Zusammenarbeit mit der indischen Regierung koordiniert CARE ein Notlager für bis zu 5.000 Menschen, die alles verloren haben. Dort werden sie mit Trinkwasser, medizinischer Hilfe, Kleidung, Schlafmatten und anderen, zum Leben benötigten Gütern versorgt. Zudem achtet CARE vor allem darauf, dass schwangere Frauen sowie Mütter mit Kindern Nahrungsmitteln erhalten. Hygienepakete und Säuglingsnahrung werden ebenfalls verteilt. Bevor Rihana und viele andere wieder in ihre Heimatorte zurückkehren können, wird sicherlich noch eine Weile vergehen. Die ansässigen Behören vermuten, dass es vier Monate dauert, bis der Flutwasserpegel sinkt und vertriebene Familien ihre Heimreise antreten können. Bis dahin stellt das CARE-Nothilfe-Team sicher, dass Menschen wie Rihana Zugang zu einem sicheren Schlafplatz, Kleidung, warmen Mahlzeiten und sauberem Wasser bekommen.