Eine Schultasche, ein Lächeln

Ein Tag wie Weihnachten für die Kinder in Haiti

Auf dem großen Schulhof des Collège Rémy Jean Lernec herrscht fröhliches Stimmgewirr. Mehr als hundert Kinder und Eltern warten gemeinsam in kleinen Grüppchen.

Die Ungeduld ist den Kindern ins Gesicht geschrieben. Aufgeregt versuchen sie sich aus den Armen ihrer Eltern zu befreien, die wiederum ihre liebe Not haben, sie bei sich zu behalten.

Für viele der Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren ist es nicht das erste Mal, dass sie das CARE-Team treffen. Viele besuchen mit ihren Eltern Gesprächsgruppen von CARE, die psychologische Betreuung boten. Und vor nicht allzu langer Zeit hatten die Kinder in diesem Camp eine Clownsgruppe zu Besuch. Dieses Camp, das seit dem 12. Januar, ihr Heim ist, heißt bei ihnen nur liebevoll: „famille réunie“ – wiedervereinte Familie.

Wenn das CARE-Team kommt, sind die Kinder ruhig

Lesly Guerrir, Verlaine Fleurantus und Sophonie Mondélus gehören zum CARE-Psychosozial-Team. Sobald sie auftauchen, benehmen sich die Kinder schlagartig und sitzen ganz ruhig da, um den Anweisungen folgen zu können: „Stellt euch bitte in der Reihenfolge auf, in der wir euch aufrufen und wartet, bis ihr eure Schultasche erhalten habt. Danach könnt ihr wieder zu euren Eltern zurück gehen.“

Die Mädchen sind zuerst an der Reihe und stellen sich nach und nach in der Schlange auf. Marie*, acht Jahre, ist auch dabei: „Ich weiß noch nicht, was sich in dieser Tasche befindet. Ich wäre aber sowieso schon glücklich, selbst wenn ich eine leere Tasche bekäme: Mit ihr kann ich endlich zur Schule gehen!“

Die Schultasche ist das Wichtigste

Für die meisten ist die Schultasche das Wichtigste überhaupt: „Es ist das gleiche Model, das man in den Straßen und Geschäften kaufen kann, aber meine Mutter kann sie sich nicht leisten. Ich werde endlich eine schöne neue Tasche haben, um in die Schule gehen zu können“, freut sich die neunjährige Dieula.

Seit einer Woche hat die Schule wieder begonnen – doch viele Kinder können nicht hingehen, da ihnen die nötige Grundausstattung fehlt. Schulgebühren, Bücher, Hefte, Uniformen und Schultaschen sind teuer. Viele Eltern können dies nicht bezahlen, gerade jetzt nicht, wo sie doch nach dem Erdbeben vom 12. Januar alles verloren haben.
Die Kinder sehen daher ihre ganze Zukunft in dieser Tasche. Inmitten der Euphorie versucht eine Mutter, die Aufmerksamkeit auf ihre Tochter zu lenken. Vanessa ist sechs Jahre alt. Sie geht zur Schule und lernt bereits schreiben. Nur eine Kleinigkeit unterscheidet sie von den anderen Kindern: Sie hat nur drei Finger an jeder Hand. „Ich wurde so geboren“, erzählt sie. „Ich hatte eine Zwillingsschwester, der ich meine anderen Finger gegeben habe, aber sie ist trotz allem gestorben“, sagt sie lächelnd. Stolz zeigt sie uns, mit welcher Leichtigkeit sie ihren Stift hält und mit wie viel Geschick sie Kreise und Quadrate zeichnen kann.

Ein Tag wie Weihnachten

„Es gibt keine größere Freude, als in die Augen dieser Kinder zu schauen. Ich bereue es kein bisschen, den Schulhof zur Verfügung gestellt zu haben, damit diese Verteilung stattfinden kann“, erzählt uns Mickeline Desulma, die Direktorin der Schule.

Der Blick von Jennifer, Natasha, Angelène und Lovely ist voller Hoffnung, sie alle lächeln glücklich, als sie gehen. Für sie und die anderen anwesenden  Kinder ist dieser Tag wie Weihnachten. „ Ich hab noch nie in meinem Leben so viele glückliche Kinder gesehen“, erzählt ein amerikanischer Journalist, der bei der Verteilung dabei ist.

 

Bitte unterstützen Sie CARE dabei, in Haiti zu helfen:
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* Namen wurden zum Schutz der Kinder geändert