Ein Stück Seife kann Leben retten

Ginette Désormus hat fünf Familienmitglieder durch die Cholera verloren. Sie selbst und ihre Tochter haben dank Vorbeugungsmaßnahmen überlebt.

Die Familie von Ginette Désormus war eine der ersten, die vom Ausbruch der Cholera-Epidemie Ende Oktober 2010 betroffen war. Ginettes 17-jähriger Bruder Johnny, ihre zwei Cousins und deren zwei Kinder –  insgesamt fünf Mitglieder ihrer Familie –  starben an der Durchfallkrankheit.

Auch Ginette selbst sowie ihre 3-jährige Tochter erkrankten an Cholera und überlebten nur knapp. „Die Aufklärungsmaßnahmen haben uns sehr geholfen. Wir wussten genug über die Krankheit, um schnell reagieren und so überleben zu können“, sagt die 29-Jährige.

Mit ihrem Handy konnte sie Radiosendungen empfangen, die über den richtigen Umgang mit der Krankheit aufklärten. „Wascht Euch die Hände, wascht das Obst, das Ihr esst, geht zu einem Rehydrierungs-Zentrum oder ruft die Informationshotline an, sobald Symptome auftreten. Unsere Sendung richtet sich an die gesamte Bevölkerung, nicht nur an Menschen, die bereits an Cholera erkrankt sind.“

 

Ginette glaubt an ihr Glück

Ginette glaubt nicht an Pech. Ganz im Gegenteil: Sie hat das Gefühl, vom Glück verfolgt zu werden. „In meiner Nachbarschaft sind ganze Familien an der Cholera gestorben. Wir hatten nur fünf Tote, und obwohl sich meine Tochter bis heute noch nicht ganz erholt hat, ist sie am Leben und gesund“, sagt sie erleichtert.

Sie war auf dem Weg zum Markt, als sie von einer öffentlichen Diskussion zum Thema Cholera-Prävention hörte. „Ich habe die Botschaften hunderte Male gehört, aber es kann niemals oft genug sein. Manchmal haben wir ein Detail vergessen, oder wir haben nicht alles genau so beachtet, wie wir eigentlich sollten. Manchmal dachten wir, dass es die Cholera gar nicht mehr gibt“, sagt Ginette.

Aber die Menschen sind nicht nur daran interessiert, bei so einer Veranstaltung dabei zu sein. „Die Aussicht, ein Stück Seife zu erhalten, ist besonders wertvoll für sie. Wenn die ständige Botschaft, dass Händewaschen leben rettet, von einem Stück Seife begleitet wird, vergisst man sie nicht mehr so einfach. Wenn man dann nach so einer Veranstaltung wieder zu Hause ist, wäscht man sich zu allererst die Hände. Das ist dann vielleicht genau die Geste, die Dir an diesem Tag das Leben gerettet hat.“

 

Aufklärungsarbeit kann niemals zuviel sein

Teams von CARE und ein Netzwerk aus Freiwilligen der Gemeinde organisieren regelmäßig Aufklärungsevents in den Gemeinden. Mit Lautsprechern von einem Pick-up, mit Hausbesuchen oder bei Gemeindetreffen: CARE verbreitet die Vorbeugemaßnahmen so oft wie möglich.

Aber all das reich noch längst nicht aus. Es gibt Maßnahmen, die die Menschen jeden Tag wiederholen müssen, auch, wenn sie einige Anstrengung kosten. Viele CARE-Freiwillige gehen jeden Tag zu den Wasserstellen, um das Wasser, das im Haushalt benutzt wird, an der Quelle zu chlorieren. Das bringen sie auch der Gemeinde bei, damit sie es in der Zukunft auch selbst tun kann.

Das Stück Seife erinnert ständig daran, dass Händewaschen alleine nicht ausreicht. „Wir wissen, dass man an Cholera nicht zwangsläufig stirbt, aber wir haben trotzdem große Angst vor dieser Krankheit“, sagt Ginette. „Meine erste Cousine, die an Cholera starb, hatte noch nicht einmal Zeit, ins Krankenhaus zu gehen. Abends verbrachten wir noch Zeit zusammen. Am nächsten Tag, als wir nach Hause gingen, starb sie.“

 

Einfache Hygienemaßnahmen können die Krankheit aufhalten

Ginette Désormus will so nicht sterben. „Wenn man inmitten seiner Exkremente stirbt, stirbt man ohne Würde“, sagt sie schaudernd. „ Wir wissen, dass einfache Hygienemaßnahmen die Krankheit aufhalten können. Deswegen hören wir sehr genau auf die Anweisungen, die uns die Profis geben.“

Die Mitarbeiter und Freiwilligen von CARE sind in ihren Gemeinden sehr verwurzelt. Viele von ihnen arbeiten bereits seit vielen Jahren mit CARE zusammen, vor allem im Bereich HIV/ AIDS-Prävention. Sie arbeiten leidenschaftlich und wann immer ein weiteres Cholera-Behandlungszentrum schließt, weil es keine Patienten mehr zum Behandeln gibt, ist es für jeden einzelnen ein gemeinschaftlicher und persönlicher Triumph.