El Niño in Äthiopien: Ohne Wasser nichts zu essen

Kein Wasser, kein Holz, ständig knurrende Mägen: Wie Tuba und ihre Kinder trotz Ernteausfällen überleben.

Das Wetterphänomen El Niño hat in Äthiopien zu extremer Dürre geführt. In weiten Teilen des Landes ist die Ernte vollständig ausgefallen. Mehr als zehn Millionen Menschen sind auf Lebensmittelhilfen der Regierung und Hilfsorganisationen wie CARE angewiesen. Ohne weitere finanzielle Unterstützung werden Menschen schon im nächsten Monat nichts mehr zu Essen haben.

Ohne Wasser keine Landwirtschaft

Tuba Aliye lebt mit drei ihrer Kinder in Robayo, im Osten von Hararghe. Ihr viertes Kind wohnt bei ihrer Schwester. Sie musste es weg schicken, weil sie allein nicht für sich und vier Kinder sorgen kann. Ihr Ehemann ging fort, um in einer benachbarten Stadt zu arbeiten. Früher arbeitete er gemeinsam mit ihr auf dem Feld. Sie bauten Hirse an. Aber nach zwei ausgefallenen Ernten gab es für ihren Ehemann auf der Farm keine Arbeit mehr.

Früher besaß die Familie mehr als zwanzig Tiere. Heute sind nur noch drei Rinder und zwei Hühner übriggeblieben. Als Mitglied einer der CARE-Kleinspargruppen lieh sich Tuba Geld, um einen Ochsen zu kaufen. Er sollte die Arbeit auf dem Feld erleichtern. Heute kann sie den Ochsen nicht mehr gebrauchen, weil durch die Dürre keine Landwirtschaft möglich ist. Und da niemand im Dorf genügend Geld besitzt, kann sie ihn auch nicht verkaufen. Deshalb muss Tuba den Ochsen behalten und ihn durchfüttern, obwohl sie und ihre Kinder selbst kaum etwas zu essen haben.

Zweimal am Tag macht sich Tuba auf den Weg zum Fluss Ebalo, um Wasser zu holen. Sie geht zu Fuß und trägt dabei ihr jüngstes Kind auf dem Rücken. Zwei Stunden dauert der beschwerliche Weg. Das Wasser ist schmutzig, doch ihr bleibt keine Wahl, es ist die nächstgelegene Wasserquelle.

Nicht nur Wasser ist knapp

Viermal die Woche sammelt Tuba Holz, mit dem sie Feuer macht, um kochen zu können. Mehr als zwei Stunden braucht sie, um wenigstens ein kleines bisschen Holz zusammen zu sammeln. Es ist nicht mehr viel Holz übrig, weil alle Holz zum Kochen brauchen, aber niemand neue Bäume pflanzt. Selbst kleinere Pflanzen würden nicht wachsen, da einfach nicht genügend Wasser da ist.

Heute muss Tuba die letzte Hirse zum Kochen verwenden, die sie noch übrig hat. Eigentlich waren die Samen für die nächste Aussaat eingeplant, doch sie und ihre Kinder haben Hunger. Was sie sät, wenn diese Samen aufgebraucht sind, das weiß sie noch nicht.

CARE unterstützt die äthiopische Regierung bei der Nahrungsmittelhilfe für Menschen, die besonders stark von Dürre betroffen sind. Betroffene Gemeinden werden bei  der Vorbereitung auf zukünftige Dürre-Perioden und Hungerkrisen unterstützt sowie in ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Wetterextremen gestärkt.