„Die Hilfe kommt an, aber noch ist es nicht genug“

Interview mit Waleed Rauf, Länderdirektor von CARE Pakistan

1.) Seit mehr als zwei Wochen reißen die Nachrichten über die Flutkatastrophe in Pakistan nicht ab. Wie sieht es heute vor Ort aus?

Es regnet weiterhin. Wir sind mitten in der zweiten Phase des Monsuns, doch es gibt immer drei Phasen. Die UN spricht mittlerweile von 3,5 Millionen notleidenden und krankheitsgefährdeten Kindern, was zeigt, dass sich die Situation stetig verschlechtert.

2.) Das klingt, als wären die Hilfsorganisationen nicht fähig, Hilfe zu leisten?

CARE und andere Hilfsorganisationen gehen an ihre Grenzen. Selbst jetzt, während der Fastenzeit Ramadan, sind wir rund um die Uhr im Einsatz. Zusammen mit unseren Partnern im Norden und Süden des Landes helfen wir den Menschen direkt vor Ort.

3.) Was genau macht CARE? Wie leistet CARE Hilfe?

Wir sind in verschiedenen Regionen Pakistans tätig. CARE und unsere Partner in Khyber Pakshtoon Kwa (KPK), sowie der Provinz Sindh sind mit mobilen Kliniken unterwegs. Diese leisten medizinische Grundversorgung, aber auch erste Hilfe bei Verletzungen. Sofort nach Beginn der Flut haben wir all unsere Hilfsgüter verteilt, darunter Zelte, Kleidung, Hygiene- und Küchenutensilien. Die Lager, die für solche Notfälle vorgesehen waren, sind nun leer. Bisher waren wir vor allem in den stark betroffenen Regionen Nowshera und Charsadda. Auch in Punjab und Sindh werden wir in den nächsten Tagen Hilfsgüter verteilen.

4.) Was benötigen die Flutopfer denn am meisten? Was hat oberste Priorität?

Es gibt drei gleichwertige Prioritäten, die unabhängig voneinander wichtig sind. Wie man an der steigenden Zahl von Hungernden erkennt, wird Nahrung dringend benötigt. Hygiene ist aber genau so eine Priorität. Stehendes Wasser, 40°C Hitze und Feuchtigkeit sind ein idealer Nährboden für Krankheiten. Medizinische Versorgung ist also dringend, vor allem für Kinder und Frauen. Die Vereinten Nationen gaben diese Woche bekannt, dass mehr als 3,5 Millionen Kinder direkt durch Krankheiten gefährdet sind. Unterkünfte stellen die dritte Priorität dar. Viele Zelte, die nach dem Erdbeben in Haiti dorthin geschickt worden, kamen von Zulieferern aus Pakistan. Die Lager sind noch nicht wieder dem Bedarf entsprechend gefüllt.

5.) Was erwarten Sie von den nächsten zwei bis drei Wochen?

Sollten wir, und ich spreche nicht nur über CARE, ausreichend finanzielle Unterstützung und Spenden bekommen, können wir hier in Pakistan schneller reagieren. Wir könnten die Nothilfe wesentlich ausweiten und somit mehr Menschen schneller erreichen. Wenn nicht, dann möchte ich nicht daran denken, was mit den Millionen von Flutopfern passiert, die bisher noch keine Hilfe erhalten haben und dann allein ums Überleben kämpfen müssen.

6.) Viele Menschen sind besorgt, dass die Hilfe nicht bei den Flutopfern ankommt, sondern vorher in dunklen Kanälen versickert. Was denken Sie darüber?

Hier Nothilfe zu leisten ist eine enorme Herausforderung, aber wir können sagen, dass die Hilfe bei den Bedürftigen ankommt. Das versichere ich jedem Spender, der CARE unterstützt. Mit unserer langjährigen Erfahrung, den engagierten Helfern vor Ort und dank eines rigorosen Kontrollsystems gewährleisten wir, dass die Hilfe direkt zu den notleiden Menschen gelangt. Sicherlich gibt es immer noch viel zu tun, und internationale Organisationen wie CARE sind entschlossen, sich diesen Aufgaben zu stellen. Trotz des Fastenmonats Ramadan sind unsere Kollegen weiter ununterbrochen im Einsatz, um den Flutopfern zu helfen.

CARE unterstützt die Menschen in Pakistan mit Zelten, mobilen Kliniken und Hilfsgütern. Bitte helfen Sie uns, zu helfen:

Spendenkonto 4 40 40
Sparkasse KölnBonn (BLZ 370 50 198)
Online spenden unter www.care.de/spenden-helfen
Schicken Sie eine SMS mit CARE an die 81190 und unterstützen Sie uns mit 5€ (zzgl. SMS-Versand, Charity-Erlös 4,83€/SMS).