Die Kinder von Addis Abeba

Äthiopien-Blog des CARE-Pressesprechers Thomas Schwarz

Pressesprecher Thomas Schwarz begleitet den CARE-Vorsitzenden Heribert Scharrenbroich auf einer Erkundungsreise ans Horn von Afrika. Scharrenbroich verschafft sich dort ein Bild von der schlechten und bedrohlichen Ernährungslage für Millionen von Menschen. Ziel der Reise sind Äthiopien und Kenia. Hier die persönlichen Eindrücke von Thomas Schwarz.

Sie sind mir schon auf dem Weg vom Flughafen in Addis Abeba begegnet. Abgetragene Hosen, durchgelaufene Schuhe, Hemden oder T-Shirts mit Löchern. Sie sind ungewaschen, weil sie kein Wasser dazu finden. Und wenn, ist es zu dreckig. Sie müssen sich mit ihren Geschwistern und Eltern immer weniger Essen teilen. Es ist so wenig geworden, dass es schon seit Monaten nicht mehr ausreicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man von einigermaßen gesunder Ernährung sprechen will. Es sind vor allem die Kinder, die unter der „Nahrungsmittelkrise“ leiden.

Dieses Wort, das auch bei uns in Deutschland mittlerweile jeder schon einmal gehört oder gelesen hat, wird hier sehr konkret. Es verliert seine Abstraktion vollkommen.

Die äthiopischen Kinder, die mir auf dem Weg zwischen Flughafen und Hotel heute Morgen begegnet sind: Sie sind auf der Suche nach Essen. Sie sind hier aufgewachsen, in der großen Stadt. Oder sie kommen mit ihren Müttern von irgendwo im Land hier her. Sie sind sehr weit gegangen, um in der Stadt zu finden, was es zuhause nicht mehr gibt. Auf dem Land ist das Essen ausgegangen.

Während ich diesen ersten Blog auf der Reise schreibe, in meinem komfortablen Hotelzimmer, donnert es draußen. Eigentlich ist jetzt gerade Regenzeit. Die richtige, nicht die, die sie „Beelg“, die kleine Regenzeit nennen. Die ist immer, wenn wir Frühjahr haben. Aber selbst die kleine war viel kleiner als früher. Meine Kollegin Dawn von CARE Äthiopien erklärt unserem Vorsitzenden Heribert Scharrenbroich und mir, dass die Abstände immer kürzer werden: die Abstände zwischen den Regen- und den Trockenzeiten. Allerdings so, dass der Rhythmus der Natur sich ständig zu Lasten der Menschen verschlechtert. Dabei fällt mir die „Einigung von Japan“ ein, als bei dem Treffen der G8 vereinbart wurde, den CO2-Ausstoß zu halbieren, wegen der Umwelt und des Klimas. Allerdings erst bis 2050. Als ob wir soviel Zeit hätten.